Beratung   Coaching   Mediation 






Im 15. Jahr VPSM-Fachverbund
der unabhängigen Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberatungsstellen / Experten
16 Rechtsanw./ 38 Dipl.Psych./Soz.Päd.

Erfahrungshintergrund:   
über 20.000 Stunden    
Beratung / Coaching  
Mediation / Konfliktmanagement
Fortbildung / Training / Schulung




Frankfurter Rundschau 28.10.2009

Fachverbund schlägt Alarm

Hölle Arbeitsplatz
von Petra Mies

Kleines Treffen auf der Büro-Toilette. "Der Mustermann kriegt auch nichts mehr hin",
sagt die Angestellte Lästermaul und lächelt genüsslich. "Stimmt, außerdem ist er faul
und dumm", pflichtet Kollegin Oberclever beim Händewaschen hinzu. Das jedoch dient quasi nur zum Aufwärmen. Denn dem Mann, den die Damen im Visier haben, wird die halbe Abteilung noch viel mehr Übles nachsagen - bis hin zu schmutzigen Geschichten über seine angeblichen Lebensverhältnisse nach Dienstschluss.

"Das kennen wir aus der Politik", befindet Lothar Drat. "Wenn nichts mehr geht, geht
es in den Privatbereich." Der Sozialpädagoge wirkt in der Geschäftsführung des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing in Wiesbaden (VPSM). Und der Fachverbund schlägt Alarm: Mittlerweile jeder Vierte in Hessen erlebe einmal im Berufsleben den Psychoterror und sehe sich mehr oder weniger stark von den ach so lieben Kollegen drangsaliert. Tendenz: steigend. Unter den Mobbing-Opfern gehörten 40 Prozent zu den extrem leistungsfähigen, kreativen und durchsetzungsfähigen Mitarbeitern, erklärt Drat.

Die Folgen beschreibt der Experte auch als volkswirtschaftlich dramatisch. "Zehn Prozent der Betroffenen erkranken sehr ernsthaft", sagt Drat. Die Anfänge der Abwärtsspirale könnten ein gestörter Schlaf, Dauer-Kopfweh oder Magenschmerzen sein. Und das könne sich je nach Schwere des Mobbing-Falles bis hin zu Depressionen, Posttraumatischen Belastungsstörungen oder generellen Angststörungen auswachsen. Die Hölle Arbeitsplatz macht dauerhaft krank.

Der Fachverbund ist darauf spezialisiert, auf "hohem Niveau" Hilfen von der Diagnose bis zum Coaching anzubieten, sagt Drat. Nach dem ersten Beratungsgespräch würden gemeinsam Strategien entwickelt. Hat die betriebsinterne Rufmord-Kampagne schon so viel Schaden angerichtet, dass gar nichts mehr geht? Kann der stigmatisierte Mensch nach einer Auszeit etwa von mehreren Monaten doch noch in seine Firma zurückkehren, unterstützt von Mediation? Oder gibt es nur einen Ausweg aus der Angstfalle, nämlich den Ausstieg? Die juristischen Hilfen seien dabei ebenso wichtig wie die therapeutischen.

Besonders häufig treffe der psychosoziale Stress Mitarbeiter im öffentlichen Dienst und angrenzenden Bereichen. Wo immer eine Leistung nicht klar messbar und kontrollierbar sei, gedeihe die böse Saat. Wie können sich die anderen Kollegen verhalten, die den Terror wahrnehmen, auch wenn sie selbst nicht beteiligt sind? Drat vergleicht die Situation mit der bei öffentlicher Jugendgewalt. "Die Lösung ist sehr leicht und sehr kompliziert", erklärt er. "Wenn ein paar Menschen zusammen aufstehen und helfen,
ist sie leicht. Aber wenn sich nur ein Beobachter ganz alleine widersetzt, kann auch
er selbst plötzlich in den Mobbing-Fokus geraten."






Unser Medien-Echo 1995 - 2010


2010

 
HR4 08.01.2010

** Mobbing Interview mit Lothar Drat
hier als
Podcast zum Hören und
hier zum Lesen (in Kürze)

Weitere Podcasts:
 SWR1 "Der Abend"Modebegriff: "Mobbing"
*** Mobbing-Definition Mobbing-Diagnose Mobbing-Beratung
Mobbing-Prävention Mobbing-Intervention
Petra Waldvogel Lothar Drat
akt. überarb. Podcast

  ARD ZDF HR WDR SWR RTL VOX RNTB ...
*** Im 15. Jahr VPSM-Fachverbund
Arbeitsplatzkonflikte und Mobbing
Prävention Intervention
Coaching Mediation Konfliktmanagement Fortbildung
Ausschnitte aus den Fernsehsendungen an denen wir mitwirkten
hier in gekürzter Form
als Podcast




2009


 ZEIT ONLINE 07.12.2009
** Mobbing-Angst
Ich werde hier voll gemobbt!


Wiesbadener Kurier 30.10.2009
* Mobbing in der Schule - Diskussionsabend in Wiesbaden hilft Eltern und Lehrern

Frankfurter Rundschau 28.10.2009
*** Fachverbund schlägt Alarm

Wiesbadener Kurier 28.10.2009
* Schule: Was tun gegen Mobbing?

Darmstädter Echo 23.09.2009
** Die Qualifikation geht verloren
Mobbing: Mehrere Opfer melden sich beim ECHO –
Bei Kirchen und im Öffentlichen Dienst

Darmstädter Echo 14.09.2009
** Mobbing - Viele Menschen werden an ihrem Arbeitsplatz gemobbt.
Betriebswirtschaftlich entstehen Schäden in Milliardenhöhe. Betroffene
erhalten Hilfe von verschiedenen Beratungsstellen
Es begann mit Gänsen

Die Kitzinger 04.09.2009
** "Mobbing macht Betroffene krank"
Der Sozialpädagoge Klaus Wolf hilft Mobbingopfern und arbeitet als
Konfliktvermittler für Betriebe

ZEIT ONLINE 28.08.2009
** Mobbing-Spirale rechtzeitig stoppen

1995 - 2009 Buch-Projekt: 14 Jahre / 19.000 Stunden 23.09.2009
Coaching Beratung
Prävention Intervention
Konfliktmanagement Mediation
bei Konflikten und Mobbing am Arbeitsplatz




*** Autor: Lothar Drat - Eine kritische Bestandsaufnahme zum Modebegriff Mobbing:


ARD ZDF HR WDR SWR RTL VOX RNTB ... aktualisiert 22.07.2009
*** Im 14. Jahr VPSM-Fachverbund
Arbeitsplatzkonflikte und Mobbing
Prävention Intervention
Coaching Mediation Konfliktmanagement Fortbildung
Ausschnitte aus den Fernsehsendungen an denen wir mitwirkten
hier auch in gekürzter Form als Podcast

Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung 11.07.2009
*** Jeder kann zur Zielscheibe werden
Mobbing am Arbeitsplatz: Zum Opfer werden oft kreative Mitarbeiter
Betroffene sollten sich Hilfe von außen holen

MainEcho Aschaffenburg 27./ 28.06.2009
*** Mobbing macht Mitarbeiter mürbe
Gesundheitsbericht: Höchstand bei Fehlzeiten durch psychische Krankheiten
Neid häufiges Motiv - Beratungsstellen "löschen" Konflikte

SWR1 "Der Abend"Modebegriff: "Mobbing" 02.05.2009
*** Mobbing-Definition Mobbing-Diagnose Mobbing-Beratung
Mobbing-Prävention Mobbing-Intervention
Petra Waldvogel Lothar Drat
akt. überarb. Podcast

Pressemitt.: 4/09 Hochkunjunktur: Ängste, Verunsicherungen, Konflikte! 29.04.2009
*** Lothar Drat Koordinator des VPSM-Fachverbundes

Diese und weitere Artikel finden Sie hier !




VPSM-Fachverbund:    16 Rechtsanw.  &  38 Dipl.Psych./ Soz.Päd.             


Prävention und Intervention!

Leistung und Gesundheit fördern!

Krisen und Konflikten begegnen
mit Lust auf Lösung!

Respekt, Fairness, Sachverstand, Anerkennung,
Transparenz und Konfliktmanagement
produzieren
Leistung, Innovation, Motivation und Produktivität!



Unsere weit über 300 bisherigen  Referenzen / Auftraggeber
finden Sie hier !


Unsere Kooperationspartner in:
Bensheim, Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kassel, Marburg, Bonn, Rhein-Sieg, Leverkusen, Düsseldorf, Bergisch Gladbach, Bergheim, Jülich, Dortmund, Schwerte, Siegen, Hannover, Lüneburg, Diepholz, Oldenburg, Rostock, Berlin, Potsdam, Leipzig, Chemnitz, Dresden, Augsburg, München, Aschaffenburg, Würzburg, Nürnberg, Regensburg, Halle, Weimar, Koblenz, Ludwigshafen, Landau, Saarbrücken, Karlsruhe, Baden-Baden, Heidelberg, Stuttgart, Tübingen, Reutlingen, Kiel, Lübeck, Antwerpen, Brüssel, Leuven,
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Flyer-Animation


 



VPSM – VERANSTALTUNGSKALENDER 2010

hier

 

 

 

       

Sehr geehrte Mitbürger und Freunde des VPSM e.V., Wiesbaden!

Zu unserer Umwelt gehören auch ständig mehr Menschen / Mitarbeiter,
die drangsaliert werden und insbesondere Psychoterror am Arbeitsplatz
ausgesetzt sind. Hierunter fallen auch Mitbürger, die sehr wenig verdienen
und die sich eine entsprechende Unterstützung nicht leisten können.

Jeden Vierten trifft Mobbing einmal in seinem Berufsleben; - der Anteil von extrem leistungsfähigen, kreativen, innovativen und durchsetzungsfähigen Mitarbeitern bildet
die größte Schnittmenge von etwa 40% der Betroffenen.

Das Ausmaß der reaktiven Erkrankungen aufgrund dieser extremen psychosozialen Stressoren, belastet die Sozialversicherten-Gemeinschaft, Familien, Firmen und Institutionen in einer immer weniger bezahlbaren Größe. Ca. 10% erkranken
ernsthaft und werden durch die Möglichkeiten unseres Gesundheitssystems
und weiterer gesellschaftlicher Institutionen kaum aufgefangen und versorgt; - 
stellen einen volkswirtschaftlich vermeidbaren Kostenfaktor dar, unter dem
sie zusätzlich leiden. 

Um dieses größtmöglich zu verhindern / zu überwinden
hat sich unsere Konzeption von Prävention / Intervention 
in unserer fast 20.000-stündigen Praxis sehr bewährt.

Seit fast 14 Jahren bemühen wir uns als wirklich unabhängige und Gemeinnützige Institution um die Realisierung von höchster Qualität zu geringstmöglichen Preisen
in Beratung / Coaching, Schlichtung / Vermittlung / Mediation 
im Themenbereich vom psychosozialen Stress und Mobbing!

Aktuell sind ldgl. ca. 28% unserer Kosten in Wiesbaden
durch Spenden, Förderbeiträge, etc. abgedeckt.

Daneben würden wir gerne sämtliche Experten des bundesweiten Fachverbundes 
38 Dipl.Psych./ Soz.Päd. & 16 Rechtsanw.
bei der kostengünstigen
Umsetzung Ihrer Arbeit unterstützen. 

Zur Überprüfung unserer Darlegungen ist sicher ein Blick auf unsere:
Referenzen
Auftraggeber
sehr sinnvoll.

Da wir manche Dinge wirklich besser verstehen, wenn wir sie hören,
können Sie sich hier ein besseres Bild unserer Arbeit machen:
Podcast 1
Podcast 2


 
Wir bedanken uns in unserem und Ihrem Interesse für die Weiterleitung dieser
Information an Ihre Bekannten / Freunde / Geschäftspartner, etc. und werden
Sie über die Wirksamkeit gerne informieren.

Das wir wohl die bundesweit einzige Gemeinnützige Institution sind,
die ohne eine Anschubfinanzierung und Unterstützung von irgendeiner anderen
Institution, Partei, Behörde, Firma, Interessensverband es zu so einer Größe und Wirksamkeit gebracht haben, hat wohl seine Gründe. Wir wollen uns nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern uns nun noch ein wenig mehr in das Geschehen positiv einmischen.

Wir bedanken uns für Ihren Beitrag hierzu! 

Hier finden Sie 2 Formulare,
die Sie gerne zu einer immateriellen
oder auch materiellen Förderung
unseres Anliegens nutzen
dürfen.

Jede, auch die kleinste Förderung hilft! 


Lust auf mehr Respekt, Leistung und Anerkennung?

Nicht nur "sterbende Kinder", "hilflose und bedrohte Tiere"
benötigen unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung!


Sehr geehrte Mitbürger und Freunde des VPSM e.V., Wiesbaden!

Hinter den Fassaden der schönen neuen Weltwirtschaft spielen sich zunehmend Tragödien ab. Lebensläufe und Hoffnungen werden zerstört.

Zu unserer Umwelt gehören auch ständig mehr Menschen / Mitarbeiter, die
drangsaliert werden und insbesondere Psychoterror am Arbeitsplatz
ausgesetzt sind. Hierunter fallen auch Mitbürger, die sehr wenig
verdienen und die sich eine entsprechende Unterstützung
nicht leisten können.

Jeden Vierten trifft Mobbing einmal in seinem Berufsleben; -
der Anteil von extrem leistungsfähigen, kreativen, innovativen und
durchsetzungsfähigen Mitarbeitern bildet die größte Schnittmenge
von etwa 40% der Betroffenen.

Das Ausmaß der reaktiven Erkrankungen aufgrund dieser extremen psychosozialen Stressoren, belastet die Sozialversicherten-Gemeinschaft, Familien, Firmen und Institutionen in einer immer weniger bezahlbaren Größe. Ca. 10% erkranken
ernsthaft und werden durch die Möglichkeiten unseres Gesundheitssystems
und weiterer gesellschaftlicher Institutionen kaum aufgefangen und versorgt; - 
stellen einen volkswirtschaftlich vermeidbaren Kostenfaktor dar, unter dem
sie zusätzlich leiden. 

Um dieses größtmöglich zu verhindern / zu überwinden
hat sich unsere Konzeption von Prävention / Intervention 
in unserer fast 20.000-stündigen Praxis sehr bewährt.

Seit fast 14 Jahren bemühen wir uns als wirklich unabhängige und Gemeinnützige Institution um die Realisierung von höchster Qualität zu geringstmöglichen Preisen
in Beratung / Coaching, Schlichtung / Vermittlung / Mediation 
im Themenbereich vom psychosozialen Stress und Mobbing!

Aktuell sind ldgl. ca. 28% unserer Kosten in Wiesbaden
durch Spenden, Förderbeiträge, etc. abgedeckt.

Daneben würden wir gerne sämtliche Experten des bundesweiten Fachverbundes 
38 Dipl.Psych./ Soz.Päd. & 16 Rechtsanw.
bei der kostengünstigen
Umsetzung Ihrer Arbeit unterstützen. 

Zur Überprüfung unserer Darlegungen ist sicher ein Blick auf unsere:
Referenzen
Auftraggeber
sehr sinnvoll.

Da wir manche Dinge wirklich besser verstehen, wenn wir sie hören,
können Sie sich hier ein besseres Bild unserer Arbeit machen:
Podcast 1
Podcast 2


 
Wir bedanken uns in unserem und Ihrem Interesse für die Weiterleitung dieser Information an Ihre Bekannten / Freunde / Geschäftspartner, etc. und werden Sie über die Wirksamkeit gerne informieren.

Noch einmal:
Nicht nur  "sterbende Kinder", "hilflose und bedrohte Tiere / Umwelt"
benötigen unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung!

Wir positionieren uns auch nicht wie Greenpeace und sind auch kein Kinderhospiz; -
sind aber mit unserem Ansatz als "externe psychosoziale Feuerwehr"
ebenso förderungswürdig.

Das wir wohl die bundesweit einzige Gemeinnützige Institution sind,
die ohne eine Anschubfinanzierung und Unterstützung von irgendeiner anderen
Institution, Partei, Behörde, Firma, Interessensverband es zu so einer Größe und Wirksamkeit gebracht haben, hat wohl seine Gründe. Wir wollen uns nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern uns nun noch ein wenig mehr in das Geschehen positiv einmischen.

Wir bedanken uns für Ihren Beitrag hierzu! 


Hier finden Sie 2 Formulare,
die Sie gerne zu einer immateriellen
oder auch materiellen Förderung
unseres Anliegens nutzen
dürfen.

Jede, auch die kleinste Förderung hilft!

 

 



Lust auf mehr Respekt?

Gesicht zeigen auch in der Krise für
Leistung, Verantwortung und Fairness!

VPSM-Fachverbund in Wiesbaden -
eine deutlich andere und Gemeinnützige
Antwort
auf Krisen, Konflikte und Mobbing!

Rechtsanw./ Dipl.Psych./ Soz.Päd. gemeinsam
mit Sachverstand
und Respekt zu allen Beteiligten
und Betroffenen von vermeidbaren oder überwindbaren
psychosozialen Stress und Mobbing
in der Arbeits- und Privatsphäre!

Es lohnt sich uns zu fördern!
Sie fördern Respekt Leistung Fairness
Prävention / Intervention und Innovation!

Sie fördern ein wirklich unabhängiges und Gemeinnütziges Projekt,
eine Institution, die sich im 14. Jahr und mit inzwischen weit über
19.000 Stunden Beratung/ Coaching Schlichtung, Vermittlung,
Mediation und Fortbildung, ohne eine Anschubfinanzierung
und öffentliche Förderung auf dem "Markt" behauptet hat!

Sie fördern bestmögliche Qualität in Beratung / Coaching,
Krisenmanagement, Konfliktmanagement, Mediation
zu geringstmöglichen Preisen!

Sie fördern Ihr Image als verantwortungsvolle
Führungskraft, Unternehmung, Institution!

Gesicht zeigen für Gemeinnützigkeit!

Bereits 3 neue Förderer
mit einem monatlichen Förderbeitrag
in Höhe von 8,- € realisieren in
Wiesbaden eine Beratungsstunde durch
Rechtsanw./ Dipl.Psych./ Dipl.Soz.Päd.
zu einem bezahlbaren Eigenanteil
in Höhe 20,- € .

Gesicht zeigenfür unverzichtbare Werte!

Ergänzen Sie mit Ihrer Referenz
die Liste der vorhandenen Referenzen!

Referenz-Formular!


Lust auf mehr Respekt, Leistung, Anerkennung, Solidarität und Fairness?

Es lohnt sich uns zu fördern!


Förder-Antrag!









Modebegriff: "Mobbing"
Mobbing - Diagnose
Mobbing - Beratung
Mobbing - Mediation
Mobbing - Prävention
Mobbing - Intervention

überarb. Podcast


Lust auf mehr Respekt
Prävention Intervention
und Fairness?

Es lohnt sich
uns zu fördern
!


Lothar Drat
 1995 - 2010 

 Buch-Projekt
15 Jahre / 20.000 Stunden
Coaching Beratung
Prävention Intervention
Konfliktmanagement Mediation
bei Konflikten und Mobbing am Arbeitsplatz
Stand: 22.08.2009

               

 

 

Der VPSM bietet mit seiner Wiesbadener Beratungsstelle "Balance" und dem VPSM-Fachverbund der unabhängigen Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberatungsstellen ein Experten-Netzwerk mit:

 16 Rechtsanw.
 22 Dipl.Psych./ Soz.Päd.
 16 weitere Fachkräfte

in Kooperation mit

  Fachärzten für Psychotherapeutische Medizin (Neurologen/Psychiatern)
  Fachärzten für Allgemeinmedizin / Psychotherapeuten


MitarbeiterInnen der VPSM-Beratungstelle
Balance in Wiesbaden






Weitere MitarbeiterInnen
des
VPSM - Fachverbundes


Bonn / Rhein-Sieg       Dortmund                  Bensheim                  Gießen Marburg

Berlin                         Koblenz                     Koblenz                     Hannover

München                     Berlin / Halle              Karlsruhe                  Landau

Tübingen                    Würzburg                  Heidelberg                 Lüneburg

München                     Saarbrücken              Bergisch Gladbach      Siegen

Oldenburg                   Weimar                     München                    München

Gaggenau                   Bautzen                     Regensburg               Wuppertal
 
Kassel

 

 

 

 

1995 - 2010 Buch-Projekt:
 
15 Jahre / 19.000 Stunden
Coaching Beratung
Prävention Intervention
Konfliktmanagement Mediation
bei Konflikten und Mobbing am Arbeitsplatz



Lothar Drat -
Eine kritische Bestandsaufnahme
zum Modebegriff Mobbing:


* Mobbing-Definition / Diagnose

*  Hinweise für Betroffene

*  Mobbing–Experten:
Jur. Möglichkeiten und Grenzen
Modebegriff Mediation
Coaching / Beratung


*  Hinweise für Beteiligte
    Führungskräfte und Betriebsräte

*  Prävention und Intervention
    bei eskalierten Konflikten und Mobbing

……………………………………………………………

*  Mobbing in der Politik

*  Mobbing im Bereich Banken

 

*  Mobbing im Raum Kirche

*  Mobbing in der Schule

*  Mobbing in der Privatsphäre


* 
Mobbing bei der Polizei


*  
Mobbing im Krankenhaus

………………………………………………………………………………


..
* Ursachen- und Folgenbündel von Konflikten
   und Mobbing am Arbeitsplatz,
* Grundlagen, Beratungs- und
   Behandlungskonzepte,
- Grenzen und
   Mängel  ambulanter und stationärer
   psychotherapeutischer Ansätze,
...
* Wie einzelne Krankenkassen – Akteure
   zunehmend eine vermeidbare – unproduktive
   Kostenlawine und einen Verschiebebahnhof zu
   Ungunsten der Sozialversicherungsbeitrags-
   zahler und Betroffenen verursachen,


* Arbeits- Straf- und Zivilrechtliche
 
 Möglichkeiten und Grenzen,

* Erfahrungen, Grenzen und Mängel aktueller
   Betriebs- und Dienstvereinbarungen

   für partnerschaftliches Verhalten und gegen
   Mobbing am Arbeitsplatz,
...
* Plädoyer für eine Verabschiedung vom
   Modebegriff Mobbing
und zur
   Substantiierung des Begriffs - für einen
   besseren und wirkungsvolleren Umgang
   aller Beteiligten:
   Unternehmen, Institutionen, Betriebsräte,
   Krankenkassen, Arbeitsagenturen, Richter,
   Rentenversicherungen und Betroffenen,
...
* Konzeption und Praxis der
   VPSM-Beratungsstelle Balance in Wiesbaden
   und des bundesweiten VPSM-Fachverbundes
   der unabhängigen Arbeitsplatzkonflikt- und
   Mobbingberatungsstellen / Experten -
   als Chance zur Prävention und zur Kosten-
   und Schadensreduzierung bei eskalierten
   Konflikten und Mobbing am Arbeitsplatz,
...


*  Betriebsvereinbarungen


*  Literaturhinweise

 

 



auf dem Hintergrund unserer 14-jährigen Erfahrung und einer Zusammenfassung unserer 200 Beiträge und Interviews in Radio- und Fernsehsendungen und
Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften


Start des Buch-Projektes: August 2009 - voraussichtliche Fertigstellung Juni 2010!
Den aktuellen Stand (16.08.2009)
ersehen Sie hier:



Inhaltsverzeichnis:


Wie alles anfing!  …………………………………………......................................8
Projekt–Phase:  1995 – 2000          

 

Berliner Kurier 03/99
Wiesbadener Tagblatt 10/97

Wormser Zeitung 06/97
Brigitte 02/96

TW-Neurologie Psychatrie 09/95
Donau-Kurier 12/95
Westdeutsche Allgemeine 02/00

Harte Strafen für Mobbing gefordert
Experten wollen neues Gesetz

Erbenheimer Anzeiger 09/97
Wiesbadener Wochenblatt 03/99
Frankfurter Rundschau 04/99
Stern-Leitartikel 3/2000
Bild-Woche 02/2000

Wormser Zeitung 09/99 
 AZ Alzey 06/96


Mobbing-Definition / Diagnose…………..28
Altenpflege 7/01 Keiner wird gewinnen
Mobbing erkennen / begnen


Hinweise für Betroffene
Stern-Leitartikel 3/2000…………………………………………….…………………………….48

Mobbing–Experten:
Jur. Möglichkeiten und Grenzen
Modebegriff Mediation
Coaching / Beratung……………………………………………………..
60

Hinweise für Beteiligte
Führungskräfte und Betriebsräte………...77
Stern 2/05  Gerichtsurteile
Arbeit und Gesundheit 4/05


Prävention und Intervention
bei eskalierten Konflikten und Mobbing


Mobbing in der Politik -

Die Steigerung von Feind
ist Parteifreund?
.............................................85
Hannoversche Allgemeine Zeitung 11/00

Mobben bis zum Rücktritt

Mobbing im Bereich Banken………………….89
FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung 11/00
„Da fühlst du dich wie ein dummer Junge“
Ein Banker traut sich, über Mobbing zu reden /
Fusionen und Umstrukturierungen schüren Ängste

 

Mobbing im Raum Kirche……………………..…….94


Evang. Kirchenzeitung 07/98

Psychologie Heute 08/97

Frankfurter Rundschau 05/99

Taunus Zeitung 10/99

Taunus Zeitung 12/99

Usinger Anzeiger 01/00

Kelsterbacher Anzeiger 12/99

 

 

Mobbing in der Schule………………………………..116

Benjamin Evang. Kirchenzeitung 9/06
Alverde-DM-Magazin 6/06
ZDF-Pur 02/98

Delmenhorster Kurier 02/96

 

Mobbing in der Privatsphäre………..……………………………………….129


TV Hören und Sehen 11/00

Rufmord: So wehren Sie sich

Reiter-Revue 12/99
Pferdebörse 10/01
Mobbing im Pferdestall

 

 

Mobbing bei der Polizei………....................141


Stern 08/97

Cosmopolitan 06/99

 

 

Mobbing im Krankenhaus………………………….159

 

Rheinisches Ärzteblatt 08/99

Ophtalmologische Nachrichten 08/99
Ver.di - Infodienst Krankenhäuser 06/01

Mobbing bei Klinikärztinnen und Ärzten



Betriebsvereinbarungen………………….………..175
Die TAZ 07/96
ArbuR 11/96

Literaturhinweise....................................183

 

VPSM-Fachverbund
Experten
in ARD
WDR HR SWR
ZDF RTL VOX
Mobbing - Beratung
Interview-Ausschnitte
Podcast 1



Wie alles anfing!


Berliner Kurier 03/99

 

Mobbing: Krank durch Ärger am Arbeitsplatz

 

Von Jeannette Hix

Üble Nachrede, ständige Kritik, Psychoterror…: Für immer mehr Menschen wird der Arbeitsplatz zur Folterkammer- sie werden von Kollegen gemobbt, seelisch und körperlich krank gemacht .
„Kostendruck und Stellenabbau in Betrieben produzieren Verunsicherungen. Aus Angst um den Arbeitsplatz werden eigene Fehler -auch von Vorgesetzten– auf schwächere Kollegen geschoben", sagt Mobbing-Berater Lothar Drat (44) vom „Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing"

Rund 1,4 Millionen Mobbing-Opfer gibt es in deutschen Betrieben …

Drat: "„Jeder 6. Selbstmord hat Ursachen im Mobbing."

Mobbing macht krank:

Magen-, Herzkreislaufprobleme, Depressionen und Schlafstörungen sind die Folge. „Viele kommen aus dem Grübeln nicht mehr heraus, verlieren ihr Selbstwertgefühl …", sagt Drat ... Besonders schlimm gemobbt wird meistens unter gleichgeschlechtlichen Kollegen, im Öffentlichen Dienst, in Krankenhäusern und kirchlichen Einrichtungen.


Wiesbadener Tagblatt 10/97

 

Im Kampf gegen Psychoterror

(von Bertram Heide)

Gegen Mobbing gibt es kein Rezept / Jetzt bietet Verein seine Hilfe an

„Mobbing ist nichts anderes als eskalierte Gewalt, als ein Krieg in Teilen". Der Sozialpädagoge Lothar Drat weiß genau, wovon er spricht. Lothar Drat ist Vorsitzender des „Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing" und betreut im gesamten Gebiet zwischen Worms und Friedberg mit 22 ehrenamtlichen Mitarbeitern der unterschiedlichsten Fachrichtungen betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 „Mobbing" ist zu einem Schlagwort geworden, ... erklärt Lothar Drat und verweist auf die langjährigen Forschungen von Professor Heinz Leymann in Schweden. Vehement wehrt sich Drat dagegen, dass der Begriff des Mobbing „inflationär benutzt wird ... „Mobbing" hat in der modernen Arbeitswelt dramatische Ausmaße angenommen, weiß der Sozialpädagoge zu. Berichten. Das Risiko, in 35 Berufsjahren einmal gemobbt zu werden, liege bei eins zu vier. Immerhin zehn Prozent der Betroffenen erkranken ernsthaft, meist chronisch.

Aber was steckt eigentlich hinter dem Begriff, den inzwischen jeder kennt? Lothar Drat: "Mobbing ist eine andauernde, feindliche und demütigende Handlung. Mobbing ist aber immer auch eine Führungsschwäche, weil sie von Chefs geduldet und meist sogar gefördert wird. Betroffen von Krankheiten als Folge des Mobbings seien vor allem Menschen, die über viele Jahre Kämpfe im beruflichen und privaten Bereich auszustehen hatten, die aber gleichzeitig auch über besondere Fähigkeiten, Kreativität, Integrationskraft und Verantwortungsgefühl verfügen. Drat „Die Stärksten trifft es am tiefsten". Die Mobber selbst kommen meist aus der mittleren oder unteren Ebene des Betriebs, sehen im Mobbing die einzige Chance, Karriere zu machen, so Drat. Gegen Mobbing gebe es kein Rezept, die Prüfung des Einzelfalls sei wichtig.

Mehr als 60 Prozent der Ratsuchenden kommen aus pädagogischen und kirchlichen Berufen. Besonders betroffen sind zugleich Krankenschwestern und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Deshalb arbeitet der Verein inzwischen auch eng mit Personalamt und Personalrat der Stadtverwaltung zusammen und knüpfte auch Kontakte in die Ministerien.

Effektive Hilfe, so weiß Drat aus Erfahrung, kann meist nur von außen kommen. „Zum Wesen des Mobbing gehört, dass irgendwann keiner mehr weiß, worum es eigentlich geht", zieht Drat einen fatalen Schluss. Der Verein sucht aktive Mitstreiter und will mit Medizinern und Juristen ein soziales Netz aufbauen.



Die Wende?

Wormser Zeitung 06/97

 

Psychoterror am Arbeitsplatz: Viele Deutsche leiden darunter

 

Mediziner sagen dem Mobbing den Kampf an — Der 100. Ärztetag Eisenach (ap).

Die deutsche Ärzteschaft hat den Psychoterror am Arbeitsplatz den Kampf angesagt. Zum Abschluss des 100. Deutschen Ärztetages in Eisenachriefen die 250 Delegierten Unternehmen, Kranken- und Rentenversicherungen zu entschiedenerem Vorgehen gegen Mobbing auf. Zudem sollten die Früherkennungen und Behandlungen von Folgekrankheiten in die ärztliche Weiterbildung aufgenommen werden.

Mehr als eine Million Menschen seien jährlich in Deutschland Opfer von Psychoterror, heißt es in dem Beschluss des Ärztetages.

Mobbing sei zu einem zentralen Gesundheitsproblem in der Arbeitswelt geworden, erklärten die Vertreter der 344 000 Ärzte in Deutschland. Überlastung, inkompetente Führung und mangelnde Zusammenarbeit erzeugten einen Druck, für den die schwächeren Mitglieder eines Unternehmens büßen müssten. Angesichts der Arbeitsmarktlage komme ein Stellenwechsel für die Betroffenen meist nicht in Frage. Seelische und körperliche Krankheiten seien die Folge.

Informationsabend

Thema: Mobbing

Die Stiftskirchengemeinde lädt ein zu einem Informationsabend über das Thema Mobbing-Psychoterror am Arbeitsplatz. Der Vortrag findet am Donnerstag 6. November, von 20 bis 21:30 Uhr in der Alten Eintracht, Unionstr. 2, statt.

Mobbing beschreibt einen komplexen Prozess, der über den Kollegenscherz eindeutig hinausgeht. Die Folgen können ernsthafte Erkrankung der Betroffenen und eine rapide Verschlechterung des Arbeitsklimas sein, so dass erhebliche Einbußen der Leistungs­und/oder Wettbewerbsfähigkeit auftreten.

Referentinnen sind Diplom-Psychologin Kirstin Rohleder-Oswald und Dr. Christine Busch, Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V. (VPSM). Der VPSM wurde 1995 als gemeinnützige Institutionen mit der Zielsetzung der Forderung der Gesundheit und Bildung im Kontext eskalierter Konflikte in der Arbeits- und Privatsphäre gegründet. Es berät und unterstützt Betroffene und Unternehmen bei Konflikten am Arbeitsplatz.

 

 

 




























Brigitte 02/96

 

MOBBING: TRAUMA OHNE ENDE

 

Jetzt versuchen Firmen sogar, durch gezielten Terror Personal abzubauen.

Mehr Hilfen für die Opfer fordert der Mobbing-Experte und Psychologe Heinz Leymann

BRIGITTE: Den Psychoterror am Arbeitsplatz haben Sie 1993 in Ihrem ersten Mobbing-Bericht aufgedeckt. Jetzt haben Sie einen zweiten herausgegeben*. Was hat sich geändert?

HEINZ LEYMANN: Es gibt inzwischen Selbsthilfegruppen, Telefondienste und eine Reihe von Forschungsprojekten. Eine Mobbing-Klinik ist geplant. Leider gibt es auch schlechte Neuigkeiten: Einige Firmen betreiben Mobbing als gezielte Methode des Personalabbaus.

Mitarbeiter werden also zur Kündigung gezwungen, um Abfindungen zu sparen?

Richtig. Ein Kollege von mir wurde nach einem Vortrag von Leuten aus der Wirtschaft gefragt, wie sie eine Mobbing-Strategie planen könnten, zum Beispiel mit Isolation, übler Nachrede, systematischer Unterforderung oder Überforderung. Sie hätten das Problem, Personal kostengünstig abbauen zu müssen. Ein perverser Gedanke.

Wie können sich die Opfer wehren?

Neben Psychologen sollte man auch Arbeitsberater und Juristen einbeziehen. Mobbing-Opfer sind verängstigt, irritiert und haben häufig unrealistische Vorstellungen davon, was rechtlich machbar ist. Ein Jurist könnte dem Opfer ganz praktisch helfen. Berufsberater müßten klären ob eine Rückkehr zum alten Arbeitsplatz sinnvoll ist, ob ein Neuanfang in einer anderen Firma besser wäre, vielleicht sogar ein ganz neuer Beruf erlernt werden muß.

Wie kann die psychologische Hilfe aussehen?

Für die meisten Opfer wird der fortgesetzte Psychoterror am Arbeitsplatz zu einem Trauma.

Sie erleben die demütigende Situation im Kopf immer wieder neu – ein regelrechter Gedankenterror, den sie nicht abstellen können. Das kann zu massiven psychosomatischen Beschwerden führen …  Dabei muß die Schulpsychatrie endlich akzeptieren, daß diese Menschen nicht aufgrund von Kindheitserlebnissen in solche Situationen geraten sind, sondern durch Terror am Arbeitsplatz. Außerdem müssen die Firmen ihre Führungskräfte schulen, damit sie potentielle Mobbing-Situationen frühzeitig erkennen und unterbinden können.












TW Neurologie Psychiatrie 09/95

 

Mobbing am Arbeitsplatz

 

(von Michael Becker)

Mobbing - Mehr als ein „übler Kollegenscherz"


Je länger solche arbeitsplatzbedingten Stressoren auf eine(n) Betroffene(n) einwirken, desto ausgeprägter entwickeln sich die auftretenden Gesundheitsbeeinträchtigungen, und zwar sowohl qualitativ als auch quantitativ. Aus Befindlichkeitsstörungen werden Krankheitssymptome, dann Krankheitssyndrome und schließlich komplexe psychosomatische psychiatrische Krankheitsbilder im Sinne schwerwiegender, teilweise langfristig nicht reversibler Gesundheitsschäden. Die pathologischen Auswirkungen, unter denen die aufgrund von Arbeitsplatzbedingungen erkrankten Menschen leiden, sind vielfältig. So treten verschiedene körperliche Beschwerden in unterschiedlichen Organsystemen auf, z.B. in kardiovaskulären, abdominellen und muskuloskeleralen Bereichen.

Auch die psychischen Ausprägungen sind breit gefächert. Prodromal treten oft Konzentrations- und Gedächtnisstörungen auf. Bereits nach kurzer Mobbingwirkdauer zeigen sich Gedankenautomatismen, und das Denken kreist ständig um die am Arbeitsplatz erlittenen Schikanen. Daraus können sich Identitäts- und Selbstwertkrisen, neurotische Störungen, Erschöpfungs- und Versagenszustände und schließlich sogar anhaltendes ängstliches, depressives und paranoides Erleben entwickeln. Es verwundert in diesem Zusammenhang nicht, dass es mit zunehmender Ausgestaltung der Krankheitszeichen immer schwierigen wird, als zugrundeliegende Ursache einen Mobbingprozess zu erkennen, insbesondere, da sich im Verlauf von jahrelangem Mobbing die entstehenden Krankheitsbilder eigendynamisch auch abseits des Mobbing weiterentwickeln. So kämpfen manchmal sogar aufgrund von Mobbing frühberentete Menschen weiter gegen das ihnen widerfahrene Unrecht an, ungeachtet rechtlicher Aussichtslosigkeit und verschleißen so ihre letzten, noch verbliebenen gesundheitlichen Ressourcen.

Psychosomatische Krankheitsbilder

An psychosomatischen Krankheitsbildem imponieren u.a. Schlafstörungen (Frühsymptom), Hypertonie, Herzschmerzen, Magen- und Darmentzündungen und -ulzera, durch anhaltende Muskelverspannungen und Körperfehlhaltung bedingte orthopädische und neurologische Krankheitsbilder wie z.B. Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen. Aber auch stressbedingte chronische Immunschwäche mit in der Folge Begünstigung von Allergien, Infektionsanfälligkeit und Entstehung bösartiger Tumoren.


















Donau-Kurier 12/95

 

Demütigungen am Arbeitsplatz

machen krank

 

(cox)

Der Rat eines Experten: Den Teufelskreis Mobbing am Tatort aufbrechen /
Jede/r kann Opfer werden

Der Psychoterror im Betrieb ist inzwischen zum Spiegelbild unserer gesellschaftlichen Veränderungen und dem damit verbundenem Wertewandel geworden. So fördert die angespannte Wirtschaftslage zum Beispiel starkes Konkurrenzdenken und die Angst um den Arbeitsplatz. ...

Konflikte sofort klären

Damit sich das Raubrittertum am Arbeitsplatz nicht ausbreiten kann, empfiehlt. Michael Becker, Neurologe, Psychiater und Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft gegen psychosozialen Stress und Mobbing, Konflikte sofort zu klären und die Fakten schriftlich festzuhalten. Becker „Wer Mobbing spürt, der sollte die beteiligten Kollegen oder Chefs sofort darauf ansprechen und den Betriebsrat informieren. Denn nichts ist gefährlicher als das Aussitzen oder Ignorieren von Diskriminierung am Arbeitsplatz."

' Becker warnt davor, Mobbing länger als ein halbes Jahr hinzunehmen. Die seelischen Schäden verursachen nach seinen langjährigen Erfahrungen bereits nach dieser relativ kurzen Zeit posttraumatische Belastungsstörungen, weil die Gedanken nur noch um ein Problem kreisen und den Kopf für andere Aufgaben blockieren.

Einmischen statt wegschauen

„Andauernde Persönlichkeitsveränderungen sind die Folge. Nach etwa zwei Jahren führt der Mobbinggeschädigte ein Leben voller Misstrauen gegenüber anderen Menschen und wird tatsächlich zum Querulanten in Betrieb und Familie", beschreibt Becker Fälle aus seiner Praxis. Nur selten gelänge es, diese zerstörten Persönlichkeiten in den normalen Alltag zurückzuholen. Meistens stehen sie vor einem Scherbenhaufen: Viele Ehen scheitern, Freunde setzen sich ab, soziale und materielle Verarmung entstehen, ein neuer Arbeitsplatz bleibt unerreichbar.

Vor allem der Ausschluss aus der Arbeitswelt führt zur endgültigen Zerstörung ihres Selbstwertes. So bietet sich ihnen nur noch der Weg in die Frühpensionierung. Becker „Um den Teufelskreis Mobbing am Tatort aufzubrechen, brauchen wir wieder mehr Courage am Arbeitsplatz. Einmischen heißt seine Devise, wenn ein Kollege oder eine Kollegin fertiggemacht wird. Wegschauen begünstigt neues Mobbing: „Der nächste Sündenbock könnte einer von uns sein."

 

 

 




Westdeutsche Allgemeine 02/00

 

Harte Strafen für Mobbing gefordert

Experten wollen neues Gesetz

 

AZ Wiesbaden. Mobbing gegen Arbeitskollegen soll als Straftatbestand ins Gesetzbuch aufgenommen und deutlich härter bestraft werden.

Das fordern die Gemeinschaft kritischer Polizisten und der Verein gegen Mobbing, um die kräftige Zunahme an Psychoterror in Betrieben und Behörden zu stoppen. „ Die heutigen Strafgesetze zu Beleidigung oder übler Nachrede sehen für die Täter nur lächerlich geringe Strafen vor“, sagte die Sprecherin der kritischen Polizisten, Müller. „Die Opfer sind aber häufig ein Leben lang zerstört.“

In Skandinavien ist Mobbing bereits ins Strafgesetzbuch aufgenommen worden. Studien belegen, dass jeder vierte Arbeitnehmer in 35 Berufsjahren einmal Opfer von Dauerattacken der Kollegen wird.

Lothar Drat, Chef des Vereins gegen Mobbing, hält es zudem für erforderlich, dass in den Betrieben ein Mobbing-Gremium als Schlichtungs- und Beratungsstelle gegründet wird. Denn:“90% aller Mobbingfälle sind auf dem Gerichtsweg nicht zu packen“, sagte Drat zur WAZ. Schließlich müsse das Opfer beweisen, wer Urheber einer üblen Nachrede sei.

Die Zunahme an Mobbing erklären sich die Fachleute mit dem Werteverfall der Gesellschaft, dem hohen Arbeitsdruck, den Unsicherheiten durch schnelle Veränderungen der Arbeitswelt und der Angst, seinen Job zu verlieren.

Kommentar: Der Mob

 

 

Erbenheimer Anzeiger 09/97

 

Hilfe gegen Psychoterror am Arbeitsplatz

 

- von Anja Baumgart Pietsch

„Mobbing" ein Schlagwort, ein Modebegriff, wieder ein neues Psycho-Problemchen von Leuten, die sich eigentlich nur „anstellen"? Das habe er anfangs auch gedacht, sagt der Sozialpädagoge Lothar Drat. Doch im Laufe seiner eingehenden Beschäftigung mit dem Thema Psychoterror am Arbeitsplatz sei er ganz schnell von dieser Ansicht abgekommen. Was manchmal in ganz normalen Büros abläuft, ist der blanke Horror. Zahlen zu nennen, ist schwierig – doch laut Drat, Vorsitzender des in Wiesbaden ansässigen „Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing" wird mittlerweile jeder sechste Selbstmord aus solchen Gründen begangen. Und das Risiko, im Laufe von 30 Berufsjahren zum Mobbing-Opfer zu werden, betrage eins zu vier.

Systematische Mobbing-Forschung wurde in der Vergangenheit vor allem in Schweden betrieben. Professor Heinz Leymann ist der „Vater dieses Spezialbereiches der psychologischen Forschung. Er definiert Mobbing als einen Prozess der konfliktbeladenen Kommunikation zwischen Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen. Das ist aber nicht einfach der üble Scherz auf Kosten Schwächerer, wie man ihn auch oft erlebt. Mobbing dauert länger an, wird systematisch betrieben und hat das Ziel den Ausschluss des „Gemobbten" aus dem Arbeitsverhältnis. In den in Bezug auf Arbeitsplätze immer härter werdenden Zeiten kann sich so mancher auf diese Weise versuchen, eines unliebsamen Konkurrenten zu entledigen. Eine weitere Variante ist es, Arbeitnehmer so weit zu bringen, dass sie entnervt von selbst kündigen und man ihnen keine Abfindung zu zahlen braucht. … Bei solchen Methoden nimmt es nicht wunder, dass es für den Verein genügend Arbeit gibt. Personen mit massiven körperlichen und psychischen Problemen, die aufgrund der Situation am Arbeitsplatz aufgetreten sind, finden dort Rat und Hilfe. Dabei beobachtet Drat, dass eher Frauen als Männer Hilfe suchen. Oft sind es auch solche Personen, die sich immer für stark und sicher gehalten haben und auf einmal mit der Situation nicht mehr fertig werden. Das ist für sie eine Erfahrung, an der sie zu zerbrechen drohen.

In Einzel- und Gruppengesprächen werden die Geschehnisse aufgearbeitet, geht es um den Umgang mit übler Nachrede, Gerüchten, Telefonterror, Isolation und den vielfältigen psychosomatischen Beschwerden, die aus solchen verzweifelten Lagen entstehen können. Dabei werden die Betroffenen von Fachleuten verschiedener Richtungen beraten: Juristische, medizinische und psychosoziale Hilfe kann bei dem Verein erhalten werden.

„Wir versuchen auch durch Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildungsangebote dem Problem vorzugreifen", sagt Lothar Drat. In Firmen und Behörden arbeiten er und seine Mitarbeiter mit den Personalabteilungen und Betriebsräten zusammen, um über das Phänomen aufzuklären und Sensibilität dafür zu wecken. Gerade wurde er von verschiedenen Medien als Experte zum Fall einer jungen Berliner Polizistin befragt, die dem Terror ihrer Kollegen nicht standgehalten hatte. Sie erschoss sich mit der Pistole ihres Vaters. „Überdurchschnittlich viele Anfragen kommen von Angestellten des öffentlichen Dienstes", berichtet Drat. Aber auch in der freien Wirtschaft gibt es natürlich Probleme dieser Art. …

Der Verein, der Ende 1995 gegründet wurde, hat mittlerweile etwa 70 Mitglieder und 22 ehrenamtliche Mitarbeiter verschiedener Fachrichtungen: das Einzugsgebiet reicht von Worms bis Friedberg. Weitere Ziele für die Zukunft sind die Gründung von Selbsthilfegruppen und die Einrichtung eines „Notruftelefons", das ganz akute Soforthilfe für Betroffenen bieten könnte. Und davon gibt es leider mehr als genug, denn in manchen Büros, so weiß Lothar Drat nach jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema, weht ein äußerst rauer Wind.




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wiesbadener Wochenblatt 03/99

 

Ein Verein gegen das „Mobbing"

 

Der VPSM bietet Hilfe für Opfer von Psychoterror und Mobbing
REGION (de) – Vor 3 Jahren wurde der Verein VPSM ( Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V.) von 12 Mitgliedern in Wiesbaden ins Leben gerufen. Mit nunmehr 168 Mitgliedern ist der Verein die größte, unabhängige und gemeinnützige Institution im Themenbereich
„Psychosozialer Stress & Mobbing".

In diesem Kontext zählen zu den Hauptaufgaben des Vereins die Vermittlung, Schlichtung und Deeskalation bei Konflikten auf dem Arbeitssektor. In enger Zusammenarbeit mit emphatisch engagierten Anwälten, Medizinern und Therapeuten erhalten Ratsuchende professionelle Hilfe um Konflikte zu bewältigen.

Was ist überhaupt Mobbing?

Mobbing ist ein psychosozialer Prozess in dem ein Konflikt eskaliert - Betroffene werden durch feindselige, demütigende Handlungen systematisch über längere Zeiträume Formen von psychischer Gewalt ausgesetzt. Es gibt ca. 45 unterschiedliche Formen des Mobbings.

Angeführt wird die Hierarchie der Mobbing-Handlungen (über 80%) von der Verbreitung von Gerüchten und die Isolierung der Opfer wie aus den Forschungsergebnissen von Prof. Dr. Dr. Heinz Leymann, Leiter der ersten Mobbing-Klinik Schwedens, hervorgeht. Die norddeutsche „Halama-Studie" sowie Forschungsarbeiten von Prof. Zapf/ Uni Frankfurt bestätigen, dass Verleumdungen und Kontaktverweigerung erstrangig als gezielte Mobbing-Handlungen zu werten sind.
Besonders betroffen sind Berufe im öffentlichen Dienst. Erst kürzlich ging wiederholt der Freitod einer jungen Polizistin durch alle Medien.

Arbeitskonflikte und Mobbing wachsen besonders
auf Böden von Stress, Neid,  Leistungsdruck oder Zukunftsängsten. Besonders leistungsstarke, kreative und innovative Mitarbeiter gehören zu den Betroffenen.

Durch Mobbing entstehen wirtschaftliche Verluste in Millionenhöhe. ... Alle Arbeitssituationen, welche ein psychisches Trauma verursachen und eine posttraumatische Belastungsstörung nach sich ziehen, sollten als Arbeitserkrankungen anerkannt werden.

Traumatische  Erlebnisse im Arbeitsleben rufen invalidisierende Angstzustände hervor, so Prof. Dr. Dr. Leymann, ebenfalls ein Mitglied im VPSM-Netzwerk der Mobbing-Selbsthilfegruppen Deutschland/Schweiz.

Der Mobbing-Verein VPSM fängt u.a. traumatisierten Menschen auf, um sie im Kampf für die Selbstachtung zu unterstützen und bietet Hilfen, Zukunftsperspektiven zu finden.



Frankfurter Rundschau 04/99

 

Mobbing – Der tägliche Kampf am Arbeitsplatz kostet Milliarden


Opfer werden krank und verlieren Job / Gemeinschaft zahlt Behandlung und Arbeitslosigkeit / “Für das komplexe Problem gibt es keine einfachen und
billigen Lösungen“

 

Hunderttausende Bundesbürger brauchen keine Feinde.
Sie haben ihre Kollegen und Vorgesetzte, die ihre Opfer schikanieren, beleidigen
und beschimpfen. Beim Volkssport Mobbing gibt es aber keine Gewinner:
Die Betroffenen erkranken an Leib und Seele, verlieren ihren Job: die Täter laufen Gefahr, selbst ins Visier ihrer Kollegen zu geraten. Behandlungen und Therapien, Arbeitsunfall und Arbeitsplatzwechsel schlagen jährlich mit geschätzten
30 Milliarden Mark zu Buche.


Von Andreas Schwarzkopf

...
Christa König arbeitete gut, fanden ihre Kollegen – nicht ihre Chefs. Die fühlten sich vom Eifer und Kompetenz der 42-jährigen Personalfachkauffrau bedroht, gaben ihr monatelang keine Aufgaben. „Sie behaupteten aber hintenrum, ich arbeitete nichts mehr.“ Christa König kündigte und ist nun arbeitslos.

Bürokauffrau Lisa Schreiner (50) hat die Attacken ihrer Kollegen aufgelistet: „Mit zwei Briefen pro Tag bist du überlastet.“ Zerstochene Reifen, Droh-Anrufe. Nun klagt sie über Herzrhythmusstörungen, Magenschmerzen und ihre geringere Belastbarkeit. „Ich schaffe nur noch ein Fünftel dessen, was ich früher gearbeitet habe, denke oft an Selbstmord.“

Paula Ludwig (alle Namen geändert) dachte nicht nur an Suizid. Die Polizistin (24) fühlte sich von ihren Vorgesetzten und Kollegen verfolgt. Nach einem letzten Spaziergang mit den Eltern setzte sie sich die Pistole an den Kopf und drückte ab.

Der Chef kann genauso schikaniert werden wie die Sekretärin, der Fleißige wie der Faule. Mit dem Ergebnis einer Studie widerlegt der Frankfurter Psychologe Dieter Zapf die weitverbreitete Ansicht, zum Mobbing-Opfer oder Täter werde man geboren.

Es gibt aber „Risikofaktoren“. Täter werden meist Chefs mit mangelndem Selbstbewußtsein. Sie fühlen sich, wie im Falle von Christa König, von starken Untergebenen bedroht. Opfer werden eher Außenseiter, die Konflikte nicht lösen. Doch auch Leistungsträger trifft es. Sie stören mit ihrem Eifer das soziale Klima. So geschehen bei Paula Ludwig, die auch am Ostermontag auf Streife gehen wollte, während die anderen Wachmänner es an Feiertagen gerne ruhiger angehen ließen. …

Wer durch Mobbing Beschäftigte los werden will, „ist ein Depp. Er schadet nicht nur den Betroffenen, sondern auch dem Unternehmen“, warnt Jobst Hagedorn. Der Experte der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände weiß zum einen, daß Mobbing-Täter weniger leisten. Ihre Energie benötigen sie für die täglichen Scharmützel. Zum anderen kündigen die Opfer innerlich, arbeiten nur nach Vorschrift. Zudem wird das produktive Betriebsklima zerstört. Jeder muß Angst haben, der nächste zu sein. „Eine Abfindung kommt günstiger.“

Hagedorn zufolge mobben Chefs nur selten gezielt. Überhaupt seien die Führungskräfte für das „komplexe Thema, für das es keine einfachen und billigen Lösungen gibt, sensibler geworden“. …

Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Streß und Mobbing (VPSM) will eine derartige Eskalation verhindern.
Er empfiehlt ein „Schiedsgericht“, bei dem Führungsebene, Betriebsrat und ein unabhängiger Berater Lösungen erarbeiten.

Trotz der Hilfsangebote sind die Betroffenen im Ernstfall zunächst auf sich allein gestellt. Zumal ihnen oft nicht klar ist, was abläuft. „Ich wollte es anfangs nicht wahrhaben“, sagt Christa König. Und: „Es wollte mir keiner glauben, daß mich meine Kollegen schikanieren“,sagt Dietrich Müller. Haben ihm schon Freunde die „abenteuerliche“ Geschichte kaum abgenommen, so winkt der Betriebsrat oft ab und spielt die Sache herunter.

Oft nähmen die Vertreter der Beschäftigten diese nicht ernst, erzählt VPSM-Geschäftsführer Drat. Dabei gilt: „Zuhören ist oberstes Gebot.“

Dazu fehlt „Ärzten oft die Zeit, obwohl sie vieles dazu gelernt haben“, meint der Hamburger Mediziner und Mobbing-Experte der ersten Stunde, Jürgen Ebeling.
Es sei aber nicht einfach, hinter psychosomatischen Symptomen Mobbing als Auslöser zu entdecken.

Doch es hilft nicht. „Aus Opfern müssen Beteiligte werden“, sagt Drat. Sonst läßt sich ein Schicksal wie das von Christa König, Lisa Schreiner oder Paula Ludwig nicht verhindern.




Altenpflege 07/01

 

Keiner wird gewinnen

 

von Lothar Drat



Mobbing ist kein Kavaliersdelikt. Das systematische Schikanieren von Mitarbeitern und Kollegen führt bei den Betroffenen zu Krankheit und Depression. Aber auch
das Team und die Einrichtung leiden, wenn ungelöste Konflikte ein bedrohliches Ausmaß annehmen
.



Im Unterschied zu normalen Konflikten am Arbeitsplatz sind von Mobbing Betroffene
über einen längeren Zeitraum systematisch betriebenen Angriffen, Demütigungen, Beleidigungen und psychischer Gewaltanwendung ausgesetzt.

Im Durchschnitt ist jeder vierte Mitarbeiter einmal im Berufsleben von solch einem
Prozess betroffen. Im Sozial- und Gesundheitswesen ist das Risiko allerdings noch
höher, gemobbt zu werden.

Unabhängig von der Ausgangsposition gerät der oder die Betroffene in aller Regel in
die Unterlegenheit und verliert als Folge des Prozesses häufig weit mehr als nur den Arbeitsplatz.

Mobbing bezeichnet also einen komplexen psychosozialen Prozess mit vielfälltigen Ursachen und Folgen. Als Ursachen-Bündel erkennen wir zumeist Störungen in den Bereichen der Arbeitsorganisation, der Leitung und Supervision der Arbeit und in der Sozial- und Handlungsdynamik der Gruppen. Daneben spielen Persönlichkeitsanteile
aller Beteiligten und auch ungünstige gesellschaftliche Rahmenbedingungen
–wie etwa die Zunahme der Gewaltbereitschaft– eine nicht unerhebliche Rolle.


Psychoterror mit Folgen


Mobbing ist ein Prozess, dem sehr häufig ein Konflikt vorausgeht, der lange ignoriert, geduldet oder sogar gefördert wurde. Im Rahmen eines fehlenden oder schlechten Konfliktmanagements entsteht ein fließender Übergang zum Mobbing-Prozess,
der in aller Regel aus Formen psychischer Gewaltanwendung
–also indirekten Angriffen– besteht.

Mobbing und Psychoterror addieren sich dann häufig mit Über- und Fehlgriffen der Personalverwaltung. Rechts- und Machtübergriffe führen zum Abschluss aus der Arbeitswelt, oftmals einhergehend mit einer ärztlich-psychoterapeutischen
Stigmatisierung auf Grund der Verwechslung von Ursache und Wirkung.

Die Folgen sind unter anderem:

Für die Betroffenen:

* lang anhaltender und ständig zunehmender Stress mit adäquaten
psychosomatischen, psychischen und ggf. körperlichen Erkrankungen;

* im fortgeschrittenen Stadium ernsthaftere Erkrankungen (posttraumatische Belastungsstörungen mit Gefahr des Übergans in generelle Angststörungen),
die zu andauernden und zum Teil nicht mehr umkehrbaren
Persönlichkeitsveränderungen führen können;

* Verlust des Arbeitsplatzes und ggf. der Arbeitsmarktverwertbarkeit;

* Beeinträchtigung und/oder der Verlust privater Beziehungen.


Für den Arbeitgeber:

* Verschlechterung des Betriebsklimas;

* Minderung der Motivation und Leistungsbereitschaft und Reduzierung von
Kreativität und Initiative;

* Schädigung des Ansehens;

* Erhöhte Kosten durch Fehlzeiten, innere und tatsächliche Kündigung
(steigende Fluktuation / Einarbeitung neuer Mitarbeiter)


Für die Gesellschaft:

* Beträchtliche Mehrkosten zu Lasten der Versicherungsträger und Steuerzahler;

* Die Zunahme der Verrohung im zwischenmenschlichen Umgang und folglich im gesamtgesellschaftlichen Rahmen.



In Abgrenzung zu anderen Konflikten ist Mobbing ein Ausdruck innerbetrieblich
eskalierter Konflikte, bei denen nahezu alle verlieren. Bei denen auf die Dauer
einzelne Personen deutlich unterliegen. Und bei denen ein sichtbarer Streitgrund,
der rational zu lösen wäre, nicht oder nicht mehr erkennbar ist.

Wo systematisch gemobbt wird, entstehen Stress, Nervosität, Krankheit und innere
oder tatsächliche Kündigung. Und das nicht nur bei den direkt Betroffenen.



Werteverlust der Gesellschaft


Persönlichkeitsmerkmale oder Charaktereigenschaften des Betroffenen fließen zwar in den Prozess ein, sind aber nicht die Ursache für einen Mobbing-Prozess.

Grundsätzlich kann also jeder „Mobbing-Opfer“ werden. Auffallend jedoch ist der hohe Anteil von Betroffenen, die nicht selten ihre ausgeprägte Loyalität jahrelang unter
Beweis gestellt haben, sich als besonders kreativ, innovativ und leistungsorientiert erwiesen haben.

Während in mehr als jedem zweiten Fall der Vorwurf erhoben wird, der oder die Betroffene sei psychisch krank (52 Prozent), rangieren das gezielte Verbreiten von Gerüchten (76 Prozent) und die bewusst falsche und kränkende Beurteilung der Arbeitsleistung (80 Prozent) in den oberen Rängen der Mobbing-Handlungen.

Betrachtet man Mobbing mehr aus dem Focus der Forschungsarbeiten zum Thema „Gewalt“, rückt der Verfall von Werten, Normen, Traditionen, Milieus und Glaubensvorschriften in den Vordergrund. Ehemals gültige und immer noch
unverzichtbare Werte wie Respekt, Achtung, Solidarität und Zivilcourage werden zunehmend von „heiligen, systemtragenden Werten“ wie Erfolg, Stärke und Überlegenheit ersetzt. Personen mit höherem Bildungsniveau neigen in diesem
Rahmen eher zu psychischer Gewaltanwendung.

Kostendruck, knapper werdende Mittel und die nachlassende Bereitschaft zum Dialog produzieren Stress und Verunsicherung für alle Beteiligten. Ein guter Nährboden für Mobbing, wenn sich dann noch geringe Führungskompetenzen und mangelnde Tranzparenz z. B. mit der Einführung neuer Managemant-Methoden paaren. Doch
Mobbing ist kein unabänderliches Übel.

Im Bereich der Prävention können schon Informations-Veranstaltungen sensibilisieren
und somit verändernd wirken. In Fortbildungen bietet z. B. der „Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing“ zielgruppenorientierte Schulungen an, in denen
sich theoretische Kenntnisse immer wieder mit Übungen an und zu authentischen
Fällen abwechseln.

Diese Grundlagenseminare sind zugleich auch der mögliche Einstieg in die
Weiterbildung zum Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberater.
In dieser werden medizinische Sichtweisen für die Arbeit mit Betroffenen durch
Fachärzte für Allgemeinmedizin, Neurologen/Psychiater und Fachärzte für psychotherapeutische Medizin vertieft und klinische Konzepte der stationären Arbeit
mit Betroffenen vorgestellt. Notwendige juristische Kompetenzen vermitteln Anwälte. Erprobte Mobbingberater hinterfragen das gemeinsam vorhandene Know-how, um
es weiter zu entwickeln. Praktische Erfahrungen werden parallel durch begleitete Erstberatungen, Prozessbegleitungen oder die Teilnahme an Schlichtungs-,
Vermittlungs- und Mediationsverfahren erworben.

Je nach Ausgangssituation und Wunsch des oder der Bertoffenen wird in der Beratung
mit begleitenden Ärzten, Juristen und Psychotherapeuten kooperiert. Der Prozess der Beratung und/oder der Berufswegebegleitung kann auch Coaching- bzw. Supervisionselemente beinhalten und den Partner als Mit-Betroffenen einbeziehen.


Fair-Play am Arbeitsplatz

Oberste Priorität in den Bemühungen des „Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing“ hat der Bereich der Schlichtung, Vermittlung, Mediation. Die günstigste Voraussetzung hierfür ist die Einrichtung betrieblicher Anlaufstellen mit dem möglichen Titel “Anlaufstelle für psychische Gesundheit und Fair-Play am Arbeitsplatz“.

Solche Stellen sollten aus je einem geschulten Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter bestehen, die das jeweilige Vertrauen und en Respekt zumindest einer Seite genießen. Daneben sollte eine dritte unabhängige und neutrale Person oder Institution, die von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gleichermaßen als soche anerkannt wird, dieses Gremium vervollständigen.

Betroffene von Arbeitsplatzkonflikten und Mobbing sollten sich wahlweise an eine Person ihres Vertrauens aus dem Gremium wenden können. Auf Wunsch der Betroffenen wird in der Anlaufstelle mit Zweidrittelmehrheit das weitere Procedere geplant und entschieden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

STERN (Leitartikel) 01/00

 

Mobbing- Kampf um die Jobs mit allen Tricks

 

Von Andreas Albes und Jens Neumann (F otos)

Burkhard Werner steht in seinem zehn Quadratmeter großen Zimmer und blickt
auf den grauen Linoleumboden. „Früher, sagt er, „war mein Büro dreimal so groß. Mit Teppich. Und ein Vorzimmer hatte ich auch. Manchmal vermisse ich das schon. "Aber Burkhard Werner ist bescheiden geworden. Heute fühlt er sich glücklich, wenn er nicht mitten in der Nacht aufgewacht ist, schweißnass, den Kopf voller Ängste. „Seit ich eine neue Aufgabe habe,  geht's aufwärts. Es ist ein gutes
Gefühl, wieder gebraucht zu werden."

Kurz vor dem Jahrtausendwechsel wurde Burkhard Werner zum Betriebsrat gewählt. In seinem Amt will er Kollegen helfen, die schikaniert und gedemütigt, gegängelt und terrorisiert werden. Was ihn dafür qualifiziert? „Na ja, das Leben", sagt er. Alles, was einem Arbeitnehmer so passieren kann, habe ich ja durchgemacht. Wenn ich jetzt solche Fälle von anderen auf den Schreibtisch bekomme, bin ich froh, dass ich's so langsam überstanden habe. Wer Mobbing
nicht am eigenem Leib erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, was das in  einem Menschen anrichtet".

Früher dachte Burkhard Werner anders. Mobbing - das war nicht sein Problem.
Das traf nur schwache Typen, Querulanten, Versager. Nicht ihn, den erfolgreichen Elektroingenieur, Abteilungsleiter bei der Telekom, der 120 000 Mark im Jahr verdient und die Verantwortung für 44 Leute trägt. Es gab damals zwar diese Gerüchte, dass durch die Privatisierung „einige Kollegen rausgeekelt werden sollten". Aber die nahm man eben nicht so ernst in einem 28­ Quadratmeter-Büro mit Vorzimmer. Bis zu jenem 9.Januar 1995...
Burkhard Werner kann sich noch genau erinnern, wie ihm die Empfangsdame nicht einmal in die Augen schauen konnte, als er ihr ein frohes neues Jahr wünschte.
Es war der erste Arbeitstag nach den Ferien. Werner, damals Chef der internen Service-Abteilung bei DeTe-Mobil in Bonn, ging durch den Flur im Erdgeschoss zu seinem Büro. Dritte Tür links. Ungewöhnlich, dachte er beim Öffnen, gar nicht abgeschlossen. Und dann entfuhr ihm nur." Was ist denn hier los?" An seinem Schreibtisch saß ein anderer. Ein Kollege. Werner sah sich um. Seine Akten, seine Bücher, sogar die Bilder von seiner Frau und seinem Sohn - alles weg. „Frohes Neues", grüßte der Kollege. „Sie müssen in ein anderes Büro umziehen. Entscheidung der Geschäftsführung". Werners Sache standen in Kartons verpackt vor dem  Notausgang.
Er war seinen Chefposten los. Aber das merkte er so schnell gar nicht. „ Ich dachte, das kann nur ein Missverständnis sein." Zunächst wurde Werner in die Außenstelle Bonn­Beuel abgeschoben. Sein neues Büro war zwar genauso groß wie das alte, aber er musste es mit zwei Kollegen teilen. Seine Aufgaben bestanden künftig darin, Inventurlisten „über den technischen Besitzstand" zu führen. "Eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme", sagt Werner. „ Da wusste ich, die wollen dich loswerden. Trotzdem hatte ich noch Hoffnung, dass  ich um meinen alten Job kämpfen kann."
K EINE C H A N C E. Die Telekom blieb hart. Ein Unternehmensberater und Experte für Privatisierungen bescheinigte ihm: "Die Gesamtschau der fachlichen und persönlichen Defizite haben uns zu der Beurteilung gebracht, dass Sie für eine Leiterposition nicht in  Betracht kommen. Ich habe Verständnis dafür, dass Sie diese Einschätzung nicht teilen." Auf Betriebsversammlungen wurde Werner öffentlich als unfähig hingestellt. Langsam begannen auch alte Kollegen, gegen ihn zu intrigieren. Einige verfassten sogar Gesprächsprotokolle von privaten Unterhaltungen und leiteten sie an die Geschäftsführung weiter.
Am Jahresende wurde Werner nach Düsseldorf versetzt. Er wehrte sich nicht. „Die haben mich in ein Büro gesetzt, in dem standen ein Stuhl und ein Schreibtisch. Sonst nichts. Kein Computer, kein Fax, nicht mal ein Telefon. Aber am schlimmsten war, dass mir niemand mehr Aufträge gab." Das Nichtstun machte Werner krank. Er bekam Magenschmerzen und Durchfall, schlief kaum noch und hatte Depressionen. Kündigen? Kam nicht in Frage. „Ich  wollte doch nicht 25 Jahre Pensionsanspruch verschenken."
1997 wurde Werner fristlos gefeuert. Ein Kollege hatte protokolliert, wie er ziemlich derb über die Telekom hergezogen war. Gegen die Kündigung zog Werner vor Gericht. Ohne Erfolg. Er schrieb an Minister, den Bundeskanzler, selbst den damaligen Bundespräsidenten. Der riet ihm, zum Sozialamt zu gehen. Neun Monate war Werner arbeitslos. Dann bekam er eine Stelle als EDV – Berater bei der Post. Ein lausiger Job für seine Qualifikation. Und er verdient nur halb so viel wie früher. „Aber immerhin habe ich es in den Betriebsrat geschafft und muss nicht mehr tatenlos zusehen, wenn Kollegen schikaniert werden." Allein die  ständigen Magenschmerzen, sagt er, sei er immer noch nicht los.

„Posttraumatisches Belastungssyndrom" nennen Mediziner die psychosomatischen Folgen seelischer Schocks. Eine typische Krankheit vom Mobbing – Opfern. „Die ersten Symptome sind Depressionen und vor allem Schlafschwierigkeiten", sagt Lothar Drat, Geschäftsführer des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM). „Sie wachen mitten in der Nacht auf, und Ihre Sorgen sind so präsent, dass Sie nicht mehr einschlafen können. Bald passiert das jede Nacht.
Und irgendwann finden Sie gar nicht mehr in den Schlaf." Ein Teufelskreis: Wer übermüdet ist, macht Fehler und wird noch häufiger schikaniert. So lange, bis Angststörungen auftreten. Manches Opfer bekommt schon Schweißausbrüche, wenn nur  das Telefon klingelt.


MOBBING IST EINE VOLKSSEUCHE

Laut Gewerkschaftsstudien waren in Deutschland anderthalb der 35 Millionen Beschäftigten  schon mal Ziel von Mobbing Attacken.

Die Fälle nehmen zu. Und es kann jeden treffen: Frauen wie Männer und immer häufiger Führungskräfte. Sie machen 16 Prozent der Opfer aus. Ein deutliches Zeichen für den immer härter werdenden Konkurrenzkampf, der in deutschen Unternehmen herrscht. ... Vier Millionen Arbeitslose und die Befürchtung, dass
auch die Schröder-Regierung das Problem nicht lösen wird, da klammert sich
jeder an seinen Job – oder an den des Kollegen. Und das Bewusstsein wächst,
auf dem Arbeitsmarkt kann nur überleben, wer mit harten Bandagen  kämpft. ... "Die Hemmschwelle dafür, was die Menschen anderen antun, sinkt."

Dass Mobbing so gravierende Folgen für die Gesundheit hat, liegt an der Ausweglosigkeit und Ohnmacht, die gemobbte Menschen empfinden. Denn sie werden in der Regel nicht ernst genommen. Die Intrigen sind selten offensichtlich. „Mobber sind (wie) Heckenschützen und gehen subtil vor", sagt Drat.
Gespräche verstummen, betritt das Opfer den Raum. Es wird bei der Einladung
zur Weihnachtsfeier einfach vergessen oder am Schreibtisch sitzen gelassen,
wenn alle gemeinsam in die Kantine gehen. „Der einzelne Zwischenfall ist
harmlos. Passiert es immer wieder, wird es zur Tortur", erklärt Sozialpädagoge
Drat "Richtig gefährlich ist die Situation, wenn sich die Opfer an ihren Chef oder Betriebsrat wenden und dann Sätze hören wie: Übertreiben Sie da nicht?"
Oder "Meinen Sie nicht, dass Sie daran selber schuld sind?"

Auch Michaela R., Leiterin eines Kindergartens bei Frankfurt/M., musste sich solche Sprüche anhören: „Ich redete mir irgendwann selbst ein, dass ich 'ne Macke habe." Sie wurde nach mehr als 20 Dienstjahren aus dem Job getrieben. Alles hatte damit angefangen, dass  eine neue Erzieherin eingestellt wurde. Ich glaube, die war scharf auf meine Stelle. Auf einmal wurde ich von Teambesprechungen ausgeschlossen. Die alten Kolleginnen, mit denen ich viele Jahre gut zusammengearbeitet hatte, grinsten nicht mehr. sogar die Kinder nahmen mich irgendwann nicht mehr ernst. Aber beschweren Sie sich darüber mal bei Ihren Vorgesetzten." Zuletzt war Michaela R. mit den Nerven so am Ende, dass sie  ...


NEID VON KOLLEGEN,


Rationalisierungsmaßnahmen oder einfach ein mieses Betriebsklima, in dem ausgewählte Sündenböcke als Blitzableiter für den Frust von Chefs und Kollegen herhalten müssen – das sind die häufigsten Auslöser von Mobbing-Kampagnen. Aber nicht die Ursachen. Die sehen Wissenschaftler im „wachsenden Veränderungsdruck, der auf den Arbeitnehmern laste. ... In modernen Betrieben wird ständig umstrukturiert. Die Managementkonzepte erfordern hohe Flexibilität von den Menschen, bieten aber immer weniger Sicherheiten. Das bedeutet Stress, der ideale Nährboden für Mobbing." Die Folgen für die Wirtschaft sind fatal. ...
Etwa bei der ÖTV Franfurt/Oder. Seit einem Jahr ist der dortige ehemalige Geschäftsführer in psychotherapeutischer Behandlung, Günter Geuking, 38, fühlt sich vom Bezirksleiter gemobbt, der über ihn sagt: „Dem Günter fehlt die soziale Kompetenz für eine Führungsposition." Geuking: "Als ich mich weigerte, meinen Posten abzugeben, gingen die Schikanen los. Ich musste Stellungnahmen zu drei Jahre alten Fahrtenbüchern schreiben. Gerüchte über angebliche Drogensucht machten die Runde." Der Höhepunkt sei ein Protokoll angeblicher Fehlleistungen gewesen, dass dem ÖTV-Personalleiter übergeben wurde. „Da  waren über einen Zeitraum von zwei Jahren 28 Punkte haarklein nach Datum aufgeführt."
Der Bezirksleiter ("Wer mobbt hier wen?") bestreitet die Existenz des Protokolls nicht: „Ich habe mir immer eine Notiz im Kalender gemacht, wenn sich jemand beschwert hat." Geuking hat die Geschäftsführung inzwischen aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Er hätte die ÖTV längst ganz verlassen, wäre da nicht die Angst vor Arbeitslosigkeit: „Wer nimmt schon einen Ex-Gewerkschaftsfunktionär?' Einfach hinschmeißen und kündigen, das  war früher noch eine Fluchtmöglichkeit für Mobbing-Opfer. Angesichts der Arbeitsmarktsituation ist dieser Ausweg versperrt.

An den Krankenhäusern, wo der Kostendruck immer größer und die Stellen immer knapper werden, geht es besonders rüde zu, Mediziner sind siebenmal häufiger Mobbing ausgesetzt als der Durchschnitt der Arbeitnehmer. In Hannover machte ein Chefarzt Schlagzeilen, weil er seinen Assistenten regelmäßig ohrfeigte. In Köln wurde eine Ärztin während des Bereitschaftsdienstes mit K.-O.-Tropfen betäubt. Und schon Medizinstudenten lernen, was „Witwenverbrennung" ist: Wenn ein Chefarzt in Pension geht, bleibt meist sein  Vertreter, die „Witwe", in der Klinik.
Und die wird gerne weggemobbt.

Nach einer Studie der Personalberatungsfirma Kienbaum sind 60 Prozent der deutschen Führungskräfte neurotisch gestört Zapf: „Viele schikanieren ihre Untergebenen aus Mangel  an Selbstbewusstsein. Sie fühlen sich von starken Mitarbeitern bedroht." ...

Denn Mobbing-Opfer sind in der Regel keineswegs Faulpelze oder Drückeberger. „Es sind (häufig) Mitarbeiter, die sich jeder Chef theoretisch wünscht", sagt
Lothar Drat „Typische Opfer identifizieren sich mit dem Betrieb, sind fleißig und kreativ." Durch ihre Beflissenheit schließen sie sich (u.U.) aber von der Gemeinschaft aus. Drat: „Diese Entwicklung erkennen Mobbing-Opfer (oft)
zu spät. Sie wiegen sich wegen ihrer Leistungen in Sicherheit und ignorieren
die (Früh-) Signale  drohender Konflikte."

Uda K., Sekretärin am Arbeitsgericht in Pforzheim, beherrscht ihren Job geradezu meisterhaft: Rank 15 bei der Weltmeisterschaft im Stenografieren und Tippen.
Ihr Mobbing- Schicksal begann damit, dass sie den Text eines sehr unsicheren Richters ungefragt korrigierte. Wie gedemütigt der sich dadurch fühlte, bemerkte die selbstbewusste Frau gar nicht. Auch nicht, als der Jurist im Kollegenkreis schimpfte und andere Sekretärinnen begannen, Uda K. zu schneiden. Als der Richter Monate später eine zwölfseitige Beschwerde über Uda K. an den Direktor schickte, war es für Schlichtungsversuche längst zu spät.


DER LÄCHERLICHE KONFLIKT


eskalierte. Uda K. wurde der Sabotage beschuldigt Sie soll am Computer manipuliert haben. Man nahm ihr den PC und die Büroschlüssel weg. Sie zog mehrfach vors Arbeitsgericht. Jetzt will ihr Chef sie zum Gesundheitstest schicken. Ihr Verhalten deute „auf das Vorhandensein psychischer Störungen" hin. Unter
den Kollegen ist die 58-Jährige inzwischen isoliert. Den Job (Teilzeit für 1000 Mark netto) hat Uda K. finanziell eigentlich gar nicht nötig. Ihr Mann verdient gut als Marketing-Manager. Doch aufgeben würde sie nie: „Mir geht es um die  Gerechtigkeit."

„Es gibt Mobbing-Opfer, die leben nur noch dafür, sich zu rehabilitieren", sagt Stressforscher Zapf. „Die haben ihr Schicksal zum Beruf gemacht und stürzen sich oft noch mehr in Unglück." Einige verlieren Freunde und Familie. In Stuttgart lief wochenlang ein Mann mit einem Sandwich-Plakat durch die Stadt: „Mein Betrieb
hat mich kaputtgemacht." Seit dieser Aktion (es war ein Akt, den er ständig wiederholte) will die Verwandtschaft nichts mehr mit ihm zu tun haben.  Die meisten Betroffenen leiden jedoch im Stillen. Sie kündigen innerlich, kapseln sich
ein und arbeiten nur das Nötigste, um nicht aufzufallen und bloß keine Fehler zu machen. Die Rechnung geht kaum auf. Wer einmal als Opfer ausgeguckt ist, bleibt es. Gerade, wenn im Kollegenkreis gemobbt wird. „Das ist häufig in Organisationen der Fall, wo hoher Korpsgeist herrscht", erklärt Zapf. „Wer den Eindruck erweckt, nicht richtig dazuzugehören, wird schnell  als Nestbeschmutzer abgestempelt."
 Dieses Schicksal trifft viele Frauen bei der Polizei. Dass sie immer öfter auspacken, hat ihren Ruf in der Männerdomäne nicht gerade verbessert. Jetzt gilt erst recht: „Frauen machen nur Ärger." Die Quälereien sind an Gemeinheit kaum zu überbieten. Einer Sekretärin des Münchner Sondereinsatzkommandos hatten Kollegen den Telefonhörer mit Silbernitrat eingerieben. Die Substanz wird zum Präparieren von Geldscheinen benutzt. Wer sie berührt, dessen Finger werden verätzt und färben sich schwarz. Die Sekretärin bekam schwarze  Ohren – und erstattete Anzeige.
 Silke F., Kripobeamtin aus Hessen, wurde von ihren Kollegen so drangsaliert,
dass sie sich versetzen ließ und jetzt lieber 100 Kilometer zur neuen Dienststelle fährt. Vorher war die 27-Jährige im Rauschgiftdezernat. Eigentlich ihr Traumjob,
den sie nur wegen hervorragender Beurteilungen bekommen hatte. Als die Kollegen erfuhren, dass Silkes Beziehung gerade beendet war, gab's sofort eindeutige Angebote. „Auch von Familienvätern", erzählt die attraktive Blondine. „An einem Tag lagen fünf Zettel mit Telefonnummern auf meinem Schreibtisch.
Die habe ich in den Papierkorb geworfen. Da war ich unten durch. Der Terror ging so weit, dass mein neuer Freund anonyme Anrufe bekam: „Was willst du eigentlich mit  der Schlampe? Die liegt mit einem anderen Kerl im Bett."
 Jede vierte Polizistin fühlt sich von Kollegen oder Vorgesetzten angemacht, hat eine Studie in Nordrhein-Westfalen ergeben. Die Mehrzahl der männlichen Beamten meint zwar, sexuelle Belästigung sei Machtmissbrauch, im Alltag schlägt sich diese Auffassung aber offenbar nicht nieder. Ein Inspektionsleiter aus Lindau gab vor versammelter Mannschaft folgenden Tipp zum Umgang mit einer Beamtin: „Sollte das Huhn gegen einen Streifenkollegen aufmucken, so sollte dieser wortlos ein Lineal von mindestens 30 Zentimeter  Länge ergreifen und dem Huhn ordentlich eine auf die Brezel verpassen."

EINE CHANCE,
 in Ruhe gelassen zu werden, haben vor allem Frauen, die schon beim ersten sexuellen  Übergriff verbal oder körperlich zurückschlagen. Das ergab die Untersuchung in NRW. Die Belästigungen öffentlich zu machen bringt hingegen wenig: während nur in acht Prozent der Fälle disziplinarische Maßnahmen gegen die Täter eingeleitet werden, beklagt ein Viertel der  betroffenen Frauen hinterher berufliche Nachteile. Im Februar erschoss sich eine 22-jährige Polizistin aus München, weil sie den Terror nicht mehr aushielt.

„Mobbing ist der Grund für jeden sechsten Suizid", sagt VPSM-Chef Drat. In Pfullingen nahm sich kürzlich ein 33-jähriger Filialleiter das Leben. Ihm war gekündigt worden, weil er von seinem Dienstapparat Sex-Hotlines angerufen haben soll. In seinem Abschiedsbrief beteuerte der Mann, dass er nie eine
0190-Nummer gewählt habe.
 

 










 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wormser Zeitung 09/99

 

„Sind gezielte Kampagnen“

Veranstaltung von ÖTV und AsF
zu Mobbing / Unternehmenskultur

 

Das Thema „Mobbing“ werde in den Medien gerne bagatellisiert, begann Kirsten Rohleder-Oswald ihren Bericht über „Psychosozialen Stress am Arbeitsplatz“. Daß die Problematik aktueller ist denn je, zeigte der große Zuspruch zu der gemeinschaftlich von ÖTV- und AsF-Frauen organisierten Veranstaltung im Gerd-Laubner-Haus. „Was kann ich denn bloß tun?“ fragte eine Frau verzweifelt. „Es gibt keine andere Stelle in unserem Haus, wohin ich mich versetzen lassen könnte.“ Und kündigen, ist bei der heutigen Arbeitsplatzsituation riskant, zumal gemobbte Leute nach monatelanger Isolierung, Verhöhnung, Diskreditierung oft so krank seien, daß sie bei einem Vorstellungsgespräch kaum Chancen hätten, ergänzte die Expertin.

Die Diplompsychologin beschäftigt sich schon seit einigen Jahren intensiv mit der Mobbingforschung und arbeitet im Wiesbadener Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing. Sie zog in ihrem ausführlichen Referat klare Grenzen: Mobbing sei nicht zu verwechseln mit Konflikten, wie sie immer mal auftreten unter Kollegen, es handle sich vielmehr um eine gezielte Kampagne, die sich über lange Zeit in großer Regelmäßigkeit abspiele. Oftmals um Mitbewerber aus ihrer Position zu drängen. Nicht nur die Gemobbten erleiden große gesundheitliche Schäden, sondern auch das Unternehmen selbst, führte die Referentin aus. Denn selbst wenn der Gemobbte das Handtuch werfe, sei mit dem nächsten Fall schon bald zu rechnen. Während sie dem einzelnen riet, schnell Unterstützung zu suchen, mahnte Rohleder-Oswald auch einen gesellschaftlichen Wertewandel an. Wichtigster Ansatzpunkt allerdings sei eine Verbesserung der Unternehmenskultur, angemessene, ausgeglichene Verteilung der Arbeiten, breiter Informationsfluß, Vertrauenspersonen, Einschalten von Vermittlern.






 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AZ Alzey 06/96

 

Gesprächskreis speziell für

Mobbing-Opfer gedacht

 

ig)

Ab Juni neues Angebot im Landkreis / Etliche Menschen leiden unter Psychoterror am Arbeitsplatz. Die psychosozialen Beratungsangebote im Landkreis werden demnächst um ein weiteres Angebot ergänzt.

Ab Juni veranstaltet der „Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing" (VPSM) einen von Fachleuten geführten Gesprächskreis, der für Mobbing-Opfer gedacht ist.

„Mobbing am Arbeitsplatz ist eine konfliktbelastete Kommunikation unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen", erklärt die Sprecherin des Vereins im AZ-Gespräch. Eine Person sei dabei immer unterlegen und werde mit bewussten oder unbewussten Ziel angegriffen, das Opfer auszustoßen. „Das Opfer erlebt dies als schlimme Diskriminierung und die ständigen Angriffe schlagen früher oder später auf die körperliche und geistige Gesundheit. Die Sprecherin weiß, wovon sie spricht. Schließlich ist sie Selbst Opfer geworden, wechselte die Arbeitsstelle. Deshalb möchte sie auch ungenannt bleiben. „Wenn dieser Albtraum endlich vorbei ist, möchte man eben verhindern, dass er sich wiederholt".

Die Ursachen seien vielfältig, erklärt die Sprecherin. Da sei das Versagen, von Vorgesetzten oder die inhaltlich und zeitlich schlechte Aufteilung von Arbeit Die Folgen für den Arbeitgeber seien unter anderem die Verschlechterung des Betriebsklimas nebst sinkender Motivation der Mitarbeiter, erhöhte Kosten durch Fehlzeiten und Qualitätsminderung. ... „Die Menschen, die zu uns kommen, sind oft in einer schlimmen Verfassung", berichtet die Vereins-Sprecherin. Selbst beim Arbeitsplatz-Wechsel gehe der durch das Mobbing entstandene schlechte Ruf des Arbeitnehmers voraus. Oft helfe da nur Weiterbildung oder ein Berufswechsel. Der Verein hilft auch bei Wiedergutmachungsansprüchen gegenüber dem ehemaligen Arbeitgeber. „Das meiste Mobbing finden wir im öffentlichen Dienst, in Verwaltungen und Schulen." Auch hier schaltet sich der Verein vermittelnd ein.

Hauptstandort des VPSM ist Wiesbaden.

 

 

 

 

 

 

 

BILD-Woche 02/00

 

Mobbing-Alarm! Gegen 1,5 Mio. Deutsche

Mobbing kann jeden Treffen: den Chef, die Sekretärin, den Faulpelz

 

Verleumdungen, Intrigen, sexuelle Belästigung - Mobbing! Treffen kann es jeden. 1,5 Millionen Menschen leiden schon darunter....

Wie Gerlinde M. (53). Faul, vergesslich und schusselig soll sie gewesen sein. Sie war mal Chefsekretärin. Fleißig, gewissenhaft, bei Kollegen beliebt. Sie arbeitete 20 Jahre in einem renommierten Hamburger Dienstleistungsunternehmen.

Dann, vor 18 Monaten, die Wende. Gerlinde M. bekam eine neue Kollegin: „Sie hat mich angeschwärzt“! Termine soll sie vergessen haben. Akten falsch einsortiert. „Dabei stimmt das gar nicht.“

Doch bald merkte Gelinde M. dass auch andere Kollegen auf Distanz gingen. Sie wurde nicht mehr gefragt, mit in die Kantine zu gehen, auf dem Flur nicht mehr gegrüßt. Als die langjährige Kraft die Neue zur Rede stellen wollte, wurde sie zur Strafe zum Chef zitiert. „Von da an konnte ich nicht mehr richtig schlagen, hatte Alpträume, häufig Migräne.“ Schließlich wurde sie mehrere Wochen krank. Als genesen war, wurde sie zum Hauspost-sortieren versetzt. Sie kündigte. Die neue Kollegin hatte sie erfolgreich „rausgemobbt“.

Was ist Mobbing?

Beim Mobben leiden Beschäftigte monate-, manchmal jahrelang unter den Schikanen von Chefs oder Kollegen. Die Opfer werden systematisch gequält - mit Drohbriefen, Verleumdungen, Sabotage. Einziges Ziel: Das Mobbing-Opfer fertig zu machen.

Experten schätzen, dass in Deutschland bereits 1,5 Millionen Beschäftigte gemobbt werden.

Mobbing - ein neues Wort für eine alte Sache. „Gerade wenn der Arbeitsmarkt kleiner wird, muss um jeden Job hart gekämpft werden“, sagt Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing.

Wer wird Mobbing-Opfer?

Es kann jeden treffen. Den Chef genauso wie die Sekretärin. Den Ehrgeizigen genauso wie den Faulpelz. Dieter Zapf, Psychologe an der Frankfurter Universität, ist überzeugt: Niemand ist zum Mobbing-Opfer oder -täter geboren. Aber es gibt bestimmte Risikofaktoren: Chefs mit mangelndem Selbstbewusstsein fühlen sich von starken Untergebenen bedroht. Außenseiter werden eher zu Opfern. Aufstrebende stören mit ihren Ehrgeiz das soziale Klima.

Wer mobbt am meisten?

In nahezu der Hälfte aller Mobbingfälle drangsaliert der Chef persönlich seine Mitarbeiter - das sogenannte Bossing (engl. Boss = Chef). In Krankenhäusern, wo der Kostendruck hoch und der Stellenabbau groß ist, wird siebenmal häufiger gemobbt als an anderen Arbeitsplätzen.

Bei der Polizei leiden besonders Frauen unter dem Druck der Kollegen. In Nordrhein-Westfalen fühlt sich jede vierte Polizistin von Kollegen angemacht.

Was sind Folgen von Mobbing?

Die Gemobbten verlieren zuerst den Spaß an ihrer Arbeit. Dann ihre Gesundheit und zuletzt ihren Job. Ihre Krankheiten reichen vom Kopfschmerz bis zum Nervenzusammenbruch. Manches Opfer sieht als einzigen Ausweg nur den Selbstmord. Schätzungsweise 20 Prozent aller Selbsttötungen gehen auf Mobbing zurück. Dabei schadet das Mobbing nicht nur dem Opfern. Auch die Volkswirtschaft trifft es hart.

 

 


Hinweise für Betroffene

Stern-Leitartikel 2000
 
„Posttraumatisches Belastungssyndrom" nennen Mediziner die psychosomatischen Folgen seelischer Schocks. Eine typische Krankheit vom Mobbing – Opfern. „Die ersten Symptome sind Depressionen und vor allem Schlafschwierigkeiten", sagt Lothar Drat, Geschäftsführer des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM). „Sie wachen mitten in der Nacht auf, und Ihre Sorgen sind so präsent, dass Sie nicht mehr einschlafen können. Bald passiert das jede Nacht.
Und irgendwann finden Sie gar nicht mehr in den Schlaf." Ein Teufelskreis: Wer übermüdet ist, macht Fehler und wird noch häufiger schikaniert. So lange, bis Angststörungen auftreten. Manches Opfer bekommt schon Schweißausbrüche, wenn nur  das Telefon klingelt. Die Fälle nehmen zu. Und es kann jeden treffen: Frauen wie Männer und immer häufiger Führungskräfte. Sie machen 16 Prozent der Opfer aus. Ein deutliches Zeichen für den immer härter werdenden Konkurrenzkampf, der in deutschen Unternehmen herrscht. ... Vier Millionen Arbeitslose und die Befürchtung, dass
auch die Schröder-Regierung das Problem nicht lösen wird, da klammert sich
jeder an seinen Job – oder an den des Kollegen. Und das Bewusstsein wächst,
auf dem Arbeitsmarkt kann nur überleben, wer mit harten Bandagen  kämpft. ... "Die Hemmschwelle dafür, was die Menschen anderen antun, sinkt."

Dass Mobbing so gravierende Folgen für die Gesundheit hat, liegt an der Ausweglosigkeit und Ohnmacht, die gemobbte Menschen empfinden. Denn sie werden in der Regel nicht ernst genommen. Die Intrigen sind selten offensichtlich. „Mobber sind (wie) Heckenschützen und gehen subtil vor", sagt Drat.
Gespräche verstummen, betritt das Opfer den Raum. Es wird bei der Einladung
zur Weihnachtsfeier einfach vergessen oder am Schreibtisch sitzen gelassen,
wenn alle gemeinsam in die Kantine gehen. „Der einzelne Zwischenfall ist
harmlos. Passiert es immer wieder, wird es zur Tortur", erklärt Sozialpädagoge
Drat "Richtig gefährlich ist die Situation, wenn sich die Opfer an ihren Chef oder Betriebsrat wenden und dann Sätze hören wie: Übertreiben Sie da nicht?"
Oder "Meinen Sie nicht, dass Sie daran selber schuld sind?"

Rufmordkampagnen gehören zu den schlimmsten Mobbing Varianten. Sie beginnen meistens harmlos („Ach, der Mayer, trinkt ja auch ganz gern mal einen") und rollen dann wie  eine Lawine über die Opfer hinweg. ...  Es ist oft so, dass Unternehmen eher versuchen, die Opfer loszuwerden, als die Täter", sagt der Frankfurter Professor Dieter Zapf.  ...  Ansonsten haben es Betroffene schwer, professionelle Hilfe zu finden. Zwar sind Beratungsstellen in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Darunter gibt es aber viele schwarze Schafe.
„Vorsicht bei einzelnen Beraterm ohne (fundierte pschologische / pädagogische) Ausbildung", warnt Drat. „Da wollen sich manche nur eine goldene Nase verdienen. Die verlangen 130 Mark fürs Gespräch und geben dann den Tipp: Drohen Sie, vor Gericht zu ziehen. Das lässt die Chance auf eine einvernehmliche Konfliktlösung gen Null tendieren." Juristischen Beistand zu finden ist außerdem gar nicht leicht. Drat: „Erfahrene Anwälte schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ein Mobbing-Opfer in der Kanzlei steht." Mit solchen Klienten lässt sich kaum etwas verdienen und erst recht nichts gewinnen. Wo kann man schon Zeugen
auftreiben, die gegen ihre eigene Kollegen aussagen? Oder gegen den Chef? Trotzdem werden in sieben von zehn Fällen Anwälte eingeschaltet. Zum
Leidwesen der Richter, die in den verfahrenen Situation kaum entscheiden
können, ob  tatsächlich Mobbing vorliegt. ...


EXPERTENRAT

Konflikte direkt ansprechen

Wie schützt man sich vor Kampagnen?
Was tun, wenn man zur Zielscheibe von Intriganten wird?


Wer ein inneres Frühwarnsystem entwickelt, schützt sich am besten vor Mobbing. Neuer Chef, neue Kollegen, geänderte Arbeitsabläufe – vor allem dann ist Sensibilität gefragt. Das Umfeld genau beobachten und darauf achten, wo und mit wem sich ein Konflikt entwickeln könnte. „Ein normaler Streit mit einem Kollegen sollte sich spätestens nach der dritten Woche erledigt haben", sagt Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM). „Wenn es dann noch weitere Anfeindungen gibt, ist die Frage, ob zielgerichtet und  systematisch vorgegangen wird."

Ist das der Fall, könnte eine Mobbing-Kampagne in Gang kommen. Am besten den Initiator so früh wie möglich direkt ansprechen. Ruhig, aber bestimmt: „Warum
hast du was gegen mich?" Sind die Fronten schon so verhärtet, dass es dafür zu spät ist, zum Vorgesetzten oder zum Betriebsrat gehen. Die können schlichten. Wichtig ist, auch wenn es schwer fällt, das Thema sachlich zu diskutieren. Opfer, die dazu nicht mehr in der Lage sind, geraten schnell in den Ruf, Querulanten zu sein. Und dann hat der Mobber meistens schon  gewonnen.

Ein Mobbing-Tagebuch (insbesondere die Zusammenfassung desselben auf ca. 2 Seiten) hilft dabei, sachlich zu bleiben: jede Stichelei und Schikane protokollieren. „Außerdem sollte man so früh wie möglich eine Beratungsstelle aufsuchen rät Lothar Drat. „Der Berater muss sich ja nicht gleich in den Prozess einschalten. Aber man braucht unbedingt einen Dritten, der die Situation und das eigene Verhalten von außen bewerten kann."

Vorsicht bei Beratern, die selbst einmal Opfer waren und das Erlittene nie  richtig aufgearbeitet haben. Sie hetzen ihre Klienten oft nur unnötig auf.

  VPSM verlangt 54 Mark für eine Konsultation. Preise in dieser Größenordnung sind üblich bei seriösen Beratungsstellen. Dort erfährt man auch die Adressen von (weiteren) Psychologen und Anwälten, die auf Mobbing-Fälle spezialisiert sind. Landet ein Mobbing-Fall erst einmal vor Gericht, ist es für eine Schlichtung längst zu spät.

Drat: „Vergleichen Sie es mit einer  Ehescheidung: Sobald die Anwälte aufeinander losgehen, fängt der Krach erst richtig an."

Wer seit einem halben Jahr regelmäßig schikaniert wird und deshalb permanent
an Kopf und Magenschmerzen, Schlaflosigkeit oder gar Depressionen leidet, ist eindeutig Opfer einer Mobbing-Kampagne. In diesem Stadium ist es selten, dass ein Betroffener wieder ins alte Umfeld integriert werden kann. Wenn möglich,
sollte er die Abteilung oder gar den Betrieb wechseln. Unnötiges Durchhalten schadet nur der Gesundheit. Jetzt muss mit dem Arbeitsgeber verhandelt werden. Dabei sind Mobbing-Berater eine wichtige Unterstützung. „Denn es kommt auf die Bedingungen an, zu denen jemand die Abteilung wechselt oder den Betrieb verlässt", sagt Lothar Drat. „Wichtig ist, dass eine Lösung gefunden wird, mit der alle  leben können."



















Mobbing-Experten
Jur. Möglichkeiten und Grenzen
Modebegriff Mediation
Beratung / Coaching
 

STERN 02/05

 

Gerichtsurteile

Schikane am Arbeitsplatz

Immer mehr Beschäftigte und Vorgesetzte führen einen Feldzug gegen Kollegen und scheuen nicht davor zurück, zu heimtückischen Mitteln zu greifen. Seit Beginn der 90er Jahre hat der Terror am Arbeitsplatz einen prägnanten Namen: Mobbing.

Mobbing-Aktivitäten können sehr unterscheidlich sein. Das kann von Beschimpfungen und totaler Ausgrenzung über Rufmord bis hin zur Unterschlagung von Informationen gehen. Im fortgeschrittenen Stadium kann es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen ... kommen. "Die Betroffenen wollen es zum größten Teil nicht wahr haben, aber es kann jeden treffen", erklärt Lothar Drat, Geschäftsführer des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM).

stern.de zeigt eine Übersicht der bisherigen Gerichtsurteile zum Thema "Mobbing am Arbeitsplatz".

...

 

> Sachsen muss Schmerzensgeld zahlen

> Mobbing bewahrt nicht vor Kündigung in der Probezeit

> Gemobbt gefühlt: Keine volle Sperrzeit trotz eigener Kündigung

> Mobbing-Folgen sind keine Berufskrankheit

> Haftung für mobbende Beamte

> Mobbing - nur systematisch gerichtsfest?

> Ärztliches Beschäftigungsverbot bei Mobbing einer Schwangeren möglich

> Pauschaler Mobbing-Vorwurf reicht für Schadensersatz nicht aus

> Erstmals Schadensersatzurteil wegen Mobbings

> Gericht verstärkt Schutz vor Mobbing

> Mobbing-Opfer haben keinen Anspruch auf Opferentschädigung

> Mobbing als Grund zur außerordentlichen Kündigung

> Arbeitsverweigerung nach Mobbing berechtigt

 



Sachsen muss Schmerzensgeld zahlen
Der Freistaat Sachsen muss für Mobbing im öffentlichen Dienst Schmerzensgeld und Schadensersatz zahlen. Das geht aus einer am 9. Juli 2003 veröffentlichten Entscheidung des Dresdner Arbeitsgerichts hervor. Damit war die Klage einer 37-jährigen Sachbearbeiterin des Landesamtes für Umwelt und Geologie im vollen Umfang erfolgreich. Sie hatte gegen ihren Vorgesetzen und den Freistaat geklagt, sagte Gerichtssprecher Ulrich Busch.

Nach Auffassung der Dresdner Richter hat der Freistaat als Arbeitgeber nichts gegen das Mobbing unternommen. Damit stehen der Mutter zweier Kinder Schmerzensgeld zu. Die Frau hatte insgesamt 32.000 Euro gefordert. Die Klägerin arbeitete von Oktober 1999 bis Februar 2001 in der Behörde. Während dieser Zeit war sie laut Zeugenaussagen vor Gericht ständigen Schikanen, Diskriminierungen und Anfeindungen ausgesetzt. Nach Aussagen ihrer Erfurter Anwältin ist die Frau nicht mehr in der Lage, zu arbeiten. Sie sei nach einem längeren Klinikaufenthalt immer noch in psychotherapeutischer Behandlung und auf Medikamente angewiesen. Ihre berufliche Karriere sei ruiniert, hieß es.

Az.: 5 Ca 5954/02

 



Mobbing bewahrt nicht vor Kündigung in der Probezeit
Eine Kündigung in der Probezeit bleibt auch dann gültig, wenn sich der entlassene Arbeitnehmer als Mobbingopfer fühlt. Das hessische Landesarbeitsgericht lehnte in einem am 6. Mai 2003 bekannt gewordenen Urteil einen besonderen Kündigungsschutz in der Probezeit für Mobbingopfer ab. Die Richter wiesen damit die Klage einer Büroangestellten gegen die Stadt Frankfurt zurück und erklärten deren Kündigung für wirksam.

Die Arbeitnehmerin hatte bald nach Beginn des Arbeitsverhältnisses Schwierigkeiten mit ihren Kollegen bekommen. Die Kündigung innerhalb der ersten sechs Monate wurde allerdings mit den schlechten Arbeitsleistungen der Frau begründet. Gleichwohl stellte sich die Arbeitnehmerin auf den Standpunkt, sie sei von Kollegen und Vorgesetzten gezielt ausgegrenzt, also "gemobbt" worden.

Laut Urteil führt auch eine Verletzung der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers in Mobbing-Fällen nicht zur Unwirksamkeit einer während der Probezeit ausgesprochenen Kündigung. Ein "gemobbter" Arbeitnehmer könne gegen den Arbeitgeber lediglich Schadenersatzansprüche geltend machen, wenn dieser die gezielte Ausgrenzung nicht verhindert habe.

Az.: 12 Sa 561/02

 



Gemobbt gefühlt: Keine volle Sperrzeit trotz eigener Kündigung
Wer sich als Arbeitnehmer gemobbt fühlt und kündigt, hat zwar nicht unbedingt einen wichtigen Kündigungsgrund, kann aber auf eine kürzere Sperrfrist beim Arbeitslosengeld hoffen. Das geht aus einem am 28. Februar 2003 veröffentlichten Urteil des Landessozialgerichts (LSG) Rheinland-Pfalz in Mainz hervor. In einem solchen Fall könne der Entschluss des Mitarbeiters, das Arbeitsverhältnis von sich aus zu kündigen, "verständlich und entschuldbar" sein, betonten die Richter.

Das Gericht verkürzte mit seinem Spruch die vom Arbeitsamt verhängte Sperrzeit für die Auszahlung von Arbeitslosengeld von zwölf auf sechs Wochen. Der Arbeitnehmer hatte argumentiert, sein Vorgesetzter habe ihn regelmäßig besonders intensiv kontrolliert. Dabei seien bei ihm angebliche Fehler beanstandet worden, die bei seinen Kollegen toleriert worden seien. Deshalb habe er sich zur Kündigung entschlossen.

Az.: L 1 AL 57/01

 



Mobbing-Folgen sind keine Berufskrankheit
Psychische Krankheiten als Folge von Mobbing am Arbeitsplatz können nicht als Berufskrankheit geltend gemacht werden. Das entschied das Dortmunder Sozialgericht am 19. Februar 2003 in einer Verhandlung in Siegen und wies damit die Klage eines Siegener Sicherheitsingenieurs ab. Der Mann hatte angegeben, dass ihn Mobbing in seinem Betrieb krank gemacht habe. Daraufhin hatte er die Hütten- und Walzwerks-Berufsgenossenschaft auf Geldzahlungen verklagt.

Psychische Erkrankungen durch Mobbing tauchen nicht in der Berufskrankheitenverordnung auf, stellte die Richterin fest. Sie müssen auch nicht wie eine Berufskrankheit entschädigt werden, da es bislang keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse dafür gebe, dass Mobbing eine bestimmte Berufsgruppe krank machen kann.

AZ.: S 36 U 267/02

 



Haftung für mobbende Beamte
Mobbt ein Vorgesetzter im öffentlichen Dienst die ihm unterstellten Mitarbeiter, so kann dafür grundsätzlich der Dienstherr haftbar gemacht werden. Grund dafür sei der Umstand, dass der Vorgesetzte in diesen Fällen nicht privat, sondern hoheitlich tätig sei. Der Dienstherr seinerseits könne dann Regress bei dem mobbenden Vorgesetzten nehmen. Mit dieser Entscheidung wiesen die Richter des Bundesgerichtshofs die Klage des Vaters einer verstorbenen Polizistin gegen deren Vorgesetzten ab. Der Mann hatte geklagt, weil seine Tochter Selbstmord begangen hatte und in einem Abschiedsbrief die ständigen Schikanen des Vorgesetzten als Grund benannt waren. Leider jedoch gegen den falschen Beklagten.

Az.: III ZR 277/02 vom 1. August 2002

 



Mobbing - nur systematisch gerichtsfest?
Die Pflegekraft in einem Alten- und Pflegeheim hatte gegen die vorgesetzte Wohnbereichsleiterin vor dem Arbeitsgericht geklagt, um ein Schmerzensgeld wegen Mobbings und ehr- sowie persönlichkeitsverletzenden Handlungen zu erreichen. Die Klage wurde erstinstanzlich abgewiesen. In der Berufung vor der 3. Kammer des Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein wurde die Klage der Klägerin ebenfalls zurückgewiesen und auch eine Revision ausgeschlossen. Das Gericht folgte der ersten Instanz und sah es als nicht erwiesen an, dass die körperlichen Beschädigungen sowie die schwere chronifizierte reaktive Depression unmittelbar Folge des Führungshandelns der Vorgesetzten seien. Das Gericht verlangte für den Nachweis einer Mobbingsituation zum einen den lückenlosen Beleg einer systematischen Schikane gegen die Klägerin, zum anderen den Ausschluss anderer Beeinträchtigungen aus dem außerberuflichen Umfeld, die körperliche oder seelische Krankheiten zur Folge haben könnten. Diese beiden Punkte sah das Gericht nicht als gegeben an. Es wertete die Einzelattacken beziehungsweise fragwürdige Verhaltensweisen der Vorgesetzten nicht als systematischen Zusammenhang und konnte dieses Verhalten auch nicht als ausschließlich ursächlich mit den Krankheiten der Klägerin in Verbindung bringen. In Teilen vermochte das Gericht auch nicht der Interpretation der Klägerin zu folgen, die bestimmtes Verhalten ihrer Vorgesetzten als Schikane ansah.

Unter Umständen hätte eine Klage gegen das mangelhafte Sozialverhalten der Führungskraft und wegen des Verstoßes gegen des Arbeitsschutzgesetzes im Blick auf die psychosomatischen Störungen eher Aussicht auf Erfolg gehabt als eine Klage wegen Mobbings.

Az.: 3 Sa 001/02 vom 19.03.2002
3 Sa 001/02 vom 19.03.2002

 



Ärztliches Beschäftigungsverbot bei Mobbing einer Schwangeren möglich
Eine Schwangere, die an ihrem Arbeitsplatz gemobbt wird, kann sich von ihrem Arzt ein Beschäftigungsverbot bescheinigen lassen.

In dem konkreten Fall hatte eine 30-jährige Sachbearbeiterin einer Spedition über Mobbing am Arbeitsplatz geklagt: Nach mehrfachen Streit mit ihrem Vorgesetzten sei ihr sowohl Bildungsurlaub als auch Freizeit für ihre Vorsorgeuntersuchungen verweigert worden, so dass ihr das Gefühl gegeben worden sei, um ihren Job fürchten zu müssen. Ihr Arzt hatte daraufhin bestätigt, dass sie aufgelöst und gestresst wirke, und bescheinigte ihr ein unbefristetes Beschäftigungsverbot. Der Arbeitgeber hatte die Stressbelastung für gespielt gehalten und hatte ihr die Zahlung des Gehalts verweigert.

Die Richter des Bundesarbeitsgerichts urteilten: Die subjektive Belastung durch Stress am Arbeitsplatz könne einen "Gefährdungswert" für die Gesundheit des Kindes darstellen. Dies reiche nach dem Muterschutzgesetz für ein Beschäftigungsverbot aus. Voraussetzung für ein Beschäftigungsverbot sei jedoch zudem, dass der Stress im Zusammenhang mit der Arbeit stehe.

Az.: 5 AZR 352/99 vom 21. März 2001

 



Pauschaler Mobbing-Vorwurf reicht für Schadensersatz nicht aus
Ein pauschaler Mobbing-Vorwurf reicht für einen Anspruch auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld nicht aus. Dies entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz in Mainz in einem am 18. Februar 2002 veröffentlichten Urteil. Der Betroffene müsse vielmehr konkret darlegen, in welcher Weise er von Kollegen und Vorgesetzten schikaniert worden sei. Der bloße Hinweis auf "Mobbing-Aktionen" genüge nicht.

Das Gericht wies eine Schmerzensgeld- und Schadensersatzklage eines Arbeitnehmers gegen seinen Arbeitgeber ab. Der Kläger hatte behauptet, er sei von Kollegen und Vorgesetzten mehrfach gemobbt worden. Zwar nannte er vor Gericht einen Zeitraum und auch Namen von Kollegen und Vorgesetzten. Konkrete Schikanen fehlten jedoch in seiner Schilderung. Dies genügte dem LAG nicht.

Die Richter bezeichneten Mobbing als systematisches Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern durch Kollegen oder Vorgesetzte. Da der Begriff sehr unbestimmt sei, müsse er durch konkrete Vorfälle präzisiert werden.

Az.: 5 Sa 521/01

 



Erstmals Schadensersatzurteil wegen Mobbings
Erstmals hat in Deutschland ein Mobbingopfer vor Gericht Schadenersatz zugesprochen bekommen. Wie das Landesarbeitsgericht Rheinland Pfalz am 3. September 2001 bestätigte, wurde der Chef der Volksbank im pfälzischen Grünstadt zur Zahlung von 15.000 Mark verurteilt, weil er die persönliche Ehre und das berufliche Selbstverständnis eines Mitarbeiters massiv verletzt hatte.

Das Opfer, der frühre Leiter der Bank, sei nach einer Fusion von seinem neuen Vorgesetzten systematisch kalt gestellt worden. So sei der Mann mit schikanösen Anweisungen traktiert worden. Der neue Leiter des Kreditinstituts habe ihm die Sekretärin, den Schreibtisch und schließlich das Büro weggenommen. Das Mainzer Urteil gilt als Entscheidung mit Präzedenzcharakter.

Az.: 6 SA 415/2001

 



Gericht verstärkt Schutz vor Mobbing
Das Landesarbeitsgericht in Erfurt (LAG) verstärkte am 10.04.01 mit einem Grundsatzurteil den Schutz von Arbeitnehmern vor Mobbing. Das Gericht bewertete den "systematischen Psychoterror" als einen schweren Eingriff in das Persönlichkeitsrecht und in die Gesundheit des Arbeitnehmers. Der Vorsitzende Richter Peter Wickel sagte: "Bislang gab es keine vergleichbare Entscheidung, auch nicht des Bundesarbeitsgerichtes."

"Jeder Arbeitnehmer hat einen Unterlassungsanspruch gegen jegliches Mobbing", sagte Wickel weiter. Die 5. Kammer des LAG stellte 14 Leitsätze auf, nach denen Mobbing-Fälle künftig entschieden werden können. Entsprechend ist der Arbeitgeber verpflichtet, das Persönlichkeitsrecht seiner Beschäftigten zu schützen, auch vor Belästigungen durch Dritte.

Wickel erklärte, die oft bestehende Beweisnot der Opfer müsse ausgeglichen und der Grundsatz eines fairen Verfahrens auf Mobbingfälle angewandt werden. Das bedeute, das Opfer als Partei anzuhören und seine Glaubwürdigkeit zu prüfen. Derzeit kämen Mobbing - Opfer vor Arbeitsgerichten meist gar nicht erst nicht zu Wort, weil sie ihre Vorwürfe nicht beweisen könnten.

Ein 54 Jahre alter leitender Angestellter der Sparkasse Gera/Greiz hatte geklagt, weil ihn ein Vorstand mit Aufgaben weit unter seiner Vergütungsgruppe über Monate hatte aus der Anstellung drängen wollen. Das LAG bestätigte unter Androhung von 50.000 Mark Ordnungsgeld eine einstweilige Verfügung des Arbeitsgerichtes Gera. Diese hatte der Sparkasse eine Fortsetzung dieses Verhaltens verboten. Der 54-Jährige war an Depressionen erkrankt.

5 Sa 403/2000

 



Mobbing-Opfer haben keinen Anspruch auf Opferentschädigung
Mobbing-Opfer haben keinen Anspruch auf Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz. Das hat das Bundessozialgericht (BSG) am 14. Februar 2001 in Kassel entschieden. Mobbing könne in der Regel nicht als tätlicher Angriff im Sinne des Gesetzes verstanden werden, befanden die Bundesrichter. Nur wenn eine "Kette wirklich tätlicher und mit Strafe bedrohter Angriffe zu gesundheitlichen Schäden" geführt habe, hätten Mobbing-Opfer Anspruch auf Entschädigung, hieß es in der Entscheidung.

Damit wiesen die Kasseler Richter die Klage eines ehemaligen Abteilungskommandanten einer Freiwilligen Feuerwehr bei Freiburg ab. Der heute 42-Jährige hatte angegeben, seine Leistungen seien jahrelang von älteren Kollegen öffentlich kritisiert worden. Außerdem habe er anonyme Anrufe bekommen, in denen ihm Gewalt angedroht worden sei. Schließlich sei er bei einer Übung von einem Kameraden getreten worden. Mit der Begründung, dies habe zu schwersten psychischen Beeinträchtigungen geführt, hatte er 1992 einen Antrag auf Gewaltopferentschädigung gestellt.

Die Versorgungsverwaltung lehnte Zahlungen jedoch ab - zu Recht, wie jetzt auch das BSG befand. Zwar sei der Fußtritt ein tätlicher Angriff gewesen - er allein könne aber nicht die schwere psychische Erkrankung des Mannes ausgelöst haben. Und bei den verbalen Attacken habe es sich eben nicht um tätliche Angriffe gehandelt.

Az.: B 9 V 12/00 R

 



Mobbing als Grund zur außerordentlichen Kündigung
Das Thüringer Landesarbeitsgericht bestätigte in einem zweiten Urteil gegen einen Bereichsleiter seine Auffassung zum Psychoterror am Arbeitsplatz. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Bereichsleiter seine Mitarbeiter schikanierte und zum Suizidversuch eines Menschen beitrug. Dazu entwickelte das Gericht eine ausführliche Urteilsbegründung, der sie neue 10 Leitsätze zum Rechtsschutz gegen Mobbing und Psychoterror voranstellte. Die Klage des Bereichsleiters gegen das erstinstanzliche Urteil, das die außerordentliche Kündigung durch den Arbeitsgeber bestätigte, wurde zurückgewiesen. Er hatte auch die Kosten des Prozesses zu tragen.

5 Sa 102/2000

 



Arbeitsverweigerung nach Mobbing berechtigt
Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen in Hannover entschied: Ein Arbeitnehmer darf sich weigern, weiter zu arbeiten, wenn er im Betrieb "systematisch angefeindet" und durch Kollegen wie Vorgesetzten "schikaniert und diskriminiert" wird. Das Gehalt muss in diesem Fall jedoch weitergezahlt werden. Der Arbeitgeber habe die Pflicht, seine Mitarbeiter "auch vor Gesundheitsgefahren psychischer Art zu schützen". Notfalls müsse er die Störer entlassen.

16a Sa 1391/99

 

 

Arbeit und Gesundheit 04/05

 

Mobbing

Die Dinge beim Namen nennen

 

Missstimmungen, selbst Konflikte am Arbeitsplatz sind normal. Kritisch wird es, wenn Mitarbeiter systematisch schikaniert - gemobbt - werden. Verhindern lässt sich Mobbing häufig, wenn die Kollegen frühzeitig und offen miteinander reden.

Mobbing ist keine Ausnahmeerscheinung. Nahezu jeder Neunte wird im Laufe seines Berufslebens darunter zu leiden haben. Treffen kann es jeden – es gibt keine typischen Charaktereigenschaften, die einen Menschen zum bevorzugten Mobbing-Opfer machen. Männer sind ebenso betroffen wie Frauen, Führungskräfte ebenso wie Arbeiter. Im Sozial- und Gesundheitswesen geht man allerdings besonders rüde miteinander um.

Miteinander reden!

Mobbing nimmt zu, zugleich aber auch die unangebrachte Verwendung des Begriffs – inzwischen wird selbst der ganz normale Alltagszwist oft als Mobbing tituliert. „Die Leute haben subjektiv das Gefühl, gemobbt zu werden. Fragt man nach, wurden sie vielleicht ein paar Mal in der Teeküche nicht gegrüßt“, erläutert Lothar Drat, Berater und Geschäftsführer des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM). „Würde hier einfach mal Tacheles geredet und bei den angeblichen Mobbern deutlich nachgefragt, warum nicht gegrüßt wurde – die Situation wäre im Nu geklärt.“ Eine wichtige Ursache für die Entstehung eines Mobbingprozesses ist demnach eine fehlende Gesprächskultur im Betrieb. „Konflikte werden immer seltener in einem Dialog ausgetragen, das ist eine gesamtgesellschaftliche Tendenz“, beobachtet Drat. So gärt ein anfangs noch kleines Problem so lange, bis es sich vielleicht in „echten“ Mobbinghandlungen entlädt. Deshalb lautet seine Empfehlung: Rechtzeitig miteinander reden, die Dinge beim Namen nennen.

Stress und Angst sind der Nährboden

Während die Statistik der Arbeitsunfälle seit Jahren einen Abwärtstrend zeigt, geht die Zahl der stressbedingten Erkrankungen steil in die Höhe. Termin- und Zeitdruck, höhere Anforderungen an die Leistung, mehr Verantwortung, Personalabbau, Konkurrenzkämpfe und Neid – das geht an vielen Menschen nicht spurlos vorbei, sondern äußert sich in Stress, Erschöpfung, Überforderung. Hinzu kommt die Angst, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, das gute Ansehen, den Status oder gar den Arbeitsplatz zu verlieren. In einem solchen Klima, wenn jeder nur noch sein eigenes Terrain verteidigt, hat es Mobbing leicht.

Lothar Drat vergleicht Mobbing mit einem Verkehrsunfall: “Alle fahren im Nebel ein bisschen zu schnell. Entweder eine gute Seele von Führungskraft greift ein und nimmt das Tempo raus, oder es kracht zwangsläufig irgendwann.“ Oftmals wartet man auf diese gute Seele vergebens. Im Gegenteil: Bei rund der Hälfte der Mobbingprozesse sind Vorgesetzte beteiligt. Drats Erklärungsversuch: „Auch Vorgesetzte stehen unter Stress und Druck.“ Drat schätzt aus eigener Beobachtung, dass Führungskräfte rund 30 bis 50 Prozent ihrer Arbeitszeit nur damit verbringen, zu verhindern, dass an ihrem eigenen Stuhl gesägt wird. Wer so mit sich selbst beschäftigt ist, hat für die Nöte und Sorgen seiner Mitarbeiter keine Antenne.

Wenn miteinander reden nicht mehr hilft

Wer Opfer von schikanösen Kollegenangriffen wird, braucht Hilfe. Je eher man sich Hilfe holt, desto weniger Blessuren wird man davon tragen. Ansprechpartner sollten Vorgesetzte, Betriebsräte oder Betriebsärzte sein. Manche Firmen haben auch Konfliktmanager oder interne Mobbingbeauftragte.

Schwierig wird es, wenn die internen Anlaufstellen direkt oder indirekt zu den Beteiligten des Mobbingprozesses zählen. Dann, oder wenn der Mobbingprozess schon weit fortgeschritten ist, kann meistens nur noch eine externe Stelle durch Schlichtung oder Mediation den Konflikt entschärfen. Anlaufstelle für Betriebe können die Berufsgenossenschaften sein. Aber auch Mobbingberatungsstellen gibt es inzwischen in fast jeder größeren Stadt. Aber: „Es gibt eine Menge schwarze Schafe und selbst ernannte Mobbingexperten auf dem Markt“, warnt Drat. „Teilweise sind es früher selbst Betroffene. Diese Berater neigen dazu, für das Opfer Partei zu ergreifen. Wichtig für den Erfolg einer Schlichtung ist aber die unbedingte Unparteilichkeit des Schlichters.“

Empfohlene Beratungsstellen sind auf der Website des VPSM aufgelistet www.vpsm.de Auch die Berufsgenossenschaften bieten Unterstützung, zum Beispiel durch Betriebsberatungen und – als Mobbingprävention – durch Seminare für Führungskräfte und Betriebsräte.

Gezielt vorbeugen

Die Vorbeugung von Mobbing und Konflikten am Arbeitsplatz sollte für Unternehmen
schon deshalb ein wichtiges Anliegen sein, weil so eine Menge Geld gespart werden kann. Auf rund 13 Milliarden Euro schätzen Finanzexperten die jährlichen Verluste in Deutschland durch Produktionsausfall, Kosten für Fehlzeiten, Aushilfskräfte, Abfindungen und so weiter. Hinzu kommen die Leistungen der Kranken- und Rentenversicherungsträger – nochmals über 11 Milliarden Euro.

Wer Mobbing vorbeugen will, tut gut daran, im Betrieb solche Organisationsstrukturen zu beseitigen, die Konflikte begünstigen: Das sind zum Beispiel starre Hierarchien, unklare Entscheidungsprozesse bzw. Arbeitsabläufe und eine fehlende Gesprächskultur.

Betriebsvereinbarungen zu Mobbing und Konflikten am Arbeitsplatz hält VPSM-Chef Drat dann für eine sinnvolle Sache, wenn sie nach intensiver und ernsthafter Auseinandersetzung mit dem Thema erarbeitet wurden. „Oft ist es aber so, dass wir angerufen werden, ob wir mal eben eine Vorlage rüberfaxen könnten, man wolle das jetzt auch einführen“, übt der Mobbing-Experte Kritik. So könne das nicht funktionieren. Ähnlich sei es mit betriebseigenen Mobbingbeauftragten: Dienten diese nur dem Imagegewinn der Firma, sei ihr Sinn fragwürdig. „Die Firmenleitung muss schon dahinter stehen und sich intensiv mit dem Phänomen auseinandersetzen.“

Wo dies geschieht, wird optimalerweise zugleich ein Betriebsklima geschaffen, in dem Mobbing nicht gedeihen kann.

 

Weitere Infos:

Wenn aus Kollegen Feinde werden

Der Ratgeber zum Umgang mit Mobbing

Die Broschüre gibt es über die BAuA
Friedrich-Henkel-Weg 1-25
D-44149 Dortmund, www.baua.de

Betroffene, aber auch Betriebsräte oder Personaler können sich an Beratungsstellen wenden. Adressen unter

www.vpsm.de/beratung.html

Mobbing Seminare der BGAG: www.hvbg.de Webcode 1135524

Weitere Infos unter www.arbeit-und-gesundheit.de

 

Mobbing in Zahlen

11.3 Prozent aller Beschäftigten sind oder waren Mobbingopfer.

Der DGB schätzt den gesamten volkswirtschaftlichen Schaden durch Mobbing auf
15 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr.

Jeder sechste Suizid steht im Zusammenhang mit Mobbing.

In mehr als 50 Prozent der Fälle ging Mobbing von Führungskräften aus bzw. findet
unter ihrer Mitwirkung statt.












Hinweise für Beteiligte
Führungskräfte und Betriebsräte


DM-Euro 03/04

 

Angst im Job

 

Christiane Büchsel

Angst und Neid prägen das Arbeitsklima seit der Wirtschaftskrise.
Die Folge: Mehr als jeder Zweite verschleppt Entscheidungen im Job.
Was Chefs und Mitarbeiter jetzt ändern müssen.

... Im Geschäftsleben — besonders in Krisenzeiten — zählen Fakten und
Effizienz. Mitarbeiter werden derzeit eher als Kostenfaktor denn als Menschen wahrgenommen. Dass der Umgang in Unternehmen seit der Wirtschaftskrise
rauer geworden ist, belegt das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Instituts Empirica Delasasse exklusiv für Euro. 51,4 Prozent der Angestellten,
Chefs und Vorstände sagen, dass die Unternehmen seit der wirtschaftlich schwierigen Lage autoritärer geführt werden. Dass sich Chefs dabei immer öfter
im Ton vergreifen, zeigt eine weitere exklusive Umfrage für €uro, durchgeführt
vom SOKO­Meinungsforschungsinstitut MAFO: So gab fast jeder Zehnte der 30-
bis 39- Jährigen an, seit der Wirtschaftskrise immer häufiger unter dem Gebrüll seines Vorgesetzten zu leiden.

„Wir geraten zunehmend in eine Angstgesellschaft. Je höher die Position, desto mehr steigt auch der Faktor Angst", sagt Lothar Drat von der Beratungsstelle „Balance" des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing.
Der Wiesbadener zieht aus seinen Beratungsgesprächen den Schluss, dass Chefs inzwischen (Einschub: 30 – 70 und in Ausnahmefällen) bis zu 90 Prozent ihrer Arbeitszeit auf Machtspiele und Sicherung ihrer Position aufwenden. Je unsicherer die Lage, umso härter ringen Vorgesetzte um Autorität.

Viele Chefs stehen mit dem Rücken an der Wand, sodass sie manchmal das richtige Maß verlieren, erklärt Stefan Blankertz von der Untemehmensberatung Pro Change. „Doch das ist oft ein Hilfeschrei. Die Chefs wissen selber nicht weiter, weiß der Pulheimer aus zahlreichen Konfliktgesprächen. Mitarbeiter verstehen dies hingegen oft als: "Der will mich runtermachen." Und so geben Chefs unter der Diktatur von Controllern den Druck von Geschäftsführung und Kapitalmarkt nach unten durch. Gleichzeitig steigt bei vielen Führungskräften die Furcht, eine unternehmerische Fehlentscheidung zu treffen, Geld in den Sand zu setzen oder die falschen Leute ins Team zu holen. Nicht zu entscheiden ist besser als eine falsche Entscheidung. Mehr als jeder Zweite (54,1 Prozent) wägt jetzt genauer ab, welches Risiko er noch eingehen sollte. Wer eine Idee hat, wird heute als Erstes gefragt, was es kostet, und nicht, was es für das Unternehmen bringen könnte. Besonders davon betroffene sind Großkonzerne, weiß Thomas Barth, Geschäftsleiter Freudenberg Forschungsdienste, aus Gesprächen mit Kollegen; schneller entschieden werde hingegen in familiengeführten Firmen. „Bei Entwicklungsprojekten sind genaue Kosten nur rudimentär abschätzbar. Und jeder sollte wissen, dass ein Großteil der Projekte in den Sand gesetzt wird", sagte Barth. Allerdings: „Die Schere setzt bereits im Kopf der Entwickler an. Es werden nur noch die Kosten, aber nicht mehr die Ziele eingehalten — und viele sind nicht mehr bereit, überhaupt riskante Projekte anzupacken." Ein fataler Fehler. So werden viele innovative Ansätze bereits im Keim erstickt. Kein Raum für Kreativität und strategische Planung.

Ein weiteres Indiz: 48,7 Prozent — und damit fast jeder zweite Mitarbeiter und Chef —fürchten so sehr um ihren Job, dass Engagement und die Bereitschaft, Risiken einzugehen und etwas Neues anzupacken, abnehmen. „Wenn ich etwas mache und es dann schief geht, bin ich der Erste, der gehen darf", beschreibt Professor Winfried Panse von der Fachhochschule Köln die Stimmung auf den Bürofluren. „Angst ist ein schlechter Ratgeber, auch in Krisenzeiten", so der Wirtschaftssoziologe.

Das Dilemma der Personaler Eingeschüchterte Mitarbeiter leisten Dienst nach Vorschrift—bestenfalls. „Der Weg zur inneren Kündigung ist dann nicht mehr weit", warnt Panse. Und damit steuern die Firmen in die Katastrophe: Denn demotivierte Mitarbeiter verweigern den Unternehmern ihre volle Leistung. Nur zwölf Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland weisen eine hohe emotionale Bindung an ihren Job auf, belegt eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Gallup. Tendenz sinkend. Zum Vergleich: 2001 waren es noch 16 Prozent. Ein geringeres Engagement im Job verspüren derzeit nur Japaner mit neun, Franzosen mit sechs und Singapurer mit vier Prozent.

Eine Langzeitstudie von Panse und Wolfgang Stegmann fasst destruktive Phänomene wie innere Kündigung, Intrigen, Machtkämpfe und Mobbing in Zahlen: So entsteht der deutschen Wirtschaft durch berufliche Ängste jährlich ein Schaden von rund 100 Milliarden Euro.

43 Prozent der Mitarbeiter, die von ihrem Chef schlecht behandelt werden, gehen mit ihren Kunden unhöflich um, und in 72 Prozent der Fälle lästern solche Mitarbeiter gegenüber Dritten über ihren Arbeitgeber, zeigt eine Studie der University of South Florida auf. Neben einem Produktivitätsverlust droht auch noch der Imageverlust.

Einen Zusammenhang mit der Demotivation im Job sieht Konfliktberater Drat auch in der steigenden Arbeitsbelastung: „Wo früher zehn Mitarbeiter waren, sind es heute noch acht" Diese Arbeitsverdichtung geht zu Lasten der Kommunikation,
was wiederum ein Faktor ist, der Stress und damit die Depression in den Betrieben erhöht. Zusätzlich übernehmen viele Vorgesetzte immer mehr Sachaufgaben, um ihre Mitarbeiter zu entlasten. Die Folge: Die Führungsriege hat noch weniger Zeit für Kommunikation, was viel Raum für Flurfunk lässt. Mit gezielten Gerüchten ist dann der Weg zum Mobbing nicht mehr weit. Stellt dies der Chef nicht innerhalb kurzer Zeit richtig, wachsen Zweifel und Verunsicherung der Mitarbeiter. Das Problem belegt deutlich die €uro-Umfrage.

Für fast jeden dritten Arbeitnehmer haben seit der wirtschaftlich schwierigen Lage Konkurrenzdruck und Neid zugenommen. Faktoren, die für jeden zweiten Arbeitnehmer das Arbeitsklima und damit das Wohlbefinden im Job beeinflussen. Bei den Älteren über 60 spüren sogar 43,5 Prozent mehr Konkurrenz und Neid. Die hohe Zahl lässt sich damit erklären, dass junge Angestellte, die oft einen Hauptteil der Arbeit schultern, in dieser Form ihren Unmut äußern: „Viele Ältere will man weghaben, sie genießen aber einen hohen Kündigungsschutz", erklärt Panse....

...Das Kernproblem der blockierten Leistungs- und Risikobereitschaft breiter Mitarbeiterschichten muss wieder durch Vertrauen ins Management und dessen Glaubwürdigkeit gelöst werden. Dafür sollten viele Vorgesetzte zunächst die eigene Unsicherheit überwinden, rät Angstforscher Panse. „Entscheiden Sie sich bewusst für einen Weg und gehen Sie diesen konsequent."

Er warnt Chefs – auch aus Selbstschutz – vor einer anonymisierten Führung. Sie sollten sich nicht hinter dem bösen Vorstand oder Geschäftsführer verstecken:
„Bei der nächsten Entlassungsrunde sind Sie dran, weil sich alle fragen, wofür sie jemanden brauchen, wenn er nichts entscheidet."

Mitarbeiter bräuchten Halt und Geborgenheit in der chaotischen Unternehmenswelt, einen „teamorientierten Patriarchen", wie er oft noch bei Mittelständlern zu finden ist, straff führend, aber schützend. „Mitarbeiter müssen spüren, dass die Chefs hinter ihnen stehen und sich Zeit für sie nehmen", rät Panse ... Dann können Mitarbeiter etwas wagen und auch zunächst scheinbar blödsinnige, aber innovative Ideen vorbringen.

Auch Berater Drat ist für ein Teamspiel mit verlässlichen Regeln. „Wie kann eine Mannschaft gewinnen, wenn der Coach nicht die Spielpositionen festlegt?", gibt
er zu Bedenken. Er plädiert für eine geradlinige Kommunikation: „Eine bittere Wahrheit ist besser als lauter Halbwahrheiten." Immerhin spielt sich nur etwa
15 Prozent der Kommunikation im Geschäftsleben auf der Sachebene ab,
aber rund 75 Prozent auf der Beziehungsebene...

Wie sich die wirtschaftliche Lage auswirkt (Quelle: SOKO-Institut MAFO exklusiv für €uro)

Furcht um den Job

Angaben nach Alter in Prozent (14-19 Jahre = 0 Prozent)

20-29 Jahre 20,8
30-39 Jahre 24,6
40-49 Jahre 27,2
50-59 Jahre 20,8
60+ Jahre 26,0

Konkurrenzdruck und Neid nehmen zu Angaben nach Alter in Prozent
(14-19 Jahre = 0 Prozent)

Frauen 26,5
Männer 34,6
20-29 Jahre 33,0
30-39 Jahre 32,8
40-49 Jahre 30,2
50-59 Jahre 27,1
60+ Jahre 43,5

Kostenfaktor Angst

Angstzustände sind ein Tabu, vor allem im Wirtschaftsleben. Obwohl die Kosten enorm sind. Winfried Panse, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der FH Köln, hat errechnet: Durch den Beruf verursachte Ängste und ihre Auswirkungen kosten die deutsche Wirtschaft jährlich über 100 Milliarden Euro.

„Sich ab und zu vor einer Entscheidung zu fürchten ist völlig normal", sagt Panse. Jeder Manager kennt die Zweifel vor wichtigen Entscheidungen. Furcht kann die Menschen kurzzeitig zu Höchstleistungen anspornen. Hält der Angstzustand aber an, kann der Mitarbeiter handlungsunfähig werden.

Viele Menschen versuchen, Ängste mit Tabletten oder Alkohol zu kontrollieren, auch Mobbing oder innere Kündigung sind häufig. Besser ist es, mit einem Coach Gegenstrategien zu entwickeln und das Vertrauen wieder aufzubauen.


Teure Job-Ängste

Mit 100 Milliarden Euro schlagen die Auswirkungen beruflicher Ängste zu buche. Tendenz steigend. In MMilliarden Euro

Innere Kündigung 2003: 93 / 1999: 34
Alkohol 2003: 24 / 1999: 24
Fluktuation 2003: 18 / 1999: 20
Mobbing 2003: 15 / 1999: 15
Psycho-Pharmaka 2003: 10 / 1999: 10

 

Management & Training 03/04

 

Mobbing

Kostenloser Rat

 

Kostenlos kann der Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e. V. seinen Beratungsdienst „Balance" — aufgrund der Streichung von Fördergeldern — nur noch donnerstags von 13 bis 15 Uhr anbieten. 38 Euro pro Stunde kostet die Beratung von Psychologen, Pädagogen und Juristen hingegen montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr.

Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e. V. (VPSM), Wiesbaden, Telefon: 0611/5329861 oder 0611/9570381, www.vpsm.de.

 

Mobbing in der Politik

Hannoversche Allgemeine Zeitung 11/00

 

Mobben bis zum Rücktritt

 

Heute kann man öffentlich alles sagen, ohne dafür einstehen zu müssen - Geschwätz und dummes Gerede kommen dabei raus, hat Heinz Eggert einmal gesagt. „Dummes Gerede“ hat den sächsischen Innenminister vor Jahren sein Amt gekostet. Sexuelle Belästigung von Mitarbeitern wurde ihm nachgesagt. Eggert, zu Zeiten der DDR ein streitbarer Pfarrer, hat die Vorwürfe immer zurückgewiesen. Vergeblich. Ist Heinz Eggert, der selbstbewußte Machtpolitiker, ein Mobbingopfer?

„Gerade starke Persönlichkeiten sind häufig von Mobbing betroffen“, meint Lothar Drat vom „Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing „ in Wiesbaden. Neid und Mißgunst seien …(eines der) ... das Hauptmotiv (e);- Jene, die Karriere machten beliebte Opfer.

Die Politik kennt schnelle Karrieren, und sie kennt den schnellen Sturz, dem häufig ein Gemisch aus Gerüchten und persönlichen Vorwürfen vorausgehen. Kampf um Macht bedeutet auch Kampf um Ämter. Gunda Röstel, Vorstandssprecherin der Grünen, trat in diesem Jahr freiwillig den Rückzug an, nachdem bereits über Wochen öffentlich in der eigenen Partei über eine Neubesetzung der Spitze spekuliert worden war. Rudolf Scharping wurde 1995 handstreichartig als SPD-Vorsitzender abgewählt - nach monatelangen Sticheleien und einer „Spontankandidatur“ des Parteifreunds Oskar Lafontaine.

Ruprecht Polenz, CDU-Generalsekretär, gab nach nur 6 Monaten auf, nachdem in der Union immer offener über seine vermeintlichen Schwächen - zu fair, zu leise - debattiert worden war. Mobbingopfer in Serie? Nicht jeder Rücktritt ist Ergebnis unberechtigter Kritik. Aber im Arsenal der politischen Auseinandersetzung haben öffentliche Kränkungen und rücksichtslose Diffamierung zugenommen. Seitdem die Differenzen zwischen den Parteien verschwimmen und die Inhalte von Politik immer komplizierter werden, verstärkt sich der Trend, durch persönliche Herabsetzung des politischen Gegners beim Wähler zu punkten.

Allerdings - die Vätergeneration hat es nicht immer besser gemacht.

Kürzlich erinnerte sich Günter Gaus an seinen Abschied aus dem Amt als ständiger Vertreter der Bundespolitik in der DDR. “Unanständig und säuisch habe ihm der ehemalige Kanzler Helmut Schmidt den Laufpass gegeben. Nach einem Gespräch im Kanzleramt bekam er einen Brief mit auf den Weg. Darin wurde ihm der Termin seiner Ablösung mitgeteilt - ohne ein persönliches Wort. Und noch heute wird die Geschichte eines Ministers kolportiert, der von Zeiten von Kanzler Konrad Adenauer lernen mußte, dass die Politik grausam sein kann: Von seinem Pförtner bekam er mitgeteilt, er sei gerade entlassen worden.

„Am Ende geht es doch immer um die Macht“

Mobbing, so betonen viele, ist ein neuer Name für ein altes Übel. Auch Heinrich Manns Professor Unrat, der mit Klatsch, Tratsch und Häme aus seinem Job geekelt wird, hätte Anspruch auf einen Platz in einer der Opfer-Karteien der vielen Mobbing-Beratungsstellen, wenn er denn heute und nicht bereits vor 84 Jahren die literarische Bühne betreten hätte. Doch auch ernst zu nehmende und nicht nur skandalsüchtige Fahnder im Bereich „Psychoterror“ sprechen von einer Zunahme der „Heckenschützen“ am Arbeitsplatz.

Umstrukturierungen und Personalabbau haben das Klima rauer werden lassen. Der Kampf um den eigenen Job und das berufliche Fortkommen ist härter geworden. Die hohe Arbeitslosigkeit dämpft die Bereitschaft, bei innerbetrieblichen Problemen sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen. Konflikte, die früher durch Jobwechsel gelöst wurden, eskalieren. Die „Opfer“ wehren sich und reden darüber - auch dies war früher keine Selbstverständlichkeit.

Als „Mobbing anfällige“ Branchen gelten vor allem das Gesundheits- und Sozialwesen und der öffentliche Dienst. Über „entwürdigende Formen des Umgangs“ mit jungen Ärzten klagte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, bereits im vergangenen Jahr unter dem Titel „Mobbing statt Weiterbildung“ in einem Ärztefachblatt. Der wirtschaftliche Druck in den Kliniken, knappe Stellenpläne und ein Überangebot an Ärzten führten zunehmend zu Konkurrenzdenken und Angst vor Arbeitsplatzverlust.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mobbing im Bereich Banken

 

 

FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung 11/00

 

„Da fühlst du dich wie ein dummer Junge“

Ein Banker traut sich, über Mobbing zu reden / Fusionen und Umstrukturierungen schüren Ängste

 

FRANKFURT. In einer Klarsichtfolie stecken ein paar in tiefblaue beschriebene Din-A4-Blätter. Herr Klausen, der seinen richtigen Namen nicht nennen möchte, wirft einen kurzen Blick auf die sauber untereinander geordneten Notizen. Jemand, der scharf nachdenkt, bevor er spricht, so der erste Eindruck. Dann beginnt er zu erzählen, wie er am Arbeitsplatz einer großen Bank im Rhein-Mein-Gebiet systematisch gemobbt wird. „Ich fühle mich nicht als Einzelfall“, macht der etwa fünfzig Jahre alte Mann deutlich, der als einer der wenigen Mobbing-Opfer aus der Finanzbranche bereit ist zu reden.

Bis vor kurzem hat Klausen, dessen Stimme ruhig und selbstbewußt klingt, noch Personalverantwortung gehabt. Er hat Mitarbeiter eingestellt, wichtige Entscheidungen sind über seinen Schreibtisch gegangen. Einige von denen, die er vorher gefördert habe, lachten ihm jetzt ins Gesicht, seitdem er auf einen Spezialistenposten ohne Sekretärin und Team versetzt worden sei, berichtet der Banker. Ob die Respektlosigkeit an Gerüchten über ihn liege oder nur an mangelndem Rückgrat der Beteiligten, wisse er nicht.

Vor einiger Zeit habe seine Bank Umstrukturierungsschritte eingeleitet: „ Ganz langsam und subtil wurde der Druck auf mich erhöht.“ Anfangs seien beispielsweise seine E-Mails erst nach mehrfachen Mahnungen beantwortet worden. Oder der Verteiler habe ihn bei wichtigen Hausmitteilungen „vergessen“. Immer öfter sei er zum Vorgesetzten zitiert und mit Anschuldigungen konfrontiert worden, und zwar stets im Stil „Man sagt...“ Als Grund für die Versetzung habe es lapidar geheißen: Es habe Beschwerden gegeben. „Als ich wissen wollte, wem da etwas an mir nicht gepaßt hat, hat der Chef nur geantwortet: „Das will ich wegen des betriebsinternen Friedens nicht sagen:“

Klausen glaubt zu wissen, was hinter den Manipulationen steckt. Wenn er freiwillig kündige, spare sich die Bank eine - aufgrund seiner langen Betriebszugehörigkeit - beachtliche Abfindung. Der Bank-Mitarbeiter schwankt bei der Beurteilung seiner Situation zwischen rationaler Analyse und Galgenhumor. Mal spricht er von Schachfiguren, die im ungleichen Machtkampf positioniert würden, mal ist seine Stimme voll beißender Ironie, wenn er das Credo seiner Bank wiedergibt: „Bei uns gibt es kein Mobbbing !“.

In ähnlicher Weise gibt es auch bei der Dresdner Bank … Die Deutsche Bank dagegen hat Pressesprecherin Daniela Elvers zufolge in Frankfurt keine speziell ausgebildete Kraft in ihren Reihen. …

Als Klausen bemerkte, dass zielgerichtet gegen ihn intrigiert wird, suchte er beim Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V. in Wiesbaden Gesprächspartner mit ähnlichen Erfahrungen. Nach den Worten von Lothar Drat, Geschäftsführer des Vereins, kommt es im Umfeld strenger hierarchischer Strukturen, wie sie oft in Banken anzutreffen sind, besonders häufig zum täglichen Kleinkrieg am Arbeitsplatz. Stehe dann noch eine Fusion an oder würden gewohnte Strukturen etwa in einer unternehmerischen Neuorientierung geändert, so beginne die Angst um den Job viele Köpfe zu beherrschen.

„Die Einsätze sind hoch in diesem Spiel“, kommentiert Klausen trocken, dass er Finanzmanager gesehen hat, denen Tränen in den Augen gestanden hätten, als sie den Dienstwagen oder die Senator-Card der Lufthansa abgeben mußten. Prestige- und Machtverlust verletze die Angestelllten der Geldinstitute weitaus mehr als finanzielle Einbußen. Der Banker, der sich selbst als pflichtbewußt, engagiert und kritisch charakterisiert, weiß um den harten Konkurrenzkampf in seinem Metier. “Da erreichen mich Mails, bei denen man am Datum erkennt, dass sie am Sonntag im Büro geschrieben wurden.“ Besonders viele junge Mitarbeiter seien vollkommen auf die Arbeit fokussiert und versuchten sich - vollkommen angepasst -verbissen nach oben zu boxen.

„Wenn einer gemobbt wird, schauen fast alle weg; aus Angst, sonst selber Opfer zu werden.“, stellt der Mann in den Fünfzigern bitter fest, der seine eigene Angst, die Arbeit zu verlieren, nicht gänzlich verbergen kann. Würde er seinen Namen nennen, müßte er wohl selbst bald die Beratungsstungsstunden bei Drat, der auch Sozialpädagoge ist, in Anspruch nehmen, gesteht er. Die Schikanen könne er nur dank seiner Frau und einer Menge Sport durchstehen. Grund für Ärger und Frustration gäbe es schließlich genug: “Da fühlst du dich wie ein dummer Junge, wenn du eine Geschäftsreise machen musst und dann ist das Ticket nicht besorgt worden.“

Laut Drat wird jeder vierte im Laufe von 35 Jahren Berufsleben Opfer von Mobbing. Hierunter verstehe die Wissenschaft die zielgerichtete Ausgrenzung eines Mitarbeiters über einen längeren Zeitraum. Die Folgen des Psychoterrors können zu psychosomatischen Beschwerden, schweren Veränderungen der Persönlichkeit bis zu Suizid führen. Auch Klausen kennt nach eigenen Angaben einige Banker, die massiv gemobbt wurden. Viele seien davon erkrankt und könnten nicht länger arbeiten. Ihn persönlich beunruhige am meisten, dass das Vorgehen so systematisch sei, als ob dahinter ein bis ins letzte durchdachtes Konzept stecke. und dabei wirkt der Banker nicht wie einer, der zu Verschwörungstheorien neigt. Es stimme aber schon nachdenklich, wenn immer wieder in ähnlicher Weise auf Mitarbeiter Druck ausgeübt werde. Der Experte für Mobbing-Opfer, Drat, kann dies weder beweisen noch widerlegen. Schon vor Jahren , weiß er, hätten aber schon Betriebswirtschaftstudenten Diplomarbeiten mit Titeln geschrieben wie: „Wie mobbe ich planvoll und effektiv“.

Klausen rafft seine Notizen zusammen, packt sie in eine braune Ledertasche. „Morgen ist wieder ein Meeting angesetzt. Da könnte es weitergehen“, sagt er nüchtern, als würde er darüber reden, dass das Wetter wieder schlechter werden soll.

Mathias Frohnapfel





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mobbing im Raum Kirche





Evangelische KircEvangehenzeitung 07/98

 

Psychoterror am kirchlichen Arbeitsplatz

 

(von Renate Haller)

Die Grenzen sind fließend: Aus ungelösten Konflikten kann Mobbing entstehen.

Psychoterror am Arbeitsplatz, seit einigen Jahren unter dem Begriff Mobbing bekannt,
gibt es auch in der Kirche. Mangelnde Konfliktfähigkeit und schlechte
Kommunikation werden als Gründe genannt.

Elisabeth Meier leitet einen Kindergarten (Namen von der Redaktion geändert). Sie liebt ihren Beruf, ist bei Kolleginnen und Eltern anerkannt. Wenn es einmal Schwierigkeiten gibt, sind sie in aller Regel zu klären. Bis Elisabeth Meier den Versuch unternimmt, die christlichen Bezüge in dem evangelischen Kindergarten durch Gebete mit den Kindern und Gottesdienstbesuche zu intensivieren. Ein Teil der Erzieherinnen und einige Eltern können damit wenig anfangen und wollen sie bremsen. In Briefen an den Kirchenvorstand, an Eltern und sogar an die örtliche Kommunalverwaltung fangen sie an, Elisabeth Maier schlecht zu machen. Sie ziehen ihre Qualifikation in Zweifel. Gerüchte über psychische Probleme der Leiterin machen die Runde. Der Konflikt eskaliert, Frau Meier wird tatsächlich krank und eines schönen Tages, als sie dem Druck nicht mehr standhalten kann, unterschreibt sie den ihr vorgelegten Aufhebungsvertrag. ...

Ein Streit der zu Anfeindungen führt muss demnach kein Mobbing, kann aber die Grundlage dafür sein. Meist entsteht Mobbing auf der Basis ungelöster Konflikte. Und wie ihr Beispiel zeigt, macht der gezielte Psychoterror am Arbeitsplatz auch vor Kirchentüren nicht halt. ... Da wird ein Sachbearbeiter plötzlich von niemandem mehr gegrüßt, ein Chef teilt seiner Sekretärin nicht mehr mit, wo er zu finden ist, ein neues Passwort verhindert den Zugang zum Computer, Gerüchte zerstören das Ansehen eines Menschen.

Eine eindeutige Kategorie wer von seiner Persönlichkeit her besonders gefährdet ist, gemobbt zu werden, gibt es nicht: nach der Erfahrung des Geschäftsführers des „Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing" (VPSM) in Wiesbaden, Lothar Drat, eskalieren Mobbing-Prozesse allerdings häufig bei relativ starken Persönlichkeiten, die es nicht gewöhnt sind vor Angriffen zurückzuweichen. Wer aus einer Gruppe heraustritt, sei es im positiven Zusammenhang etwa mit konstruktiven Verbesserungsvorschlägen für einen Arbeitsablauf, oder im negativen durch nichtalltägliches Verhalten, läuft schnell Gefahr, sich den Arger der Kollegen oder direkten Vorgesetzten zuzuziehen.

Zu finden ist Mobbing überall, besonders oft aber im öffentlichen Dienst und im sozialen Bereich. Je weniger messbar eine Leistung sei, desto gefährdeter sein ein Berufsfeld, sagt Lothar Drat. Zugrunde liege dem Mobbing häufig ein ungelöster Konflikt.

Der Geschäftsleiter des Verbands kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, K. Dieter Müller, sieht einen Grund dafür, dass auch in kirchlichen Einrichtungen Konflikte nicht sachlich und kollegial ausgetragen werden, in schlechter Kommunikation. In kirchlichen Einrichtungen mangele es an der Bereitschaft zum Zuhören. Vor zehn Jahren habe es in der Kirche weniger Mobbing gegeben, das Klima sei insgesamt besser gewesen, urteilt Müller, der auch den Fall von Elisabeth Meier geschildert hat.

Die Ursachen für diesen Wandel sieht er zum einen in den leeren Kassen, die auch kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze fürchten lassen, und zum anderen in einem allgemeinen Wertezerfallvon dem auch die Kirche nicht verschont bleibe. „Die Ellenbogengesellschaft ist auf dem Vormarsch", sagt Müller. Diese Erfahrung machen auch die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung (MAV) der Kirchenverwaltung in Darmstadt, Angela Becker, und ihr Stellvertreter, Helmut Fladda. Dass Probleme über Jahre hinweg bestehen könnten, liegt nach Ansicht der Mitarbeitervertreter an mangelnder Führungsqualität von Vorgesetzten. Es fehle vor allem die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen, sagen Becker und Fladda.

Das Risiko in 35 Berufsjahren einmal gemobbt zu werden liege bei eins zu vier, sagt Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing. Etwa zehn Prozent der Betroffenen erkrankten ernsthaft, jeder sechste Selbstmord in Deutschland habe seine Ursachen in Mobbing am Arbeitsplatz.

Mobbing ist nicht nur folgenschwer für die Gesundheit der Betroffenen, es ist auch teuer für die Arbeitgeber. Genaue Zahlen für Deutschland gibt es nicht. Auf Milliardenhöhe werden allerdings die Kosten geschätzt, durch sinkende Arbeitsleistung, durch psychischen Druck, häufiges Kranksein. Sabotage, Abfindungsgelder, Rehabilitationsmaßnahmen oder auch Schadensersatz entstehen. Letzteres kommt vor, wenn auch selten. ...



Mobbingopfer auch unter Pfarrern

(rh)

Auch Pfarrer werden gemobbt. Martin Zentgraf, Vorsitzender des Pfarrerinnen- und Pfarrervereins, kennt Gemeinden in denen der Kirchenvorstand dem Pfarrer oder der Pfarrerin den Zugang zum Kassenbuch verweigert, Schriftwechsel untersagt oder versucht dem Seelsorger die Informationsdrähte zu kappen. Pfarrer seien mitunter einem Kirchenvorstand regelrecht ausgeliefert.

Die Stimmung in den Gemeinden sei schlechter geworden, sagt Zentgraf. Einige Kirchenvorstände hätten sich aus dem Bewusstsein heraus, dass es derzeit ein Überangebot an Pfarrern gebe, einen recht rüden Umgangston angewöhnt.

Mit einem „Hilfsverein für evangelische Pfarrer' hat in Moers Pfarrer Roland Reuter reagiert.. Mit dem Verein wolle man aus dem Amt gedrängten Seelsorgern helfen. „Gemobbten glaubt man nicht", urteilt Reuter. In den vergangenen Monaten hätten sich rund 100 Hilfesuchende gemeldet. Für ihn liegt das Problem im Pfarrdienstgesetz, dass es beispielsweise in der Evangelischen Kirche im Rheinland möglich mache, dass ein Pfarrer ohne Lehrbeanstandung oder Disziplinarverfahren aus dem Amt entfernt werde, wenn „gedeihliches Wirken" nicht mehr möglich sei.

Auch in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gibt es den Ungedeihlichkeits- Paragraphen. In diesem Fall werde nicht nach den Gründen für einen Konflikt gefragt, sondern der Pfarrer oder die Pfarrerin aus dem Amt abberufen, erklärt Pfarrer
Christopher Kloß, Vorsitzender des Pfarrerinnen- und Pfarrerausschusses.

Für Kloß hat diese Situation etwas „absurdes". Wenn man sich schon am Scheidungsrecht orientiere, sollten wenigstens alle Beteiligten danach behandelt werden. So aber werde einer abgestraft während der andere „fest im Sattel sitze". Es könne doch schließlich nicht angehen, dass immer die Pfarrer aus dem Amt entfernt würden, wenn beispielsweise eine Gemeinde in 16 Jahren acht Pfarrer verschlissen habe, sagt Kloß




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Psychologie Heute 08/97

 

Mobbing in den Kirchen:

 

von Karl Ruhner (Einfügungen / Weglassungen / L.Drat)

Anpassung, Einschüchterung, Kontrolle

Mobbing findet auch in Institutionen statt, in denen man es am wenigsten erwarten würde:

In den beiden großen Kirchen. Anders als in weltlichen Organisationen, hat das Kirchen-Mobbing ganz spezifische Strukturen. ... Die brennenden Themen von Gesellschaft und Kultur theologisch zu durchdringen, ist in den Gemeinden wenig gefragt. So schmort Johannes B. im eigenen Saft und verbringt den Hauptteil seiner Arbeit mit Herausputzen einer schönen Fassade mittels Programmheften. Johannes B. ist Opfer einer speziellen Mobbing-Form, die nirgends so wirkungsvoll und eigendynamisch ist wie in den beiden großen Kirchen, insbesondere der katholischen Kirche:
das anonyme Mobbing.

Anonymes Mobbing kennt im Unterschied zu gängigen Mobbing kein Subjekt. Es lässt sich niemand dingfest machen, der einen anderen mobbt. Es gibt keine Person, auch keine Führungskraft, die den Psychokrieg entfesselt. Die Methoden des anonymen Mobbings: Qualifizierte Mitarbeiter erhalten in regelmäßigen Abständen Nüsse zum Knacken und zur vermeintlich qualifizierten Beschäftigung. Papieren, Konzepte, Rahmenrichtlinie, Pläne und Materialien müssen ausgearbeitet werden. Beliebt sind auch regelmäßig wiederkehrende Pflichtkonferenzen und Arbeitskreise, die nur den einen Sinn haben, die These der Managementliteratur zu belegen, dass das Besprechungswesen meist nur heiße Luft und sonst nichts produziert. Ihre Funktion: Die Mitarbeiter sind vollauf beschäftigt, an ihren Ergebnissen ist das Kirchensystem nicht wirklich interessiert. Zermürbung, Desillusionierung, Anpassung der kritischen Mitarbeiter. Der System- und Machterhalt integriert die kritischen und loyal-distanzierten Menschen wie die Fürstenhöfe ihre Narren.

Roswitha S. ist Erzieherin im katholischen Kindergarten eines niederbayerischen Dorfes. Als sie schwanger wird, will sie das Kind behalten, obwohl der Vater des Kindes sich aus dem Staub gemacht hat Nach ihrem Schwangerschaftsurlaub kehrt sie an ihren Arbeitsplatz zurück und muss feststellen, dass sie nicht mehr erwünscht ist. Der Gemeindepfarrer, die Kindergartenleiterin, der Vertreter des Caritasverbandes geben ihr zu verstehen, eine ledige Mutter sei mit den kirchlichen Moralvorstellungen nicht zu vereinbaren. Entweder sie legalisiere das Kind durch Heirat oder sie solle sich einen anderen Arbeitsplatz suchen:

Moralisches Mobbing gibt es in ausgeprägter Form nur in Kirchen. Anders als beim Anonymen Mobbing lassen sich bei dieser Form des Mobbings meist auslösende Akteure ausmachen. Ist der Ball einmal ins Rollen gekommen, funktioniert das System jedoch wie von selbst. Die inquisitorischen, auf Sozialkontrolle und Entfernung von „Sündenböcken" geeichten Traditionen der Kirchen erreichen auch in ihrer modernisierten Fassung außerordentliche Effektivität. So mancher Mitarbeiter wird durch das Moral-Mobbing zur Verstellung verleitet Eine undurchdringliche Moralwand steht um die schätzungsweise 30 bis 40 Prozent homophilen und homosexuellen Pfarrer und Pastoren, um die 30 Prozent alkoholkranken Geistlichen, um die 30 Prozent eß-, arbeits- oder sexsüchtigen Priester (wobei mehrere Merkmale auch auf ein und dieselbe Person zutreffen können). Nur was rauskommt, wird geahndet, wenn es nicht vertuscht werden kann. Die Methode des Moral-Mobbing: Zensierung der persönlichen Lebensform und Moral unter vier Augen bis zur skandalisierten Veröffentlichung angeblichen moralischen Versagens. Die Funktion: Die eigene, scheinbare moralische Überlegenheit soll gesichert werden, Zweifel und Emanzipationsversuche sollen abgewehrt werden der Schein der Anständigkeit soll gewahrt werden damit keine „Verfehlungen" der Kirche bekannt werden. Letztendlich geht es also um Angstabwehr und um Verleugnung des Versagens. Die Wirkung: Anpassung und Einschüchterung von Mitarbeitern. Wer nicht spurt und nicht den kirchlichen Vorgaben folgt, verliert.

Susanne D. hatte nach 20 Jahren kirchlicher Mitarbeit erstmals um eine Gehaltserhöhung gebeten. Der leitende Pfarrer bekundete Verständnis für ihren Antrag, meinte aber, dass Angesichts des Einbruchs der Kirchenfinanzen ihr Antrag zum falschen Zeitpunkt käme. Susanne D. machte den Vorgesetzten auf ihre gestiegene Qualifikation aufmerksam und bestand auf einer Höhergruppierung. Da wechselte der Pfarrer den Ton. Er erinnert die Mitarbeiterin an ein Gespräch, das mehr als 12 Jahre zurückliegt. Habe sie damals nicht tiefe Zweifel an Gott geäußert? Sagte sie nicht, dass sie Mühe habe, regelmäßig an der Gemeindefeier teilzunehmen? Statt um Gehaltserhöhung zu bitten, solle sie froh sein, dass dieses Gespräch nicht höheren Orts zum Thema gemacht würde.

Susanne D's Vorgesetzter praktiziert Pastoral-Mobbing.

Diese Form der Schikane sorgt für nachhaltige Abhängigkeit der im kirchlichen Dienst Beschäftigten. Was in vertraulichen Gesprächen geäußert wurde, ist im Konfliktfall nicht vergessen. Die Methode des Pastoral-Mobbing: Der Vorgesetzte nutzt die Beziehungsebene zum Untergebenen aus. Durch Verhalten, Stimmlage, Kopfhaltung signalisiert er persönliches Verständnis spielt die Rolle des Seelsorgers (lat. Pastor). Auf diese Weise setzt er die Wünsche und Forderungen des Vorgesetzten geschickt durch. Die Funktion: Anpassung an patriarchale Überlegenheit. Die Wirkung: Der Konflikt wird schon im Vorfeld entschärft und aus der Kirche herausgehalten.

Die drei typischen kirchlichen Formen des Mobbing das anonyme Mobbing, das Moral-Mobbing und das Pastoral-Mobbing – sind natürlich auch in anderen Institutionen zu beobachten. Aber nirgends sind sie so perfektioniert, so jahrhundertealt, so systemkonform wie in den Kirchen.

Ohne diese drei Mobbing-Strukturen könnte vor allem die katholische Kirche ihren gesellschaftlichen Einfluss nicht mehr wahren.. Durch die hohe Zahl von Arbeitsplätzen in den Kirchen und ihren Unterorganisationen ist eine ganze Bevölkerungsgruppe in abhängiger Bevormundung gehalten. Die schlechte Arbeitsmarktsituation erhöhten den Anpassungsdruck noch. Dank des Kirchenmobbings ist es möglich, interne Kritiker und Abweichler ruhig zu halten. (An dieser Stelle wird deutlich auch ein potentieller Wettbewerbsnachteil des Arbeitgebers Kirche gegenüber Mitkonkurrenten bzgl. der Qualität prof. Arbeit ersichtlich - Angst verhindert u.U. Kreativität / Einsatzbereitschaft - /L.Drat)

Das trifft nicht nur festangestellte Mitarbeiter, sondern auch ehrenamtliche. An ihnen wird deutlich, dass finanzielle Absicherung nur ein Aspekt ist, der die Menschen in der Kirche auf lange Sicht gefügig macht. Fast noch schwerwiegender ist die emotionale und spirituelle Bedürftigkeit, deren Erfüllung sich die Mitarbeiter durch ihr kirchliches Engagement erhoffen. Die macht lange Zeit blind für die doppelten Böden, für den Anpassungsdruck, die Sozialkontrolle, für Doppelmoral und Bigotterie.

Hinter den typischen kirchlichen Mobbing-Phänomenen verbirgt sich ein unauflöslicher Konflikt. Im Versuch, das Reine, Makellose, Fehlerfreie, Gute zu fördern und zu verbreiten, geraten alle Zweifel, alle Skepsis, alles Suchen unter das Fallbeil der kirchlichen Gebote. Würde die Kirche die Unschärfe ihrer "Wahrheiten" entgegenstehen und persönliche Freiheiten einräumen, dann würde sie ihre Identität als Institution des Eindeutigen, einzig Wahren und Göttlichen verlieren – so befürchten es jedenfalls die höchsten Amtsträger. Sie sind zum Opfer ihrer eignen Dogmenfalle geworden – und ähneln damit verblüffend in Mobbing-Strategie und Überzeugungen anderen Sektenvertretern. Umso erstaunlicher, dass die großen Kirchen Sekten zu bekämpfen vorgeben, während sie gleichzeitig eigene Sektenstrukturen fördern und mit Mobbing verteidigen. ... Wer gegen Sekten und ihre Tricks, Menschen abhängig zu machen und zu halten, sie zu bevormunden und mundtot zu machen, angeht, bringt zwangsläufig auch fatale Strategien der eigenen Kirche zur Sprache. Damit schafft er Öffentlichkeit gegen Mobbing und für die Emanzipation der Menschen. Das lässt hoffen: auch die Mitarbeiter der Kirchen.


Frankfurter Rundschau 05/99

 

 Mitarbeiter mobben Chefin nach 30 Dienstjahren aus dem Job

Leiterin des evangelischen Kindergartens Neu-Anspach gibt ihren Beruf auf –
und läßt sich auf Kirchenkosten zur Mobbingberaterin ausbilden

Vor fünf Jahren feierte sie ihr 25jähriges Dienstjubiläum: Zum 1. Januar 2000 wird die
53 Jahre alte Leiterin des evangelischen Kindergartens in Neu-Anspach aber etwas
ganz anderes machen: Nachdem Elke Stügelmeier als Mobbing-Opfer eine schlimme
Krise durchgemacht hat, wird sie zur Mobbingberaterin ausgebildet – die Kirche
bezahlt den Lehrgang.


USINGER LAND. Man habe sie als „verrückt“ hingestellt, private Familienangelegenheiten ausgeplaudert und ihre Würde angetastet. Dreieinhalb Jahre sei sie von ihren Kollegen und Vorgesetzten in der Kirchengemeinde dermaßen „gemobbt“ worden, daß sie es schlicht nicht mehr ausgehalten habe, sagt Elke Stügelmeier: „Ich habe mir irgendwann selbst eingeredet, daß ich ´ne Macke habe.“ Anfangs wußte sie nicht, was „hier gespielt wird“. Bei Teambesprechungen sei sie bewußt ausgeschlossen worden. Sie kam sich vor „wie Johanna auf dem Scheiterhaufen“, habe nachts kaum geschlafen und sei jeden Tag „mit diesem furchtbar flauen Gefühl“ zur Arbeit gegangen. Sie war, und ist es formal heute noch, für 50 Kinder und fünf Mitarbeiter verantwortlich. Man hat ihr gedroht „Ich mache sie fertig“. Warum, das kann sich Elke Stügelmeier bis heute nicht so recht erklären.

„Was hier passiert ist, war kein glasklarer Mobbing-Fall“, sagt Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Streß und Mobbing (VPSM) in Wiesbaden, der in den Fall seit Dezember 1998 eingebunden ist. Sonst wäre der anschließende Prozeß gar nicht möglich gewesen. Ein „Ursachenbündel“ habe zu dem Konflikt geführt.

Eskaliert war die Krise, als der zuständige Dienstherr und Pfarrer der Gemeinde, Reiner Guist, seiner Mitarbeiterin im Oktober 1998 sieben Abmahnungen schickte: Sie habe mit Fäkalienwörtern die Kirche beschmutzt und eine Kollegin als pädagogisch unfähig bezeichnet, wurde ihr darin vorgeworfen. Außerdem habe sie den Pfarrer angeschrien und sich nicht dafür entschuldigt. Schließlich verlangte der Pfarrer von ihr, ein Attest über ihren psychischen Zustand vorzulegen. Sie ließ sich in der Tat krankschreiben („es war unerträglich“) und wandte sich an die Bruderhilfe, eine kirchliche Mitarbeitervertretung. Parallel sprach sie mit einer Anwältin, die die Angelegenheit vom Arbeitsgericht klären sollte.

Zu einem Prozeß ist es nicht gekommen. „Wir waren bemüht die Sache zu klären“, betont Pfarrer Guist. Keiner habe vorgehabt, die Frau psychisch fertigzumachen. Daß danach die detaillierte Aufarbeitung mit Tätern und Opfern folgte, bezeichnet Drat vom VPSM als absolute Ausnahme. „Meist schotten sich die Opfer ab und drehen sich im Kreis.“ Die Bereitschaft miteinander zu reden und ihn als neutralen Schlichter zuzulassen, müsse der Kirchengemeinde „hoch angerechnet werden“. Der Streit sei mittlerweile geschlichtet, alle Beteiligten hätten sich geeinigt. Das Resultat: Mit der Leiterin des Kindergartens wurde ein Auflösungsvertrag zum Jahresende vereinbart, bis dahin bekommt sie weiter ihr Gehalt, arbeitet aber nicht mehr in der Einrichtung. „Eine Zusammenarbeit konnten sich beide Seiten nicht mehr vorstellen“, sagt Drat. Die Abmahnungen seien aus der Personalakte herausgenommen worden. Frau Stügelmeier bereite mit der Weiterbildung, die von der Kirche bezahlt wird, ihre berufliche Zukunft als Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberaterin vor, um anderen Betroffenen zu helfen.

Man habe bewußt versucht, die Sache nicht nach außen dringen zu lassen. „So was soll nicht wieder passieren“, hat sich Pfarrer Guist vorgenommen. Es gebe mittlerweile eine schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitstitel „Konfliktmanagement“, eine Art Nachsorge des „unglücklichen Vorfalls mit Frau Stügelmeier“, an die sich alle Mitarbeiter der Gemeinde halten müssen.

...

Ihre Erfahrungen könne Elke Stügelmeier als Referentin in Sachen Mobbing weiterhin
in der evangelischen Kirche anbringen. „Warum nicht“, sagt Elke Stügelmeier.

Von Nicole Galliwoda








Taunus Zeitung 12/99

 

Mobbing: Augen zu, raus bist Du

 

Neu-Anspach. „Werde ich jetzt gemobbt oder werde ich nicht gemobbt ? Mobbing - was ist das eigentlich?“ Fragen, die Betroffene stellen. So auch auf dem ersten treffen einer Selbsthilfegruppe für Mobbing-Betroffene in Bad Homburg, die auf Initiative einer Neu-Anspacherin gegründet wurde. Die Teilnehmer treffen sich hier, weil Vertraulichkeit und Nicht-Erkannt-Werden im heimischen Umfeld zu den Voraussetzungen derartiger Meetings gehöhren. Mehrere Teilnehmer, auch aus Usinger Umlandgemeinden, stecken noch mitten in arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen mit ihrem Arbeitgeber, haben zu Teil schon massive Konflikte bis hin zum Psycho-Terror am Arbeitsplatz oder können sich aus reiner Existenzangst nicht „outen“.

Worum es an diesem Abend geht, ist Erfahrungsaustausch, Dampf ablassen, gegenseitiges Mut machen und Wege aufzeigen zum sich wehren gegen die Fertigmache am Arbeitsplatz. Kompetente Betreuung ist gewährleistet, denn die Gruppenleiterin ist Absolventin einer Ausbildung zur Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbing-Beraterin. Träger ist der Wiesbadener Verein für Psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM). Hier gibt es Rechtsberatung, Konfliktgespräche und ausgebildete Sozialpädagogen, die sich auch als Schlichter in einem Streitfall zur Verfügung stellen - wenn die „Gegenseite“, die Arbeitgeber, eingestehen „Ja, gegen Frau X oder Herrn Y hat tatsächlich Mobbing stattgefunden, aber wir konnten nichts dagegen tun“.

Hier liegt ein Kernproblem der Thematik: Mobbing lässt sich nicht greifen, ist wie ein schleichendes Gift, das erst die Atmosphäre am Arbeitsplatz und später Seele und Gesundheit der Betroffenen vergiftet. Und: Potenzielle Mobbing-Kanditaten sind Opfer ihrer eigenen Naivität („Ich und gemobbt? Daran habe ich nie gedacht“, so eine junge Frau aus der Buchhaltung), durchschauen die Vorgänge nicht, können keine „Drahtzieher“ entdecken, stehen letztlich noch völlig verblüfft über das Unfassbare vor den Scherben ihrer oft langjährigen Karriere. Ein Betroffener an diesem Abend: „Und wenn man das böse Spiel durchschaut, ist alles zu spät.“ Auch Parallelen für das „Warum?“ treten an diesem Abend in Erscheinung: Die Gemobbten sind entweder zu alt und damit Jüngeren im Weg, zu teuer auf Grund der angesammelten Dienstjahre oder schlicht zu erfolgreich. Sie produzieren Neid, so dass manchen Kollegen schier der Kragen platzt: „Ich hätte das nie gedacht“, sagt ein ehemaliger Verkaufsleiter, der erst Monate später die Bedeutung bestimmter Äußerungen seines Chefs überhaupt zu deuten wusste, „aber der kam eines Abends die Treppe runter und sagte „Sie dürfen hier noch sitzen und am Konzept arbeiten, ich muss jetzt nach Hause gehen“.

 

 

Strategien zur Gegenwehr

Der Chef hatte zwar die höhere Position, aber sein Untergebener mehr planerische Freiräume. Und darauf ging der Erfolg zurück. Das Ergebnis, Abblocken, Schikanen, Urlaub gestrichen, Mobbing pur. Doch die Gruppenteilnehmer zeigen sich auch gegenseitig Strategien zur, Gegenwehr auf: Dokumente, die Mobbing belegen, unbedingt aufheben - auch für das Arbeitsgericht. Einen Anwalt einschalten, der eine Kündigungsschutzklage einreicht. Sich nicht provozieren lassen, nicht exponieren mit Thesen- oder Arbeitspapieren etwa. Und vor allem: Gegendruck machen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, eine Kündigung dem Arbeitgeber so teuer machen wie möglich.

Nicht abgedeckt werden jedoch psychosoziale Probleme, denn „Mobbing ist ethisch unterstes Niveau“, so die Gruppenleiterin, verletzend, zerstörend, krank machend - bis hin zum Extrem, dem vollzogenen Suizid. Bevor es so weit kommen kann, bietet der Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM), Kemmelweg 10, 65919 Wiesbaden, Hilfe an mit einem Team qualifizierter Gesprächspartner. Telefon: (0611) 54 17 37, Fax: 957










Usinger Anzeiger 01/00

 

Stügelmaier nach Wiesbaden gewechselt

 

Neu-Anspach. Die langjährige Leiterin des Evangelischen Kindergartens, Elke Stügelmaier, hat ihre Tätigkeit in Neu - Anspach beendet. Sie will künftig Ansprechpartnerin für Menschen mit Konflikten am Arbeitsplatz sein und macht eine Ausbildung zur Arbeitsplatzkonfliktberaterin beim Verein für Psychosozialen Streß und Mobbing in Wiesbaden. Es habe ihr Freude gemacht, Erzieherin zu sein, schreibt Elke Stügelmaier in einem Abschiedsbrief. „Es war eine schöne Arbeit, die mein Leben sehr bereichert und ausgefüllt hat.“ Der Kirchenvorstand dankt Elke Stügelmaier für ihre Arbeit. Christliches Engagement sei ihr sehr wichtig gewesen und oftmals habe sie sich über ihre Maßen hinaus für andere eingesetzt, vor allem im Kontakt mit den Eltern und den Institutionen und Organisationen der Jugendpflege und -hilfe sowie in der Mitarbeitervertretungsarbeit.












Taunus Zeitung 10/99

 

Hilfe für Mobbing – Opfer

 

Rod am Berg. „Jetzt bin ich soweit, dass ich anderen helfen kann“, meint Elke Stügelmaier. Die 53jährige möchte eine Selbsthilfegruppe für Mobbing-Opfer gründen, die erste im Hochtaunuskreis. Jetzt sucht sie Betroffene, Förderer und einen Raum für die Treffen. „Dann kann es losgehen“.

30 Jahre war die Rod am Bergerin als Erzieherin bei der evangelischen Kirche Hessen-Nassau angestellt, davon neun Jahre als Leiterin eines evangelischen Kindergartens in Neu-Anspach. „Mobbing passiert da, wo sich die Arbeit nicht messen lässt“, erklärt sie. Also vor allem in pädagogischen Jobs, im Management und im öffentlichen Dienst. Und außerdem in erster Linie dort, wo, wie sie meint, intelligente Menschen arbeiten. Denn anstatt Kollegen am Arbeitsplatz körperlich anzugreifen, werden diese psychisch anhand von Verleumdungen, Kränkungen oder Intrigen unter Druck gesetzt. Das Motiv ist meist Neid auf den Besitz, die Leistung oder den Job des Konkurrenten. Offiziell definiert ist Mobbing als „konfliktbeladene Kommunikation am Arbeitsplatz“ - sozialer Stress.

Drei Jahre hatte Stügelmaier selbst mit Mobbing zu kämpfen, seit einem Jahr ist sie von ihrer Arbeit frei gestellt und macht nun seit Juni eine Ausbildung zur Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbing-Beraterin beim Wiesbadener Verein gegen Psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM). In dieser Zeit hat sie sich nicht nur ihre eigenen Probleme verarbeitet, sondern auch viel zum Thema Psychologie gelernt. Sie kann Ratschläge in rechtlicher Hinsicht geben und über auf das Thema spezialisierte Ärzte und Anwälte informieren. Außerdem - und das ist das Wichtigste - mochte sie die Gespräche in der Selbsthilfegruppe leiten und den Menschen zuhören. „Die Leute sollen erzählen, was ihnen passiert ist“, motiviert sie alle Betroffenen, nicht alleine mit den Problemen zu bleiben, sondern sich mit anderen auszutauschen. Außerdem möchte die 53-Jährige das Selbstbewusstsein der Mobbing-Opfer stärken. Denn das ist, befindet sich ein Mensch in einem Arbeitsplatzkonflikt, ganz im Keller.

„Die Betroffenen haben kein Selbstwertgefühl mehr“, so Stügelmaier, „viele glauben, sie sind defekt und alleine mit ihren Probleme“, berichtet sie aus eigener Erfahrung. Am Ende sind die Personen dann so verunsichert, dass sie körperlich krank werden. „Und das geht bis zum Selbstmord.“

Grundsätzlich könne jeder gemobbt werden, auch ganz junge und selbstbewusste Leute. Und: Es gibt, so inzwischen ihre Erfahrung, sehr viele gemobbte Leute - vor allem in höheren Positionen.

Auch wenn Elke Stügelmaier durch ihre Ausbildung viel in Wiesbaden ist und dort auch einer Selbsthilfegruppe angehört, ist sie überzeugt, dass es auch im Taunus Mobbing-Opfer geben muss. Jetzt ist sie auf der Suche nach einem Raum, der ihr auch von der Kirche oder Gemeinde zur Verfügung gestellt werden könnte, und nach Sponsoren, die Mitglied im VPSM werden wollen. Bei dem Verein erhalten die Menschen medizinische, juristische und psychische Unterstützung. Außerdem stellt der VPSM Schlichter zur Verfügung, die zwischen Arbeitgeber, Mobbing-Opfer und Kollegen vermittelt. Funktioniert dies nicht, kommt es zum Prozess. Im besten Fall erhält der Betroffene, der in den meisten Fällen den Betrieb verlassen will, eine Abfindung.

Auch Elke Stügelmaier wollte nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Heute gehe es ihr wieder gut, in ihrer Ausbildung lerne sie viele neue Dinge, erzählt sie. Im Januar möchte sie parallel noch eine Ausbildung zur psychosozialen Beraterin machen und dann selbständig in Betrieben oder pädagogischen Einrichtungen arbeiten. Probleme, einen Job zu finden, werde sie wohl nicht haben. „Vielleicht hat alles ja auch etwas Gutes.“



 

 

 

 

 

 

Kelsterbacher Stadtanzeiger 12/99

 

Dem bitteren Abschied folgt jetzt ein Neuanfang

Ingrid Zander verlässt die Friedensgemeinde

 

Kelsterbach. Mit einem feierlichen Gottesdienst verabschiedete die evangelische Friedengemeinde ihre Kindergartenleiterin Ingrid Luise Zander. Pfarrer Martin Fedler-Raupp überreichte ein Geschenk und dankte für die geleistete Arbeit.

Seit 1994 war die in Göttingen geborene Zander im Dienst der Gemeinde, die sie nun nach einem Konflikt verlässt. Eltern hatten sich über angebliche Nachlässigkeiten der Kindergartenleitung beschwert. Zander wehrte sich gegen die Vorwürfe. Kirchenvorstand und Zander einigten sich schließlich außergerichtlich.

Seit Oktober ist die Erzieherin freigestellt.

Nach ihrem Umzug nach Alzey wird Zander ihren Beruf wechseln und eine Ausbildung zur Konflikt- und Mobbingberaterin beginnen. Sie sei heute sehr froh darüber, den Verein für psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM) mit Sitz in Wiesbaden kontaktiert zu haben: Dieser griff als Schlichter in die Auseinandersetzung mit der Friedensgemeinde ein und half Zander, schwierige Zeiten zu überstehen. „Mir ist es wichtig zu zeigen, dass es nach einem eskalierten Konflikt weitergeht. Es gibt neue Perspektiven und Stück für Stück geht es mir nun auch wieder besser“ ,sagt Zander.

Die Erzieherin bedauert, den Kindergarten auf diese Art und Weise zu verlassen. Schließlich habe sie gern hier gearbeitet, und die Leitung eines Kindergartens, in dem über 80 Prozent Kinder nicht deutscher Herkunft sind, sei eine „ganz besondere Herausforderung“ für sie gewesen.

Ziel ihrer Arbeit - sowie der vier anderen Erzieherinnen - war es vor allem, den Kindern den spielerischen Erwerb der deutschen Sprache im Kindergarten zu ermöglichen, ohne dass diese ihre eigene Muttersprache verlernen oder gar Geringschätzen sollten. Zu diesem Zweck wurde eine Sprachlehrerin engagiert, die zehn Stunden wöchentlich für die Kinder da ist. Zwar habe es manchmal Verständigungsprobleme mit Eltern ausländischer Kinder gegeben, aber doch ohne dass grundsätzliche Probleme auftraten.





 

 

 

 

 

Mobing in der Schule

 

 

Benjamin evang. Zeitschrift für Mädchen und Jungen 09/06

 

Nachgefragt  Artikel aus der Zeitschrift "Benjamin

Nicht alle Kinder haben Schulfreunde, manche spielen lieber allein oder mit Kindern aus
der Nachbarschaft.

Doch wenn ein Kind systematisch aus der Gemeinschaft der Klasse gedrängt wird, müssen die Eltern handeln.

Aber wie? Diplom-Sozialpädagoge Lothar Drat, Initiator des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM), sagt, was Eltern tun können.

? Was ist Mobbing in der Schule?


! Wenn ein Kind über einen längeren Zeitraum systematisch ins Abseits gestellt wird und für die Mitschüler als Blitzableiter dient, das ist Mobbing. Dazu gehört das Lästern über den Mitschüler, die Ausgrenzung und das Beschädigen seines Eigentums. Die Gruppendynamik führt dazu, dass immer mehr Kinder mitmachen.

? Woran merken Eltern, dass ihr Kind gemobbt wird?

! Erste Anzeichen sind, dass das Kind anders von der Schule redet, vielleicht nicht mehr so ausführlich wie früher, oder es zieht sich generell zurück. Gemobbte Kinder sind nicht die klassischen Außenseiter: Neid ist der Hauptgrund für Mobbing. Es kann sein, dass ein Junge gemobbt wird, weil er der Beste der Klasse ist oder besonders gut bei den Mädchen ankommt.

? Was können Eltern tun?

! Am wichtigsten ist es, dem Kind zuzuhören. Auch die Geschichten, die man für unmöglich hält, sollten nicht gleich bewertet werden. Der Satz: „Da hast Du doch bestimmt was dazu beigetragen?“ ist immer falsch. Kinder berauchen zunächst Verständnis. Eltern sollten sich fragen, was das Selbstbewusstsein ihres Kindes wieder steigern kann: Vielleicht kann es Verbündete in der Klasse finden oder es geht in einen Fußballverein und gibt dort einen prima Linksverteidiger ab.

? Und wenn das Kind keinen Ausweg findet?

! Dann sollten Eltern externe Hilfe suchen, am besten bei Mobbingberatungsstellen oder dem schulpsychologischen Dienst.

 

Alverde / DM - Markt 07/06

 

... und raus bist du!

Hänseln, ärgern oder einfach nicht mitspielen lassen –

Mobbing gibt es nicht nur unter Erwachsenen am

Arbeitsplatz, sondern ist auch unter Kindern weit verbreitet

 

 

Die Pausen sind am schlimmsten. Entweder

lachen sie über ihre uncoolen Schuhe oder

hören auf zu reden, wenn sie den Raum betritt.

Des öfteren wandert ihr Mäppchen von

Kind zu Kind durchs Klassenzimmer,vor kurzem

hat es einer zum Fenster rausgeworfen.

Lena geht nicht gern zur Schule.

Mobbing gibt es in jederAlterstufe. „Doch besonders

in der Pubertät, in der Kinder und

Jugendliche nach Orientierung suchen, ist die

Gefahr groß“, sagt Lothar Drat, Diplom-Sozialpädagoge

und Gründer des Vereins gegen

psychosozialen Stress und Mobbing e.V.

(VPSM) in Wiesbaden. „In diesem Alter geht

es eher darum, zu einerGruppe dazuzugehören,

statt ihre Ziele zu hinterfragen.“Mobbing

meint eine Form von offener oder subtiler

Gewalt, die sich sowohl verbal als physisch

äußern kann. Lächerlich machen oder bloß

stellen sind ebenso Facetten des Mobbings

wie Ausgrenzung oder Beschädigung von

Eigentum. Eines ist aber immer gleich: Die

Angriffe vollziehen sich stets systematisch.

„Konflikte gehören zum Leben dazu, man

kann und soll sie nicht völlig verbieten“, sagt

Lothar Drat. „Doch wenn sich Angriffe nicht

mehr aufverschiedene Personen verteilen, sondern

ein Mensch immer im Blickpunkt der anderen

steht, ist es höchste Zeit zu handeln.“

Gruppendynamik entsteht

Was mit Foppen oder einem Schubs anfängt,

wird für die betroffenen Kinder schließlich

zur täglichen Qual. Oft sind es nicht einzelne

Täter, von denen die Aktionen ausgehen, es

setzt vielmehr eine Gruppendynamik ein:

ImmermehrKlassenkameraden machen mit.

Die Opfer werden zunehmend isoliert. Statt

des Signals „aufhören!“ erhalten die Mobber

durch aktive Nachahmer oder passive Zuschauer

noch eine Bestätigung ihres Tuns.

Die Täter fühlen sich dadurch bestärkt und

üben soziale Macht aus. Wie ihre Opfer haben

sie im Grunde häufig ein geringes Selbstwertgefühl

und versuchen dies durch verbale

oder handgreifliche Attacken zu kompensieren.

Jungen neigen übrigens eher zu offenem,

aggressiven Verhalten, schubsen, hauen

oder nehmen den Schwächeren Schulranzen

oder Taschengeld weg. Mädchen hingegen

gehen meist subtiler vor. Sie verbreiten

Gerüchte, tratschen oder grenzen Mitschüler

aus. „Man kann in Tätern auch Opfer sehen“,

sagt Lothar Drat. Ein gesellschaftliches Klima,

in dem Werte und Normen fehlen oder

das Tragen von Markenkleidung überZugehörigkeiten

entscheidet, trägt dazu bei. Vor

allem dann,wenn sich viele Menschen diese

Statussymbole gleichzeitig nichtmehr leisten

können. Der Anteil derer, die sich ausgegrenzt

fühlen, wird dadurch immer größer.

Billige Klamotten? Rote Haare? Es gibt keine

Persönlichkeitsmerkmale, die Kinder als Opfer

prädestinieren. „In derRegel sind es reine

Äußerlichkeiten, die andere nutzen können.

Schließlich erhält der Prozess eine Eigen-

dynamik und steigert sich“,weiß Lothar Drat.

Meistens ist es ein ganzes Bündel an Ursachen,

die dem Mobbing zu Grunde liegen.

Letztlich verfügen die Kinder jedoch nicht

über die Fähigkeit, den Angriffen der Täter

entgegenzutreten.

Wie kann man helfen? Betroffene Kinder

brauchen Unterstützung aus ihrem Umfeld.

Das erfordert von Eltern und Lehrern viel

Aufmerksamkeit, denn sie müssen die Anzeichen

von Mobbing erkennen: Möchte das

Kind plötzlich nicht mehr zur Schule gehen?

Verhält es sich nervös oder aggressiv? Zieht

es sich zurück oder leidet unterAlbträumen?

Prinzipiell gilt: Je früher man Anzeichen für

Konflikte erkennt, desto besser. Denn je länger

eine Eskalation anhält, desto schwieriger

wird es, sich aus dem Prozess zu lösen.

Es ist wichtig, dass betroffene Kinder mit

einem Erwachsenen über die Vorfälle sprechen

können. „Eltern sollten ihrem Kind aufmerksam

zuhören, ihm zeigen, dass sie es

ernst nehmen und es keine Schuldgefühle

haben muss. Hilfreich ist zu signalisieren

‚wir glauben dir’“ und dem Kind Wärme,

Sicherheit, Verständnis und Geborgenheit

entgegenzubringen“, rät der Sozialpädagoge.

Fragen wie „Und was hast du gemacht?“, sind

wenig hilfreich. Besser, man bespricht gemeinsam

in Ruhe, wie man weiter vorgehen

möchte.

Situation von außen betrachten

Experten raten dazu, sich an eine Beratungsstelle

zu wenden. „Eltern sind parteiisch und

müssen das auch sein. Externe Berater hingegen

können meistens besser beobachten und

das Ursachenbündel einer Eskalation analysieren“,

sagt Lothar Drat. Der Verein gegen

psychosozialen Stress und Mobbing arbeitet

seit elf Jahren erfolgreich nach dem Verfahren

„Schlichtung, Vermittlung, Mediation“: Jede

Partei, also Opfer, Täter, gegebenenfalls auch

Mitläufer, bekommen einen unabhängigen

Coach zur Seite gestellt. Diese verhandeln

untereinander und mit den anderen Parteien.

„Wir verstehen uns in diesem Verfahren als

externe Feuerwehr, die versucht, den Konflikt

zu löschen, und nicht als Polizei, die nach

Schuldzuweisungen sucht“, erläutert der

Sozialpädagoge. Ein möglicher Einstieg sei

beispielsweise eine Unterrichtseinheit, die

zum Thema passt. „Filme, die entsprechende

Konfliktsituationen nachstellen, können beispielsweise

ein Klima erzeugen, das die

Schüler für die Situation sensibilisiert“, sagt

Lothar Drat. „Doch letztlich gibt es keine

Patentlösung.“ Davon, die Täter oder deren

Eltern selbst zur Rede zu stellen, raten

Fachleute Eltern betroffener Kinder ab. ��

Weitere Informationen unter: www.vpsm.de

 



ZDF-PUR 02/98

 

Hinterhältig und gemein Mobbing

 

PUR unterwegs – Mobbing in der Schule

Der Begriff „Mobbing" stammt aus dem Englischen von „to mob" und bedeutet „anpöbeln". Er wurde zum ersten Mal von dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903-1989) benutzt. Damals bezeichnete er mit dem Begriff „Mobbing" die Verhaltensweise einer Gruppe von Tieren gegen ein einzelnes Tier, um dieses aus der Gruppe zu vertreiben. Dieses Verhalten lässt sich auch auf Menschen übertragen.

Unter Mobbing versteht man negative Handlungen, die von einem oder häufig mehreren Menschen gegen einen anderen, zumeist schwächeren Menschen ausgeübt werden mit dem Ziel, diesen aus der Gruppe herauszudrängen.

Unter Kindern haben sich die Fälle von Mobbing erschreckend vermehrt.

Krach und Auseinandersetzungen gab es zwischen Kindern schon immer. Nur ist es
etwas anderes, wenn die Konflikte offen ausgetragen werden. Dann werden die Auseinandersetzungen in der Regel nach kurzer Zeit behoben. Anders beim „Mobbing": Das ist hinterhältig und gemein. Dabei schaut sich jemand ein zumindest schwaches
Opfer aus, das er systematisch und oft grundlos fertig macht.

Wie wird Mobbing ausgeübt:

Mobbing kann überall stattfinden: auf dem Schulweg, im Schulbus, auf den Pausenhöfen, sogar im Unterricht. Auch die Mittel, mit denen gemobbt wird, sind vielfältig:

verächtliche Blicke

abwertende, verletzende Mimik und Gestiken

Schweigen, Abwenden oder Wegsetzen, wenn sich da Opfer nähert

Herabsetzende Kommentare zu Aussagen des Opfers im Unterricht oder in den Pausengesprächen

Kichern, wenn sich das Opfer nähert

Aussprechen von Drohungen und Erpressungen

Verweigerung der Zusammenarbeit mit dem Opfer bei der Gruppenarbeit

Oftmals kommt es auch zur Anwendung von Gewalt:

Kneifen, Knuffen, Prügeln und Schlagen

Verstecken oder Beschädigen von Schulsachen und Kleidern Festhalten im Bus oder
an Haltestellen

Bei den gemobbten Opfern stellt sich häufig ein

- Konzentrationsschwäche - Nervosität, Verkrampfung
- Schlafstörungen
- Verschiedene Ausreden, um den Unterricht zu meiden
- Der Notendurchschnitt kann schwanken oder stark abfallen
- Plötzliche unmotivierte Aggressivität

Meistens wissen Eltern und Lehrer zu wenig über Mobbing, um gezielt einzugreifen. Und auch die Mitschüler kapieren oft nicht, dass ein Klassenkamerad gemobbt wird. Oder aber sie greifen nicht ein, aus Angst danach selber ausgegrenzt und fertig gemacht zu werden.

Jeder einzelne in der Gruppe, die mobbt, sollte für sich selbst nachdenken, was er da so macht und wie es wäre, wenn er an der Stelle der gemobbten Person sein würde: Man sollte sich fragen:

Wie möchte ich selbst behandelt werden?

Glaube ich, dass andere Menschen anders behandelt werden wollen, als ich selbst?

Was kann ich tun, wenn ich sehe, dass jemand ausgegrenzt oder gequält wird?

Sehr wichtig ist es, das Mobbing ernst zu nehmen und in der Gruppe zu thematisieren. Wenn man selbst gegen Mobbing ist, muss man den Mut haben, es den anderen auch zu zeigen! So fühlen sich die anderen in ihrem Handeln nicht mehr so sicher und bestätigt. Vielleicht fangen sie dann auch an, darüber nachzudenken.

PUR Tipp

Wie verhafte ich mich, wenn ich gemobbt werde

In vielen Schulen wird schon einiges gegen das Mobbing unternommen. Trotzdem gibt es in jeder Klasse durchschnittlich zehn Kinder, die ausgegrenzt werden.

Mobbing ist also eine fast alltägliche Situation in der Schule und eigentlich kann es jeden treffen.

Seid Ihr in eine solche Situation geraten, gibt PUR Euch Tipps, an wen Ihr Euch wenden könnt. Was Ihr nämlich auf gar keinen Fall tun dürft, ist die Klappe halten. Das Allerwichtigste ist, dass Ihr mit jemandem redet und Eure Angst und Euren Frust loswerdet.

Redet am besten also erstmal mit Euren Eltern. Gemeinsam könnt Ihr überlegen, wer
Euch helfen kann, an wen Ihr Euch wenden könnt. Der erste Schritt könnte ein Gespräch mit Eurem Klassenlehrer oder einem Lehrer Eures Vertrauens sein. Der kann die Situation in der Klasse wahrscheinlich am besten einschätzen, weil er alle Beteiligten kennt. Zum Beispiel kann er das Mobbing-Problem als Schulstoff im Unterricht aufgreifen, ohne Euch und Euer spezielles Problem in den Vordergrund zu stellen. Wenn Ihr in der Klasse offen darüber diskutiert, werdet Ihr nicht als „Petzen" hingestellt. Es hilft aber nicht, dass die Kinder, die Euch ärgern bestraft werden. Ihr solltet bedenken, dass die Mobber
(Einschub: oft / L.Drat) gar nicht darüber nachdenken, was sie da tun und vor allen Dingen, wie Ihr Euch dabei fühlt. Wenn Ihr im Unterricht darüber diskutiert, bekommen
sie eine andereSichtweise des Problems und vielleicht sehen sie ihr eigenes Verhalten plötzlich ganz anders.

Glaubt Ihr, dass Ihr Eurem Lehrer nicht vertrauen könnt oder dass er Euch nicht versteht, dann gibt es vielleicht in Eurer Freizeit jemanden, dem Ihr mehr vertraut. In jedem Jugendzentrum gibt es z.B. Betreuer, die das Mobbing-Problem kennen und Euch weiterhelfen können. Sie können Euch auch in ausweglos erscheinenden Situationen Kontakte zu Psychologen oder anderen Beratungsstelle vermitteln.
Wenn ihr jedoch erst einmal über Euer Problem reden, aber anonym bleiben wollt wendet
euch auch an das Sorgentelefon. Unter der Rufnummer 0800 111 0 333 könnt Ihr gebührenfrei dort anrufen. Da ist jemand, der Euch einfach nur zuhört und Euch Tipps gibt, wie Ihr Euch am besten verhalten könnt. Ihr müsst Euren Namen nicht nennen, aber wenn Ihr wollt, gibt es auch hier in jeder Stadt die Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch.

Egal an wen Ihr Euch wendet, Euer Problem kann nur gelöst werden, wenn Ihr darüber sprecht.


Adressen:

VPSM- Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V.
Rambacher Str, 74
65195 Wiesbaden










Delmenhorster Kurier 02/96

 

Gerüchte waren der Anfang
Gerhard Mende wechselt die Schule,
aber die Gerüchte waren schon vor

ihm da

 

Gerhard Mende arbeitete an einem Gymnasium in einer kleinen Stadt in Nordrhein-Westfalen. Mende unterrichtete Schüler der Sekundarstufe I in den Fächern Deutsch und Sport. Bei Jungen und Mädchen war er einer der beliebtesten Lehrer an der Schule. Sein Sportunterricht war über die Schule hinaus bekannt. Er lehrte nicht, wie viele seiner Kollegen, mit Strenge und Druck, sondern verstand es, auf die Belange und Nöte der Schwächsten im Unterricht einzugehen. Mende erreichte, was nur wenigen gelingt: Er konnte selbst unsportliche Schüler für Körperertüchtigung begeistern. Auch in Deutsch kam Mende gut an. Der Notendurchschnitt seiner Klassen war erstaunlich hoch.

Es war Ende März 1992, als Gerhard Mende erfuhr, was hinter seinem Rücken über ihn getuschelt wurde. Einige Kollegen seines Fachbereiches beschuldigten ihn, sich den Schülern „körperlich zu distanzlos“ zu nähern. Mende leugnete nicht, mal den Arm um die Schulter eines Schülers gelegt zu haben. „Das konnte man interpretieren, wie es einem gerade in den Kram paßte“, sagt Mende heute.

Zunächst schenkte er dem Gerede nicht viel Interesse. Doch mit der Zeit wurde er zum Außenseiter. Seine Fachkollegen beteiligten ihn nicht mehr an Unterredungen, egal ob beruflich oder privat; auf seinen morgendlichen Gruß erhielt er keine Antwort; dauernd schwebte das Gespenst vom sexuellen Mißbrauch im Raum.

Trotz des Geredes hielten Eltern und Schüler zu Mende. Kein Elternteil belastete ihn, kein Schüler bestätigte die Gerüchte. Dennoch: Mende wurde versetzt - an eine Grundschule.

Noch bevor Mende den Streß seines ehemaligen Arbeitsplatzes verdaut hatte, brodelte schon die Gerüchteküche an der Grundschule. Das Lehrerkollegium, über den Grund der Versetzung informiert, warf Mende Annäherungsversuche an Schüler vor. Eltern wurden mißtrauisch und wollen nicht, daß ihre Kinder von Mende unterrichtet wurden. Beim Einkaufen, im Schwimmbad, im Kino, überall, wo Mende Kollegen oder Eltern begegnete, stieß er auf eisiges Schweigen. Kein „Guten Tag“, kein „Wie geht`s“, kein „Bis bald“.

Die Ablehnung verunsicherte ihn so sehr, daß er bei den jungen Schülern an Autorität verlor. Aufgehetzt von Eltern und Lehrern weigerten sich die Kinder, dem Unterricht zu folgen, störten, wurden unverschämt zu Mende.

Mende wurde krank. Chronische Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Hörsturz. Noch während einer langen und intensiven Psychotherapie verließ Mende mit seiner Frau und vierjährigen Tochter die Stadt. Es war die einzige Chance für einen neuen Anfang.

Rückblickend und aus der Distanz erklärt Mende das Mobbing gegen ihn als Versagen seiner Kollegen. An dem Gymnasium wurde er „liquidierend“, wie er sagt, weil die Kollegen des Fachbereiches ihm seinen guten Kontakt zu den Schülern neideten. Viele Lehrer dort versuchten, mit Disziplin und Leistungsdruck die Schüler für den Unterrichtsstoff zu gewinnen und sich Autorität zu verschaffen. Oft vergeblich. Mende zeigte, daß Einfühlung mehr Wirkung erzielte.

An der Grundschule scheiterte er aus einem anderen Grund. Das Lehrerkollegium bestand mit Ausnahme eines Kollegen aus Frauen. Einige der Frauen waren an Mende interessiert, das zeigten sie recht bald, nachdem Mende dort anfing zu unterrichten. Mende, damals Mitte dreißig und recht attraktiv, nahm die Angebote gar nicht wahr.Heute, nachdem er die Dinge mit Hilfe seiner Therapie klarer sieht, erinnert er sich an Situationen und Gespräche, die eindeutig auf sexuelles Interesse der Frauen schließen lassen. Einige Kolleginnen fühlten sich abgelehnt.

Die Erlebnisse von Mende ähneln zwei Grundmustern von Mobbing, die der schwedisch-deutsche Mobbingforscher Heinz Leymann beschreibt:

1. Eine Gruppe sucht sich einen Sündenbock für ihre eigene Unzufriedenheit. (Die weniger erfolgreichen Kollegen des Gymnasiums, die Mende den guten Kontakt zu den Schülern neideten.)

2. Den Angriffen liegt eine persönliche Feindschaft zugrunde. (Die Kolleginnen, die enttäuscht waren, daß Mende auf ihre Angebote nicht einging.)

 

 

 

 

 

 

 

 

Mobbing in der Privatsphäre



TV Hören und Sehen 11/00

 

Rufmord: So wehren Sie sich

 

(von Mike Powelz/Sascha Klingner)

Beruf, Familie, Nachbarschaft: Immer mehr werden Opfer -
die Prozesse häufen sich. Am Anfang steht das Wort: eine beiläufige Frage,
ein scheinbar harmloser Nebensatz, eine gezielt gesteuerte Bemerkung:
Das Gerücht, ein Machtmittel mit enormer Kraft. Rufmord kann seine Opfer zerstören - und genau das ist sein Ziel. Jetzt zeigen sich in Deutschland zwei Entwicklungen.

Erstens: Rufmord nimmt stark zu. (Da keine Forschungsergebnisse hierzu vorliegen ist dies zunächst eine Annahme! Möglich ist auch, dass wir aktuell auf dem Hintergrund der vorliegenden Forschungsergebnise zu Mobbing nur sensibler für diesen Themenbereich werden / L.Drat) Und zweitens: Immer öfter wehren sich Betroffene nun gegen die brodelnden Gerüchte. Hier die wichtigsten Fragen zum Thema  Rufmord: ...


Wie groß ist das Risiko, selbst zum Opfer zu werden?

Alarmierende Zahlen verdeutlichen einen schlimmen Trend: Das Bundeskriminalamt registrierte allein 1999 mehr als 100 000 Ermittlungsverfahren wegen Rufmord. Ob Beruf, Familie, Freizeit: Überall nimmt Mobbing stark zu.


Was sind die Gründe für Rufmord?


Meist Neid, Feigheit oder Profitgier. Im Beruf wird Mobbing gezielt zum Stellenabbau eingesetzt. Bei Scheidungen verleumden Eheleute bewusst ihre Ex-Partner. Im Geschäftsleben verbreiten z.B. Handwerker Gerüchte über Konkurrenten. Nachbarn wollen Mitbewohner mit übler Nachrede loswerden.


Was konkret empfehlen Experten?


Nicht nur unter Fachleuten, auch vor Gerichten findet jetzt ein Umdenken statt - zugunsten der Opfer. Juristen raten daher Betroffene sollten mit Hilfe des Gerichts zu reagieren. Denn: Wer ein Gerücht verbreitet, kann sich strafbar machen. „Verleumdende oder beleidigende Aussagen sofort aufschreiben! Im genauen Wortlaut: samt Datum, Anlass und Namen der Zeugen",  ...


Wo gibt es Hilfe für Betroffene?


Hilfe gibt es bei z.B. beim Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing, Telefon  0611/541737. ...


Rufmord: Was droht verurteilen Tätern?

Deutsche Gerichte urteilen heute viel härter als früher. Beispiel: Einer Angestellten wird nach dem Vorwurf des Alkohol-Missbrauchs gekündigt. Sie klagt, wird wieder eingestellt - und der Verleumder zu 5000 Mark Strafe verurteilt.

Der Tischler Janosch Braun (49) verlor bei der Arbeit die Finger. Sein Chef erzählte Kollegen, Braun habe sich die Finger bewusst abgeschnitten, um mehr Rente rauszuschinden. Braun ging vor Gericht, klagte. Und bekam jetzt 28 000 Mark Schmerzensgeld zugesprochen - wegen Verleumdung ( Hess. LAG, 5/8 Sa  1081/99).


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reiter Revue 12/99

 

Mobbing jetzt auch im Reitstall

 

Wer sich in der Freizeit bei seinem Pferd vom Streß erholen möchte, braucht in vielen Reitställen ein dickes Fell. Nicht etwa die Vierbeiner, sondern die lieben Reiterkollegen können das Hobby zur Geburtsstätte von Magengeschwüren werden lassen. Die kuriosen Geschichten, die sich um das Reiter- und Liebesleben der Betroffenen ranken, erinnern oft an schlechte Seifenopern. Obwohl sie für Außenstehende einen komischen Charakter haben, stehen bösartige Intrigen dem berühmt-berüchtigten Mobbing am Arbeitsplatz in nichts nach.

Andrea (die vollen Namen sind der Redaktion bekannt, werden aber auf Wunsch der Befragten nicht veröffentlicht), die mit ihrem Hannoveraner in Neuss steht, berichtet: „Bei uns spricht jeder über jeden. Besonders betroffen sind die halbwegs erfolgreichen Tunierreiter, die alle angeblich gar nicht reiten können und die Schleife nur wegen Bekanntschaft mit dem Richter bekommen. Die besten Kommentare kommen meist von Leuten, die gut daran täten, ihre Zeit auf dem Pferderücken anstatt im Reiterstübchen zu verbringen. Am besten ist es, sich ganz aus dem Gerede rauszuhalten. Trotzdem habe ich nach einem Tuniererfolg manchmal keine Lust, in den Stall zu fahren.“

Wer seinen Erfolg aus Angst vor Sprücheklopfern nicht mehr richtig genießen kann, sollte an seiner Einstellung arbeiten - frei nach dem Motto: Mitleid bekommt man umsonst. Neid muß man sich hart erarbeiten.“

Mißgünstige Blicke gehören allerdings zu den kleineren Übeln, schlimm wird es wenn erste Vorwürfe ins Spiel kommen. Die 16jährige Christina aus Essen hatte unter übler Nachrede zu leiden: „Mein Pflegepferd war auch bei den anderen Mädchen heiß begehrt. Als ich ihn als Einzige regelmäßig reiten durfte, wurde alles versucht, mich bei der Besitzerin schlechtzumachen. Das ging sogar soweit, daß die Mädels behauptet haben, ich würde Wotan beim Reiten verprügeln. Martina die Besitzerin, hat mir zwar versichert, daß sie dem Gerede keinen Glauben schenke, aber das Vertrauensverhältnis war irendwie gestört. Als die Gemeinheiten kein Ende nahmen, habe ich den Reitstall gewechselt.“

„Eine Entscheidung, die gut nachvollziehbar und manchmal der einzige Ausweg ist“, kommentiert die Berliner Diplom-Psychologin Elisabeth Metzner. Bevor man jedoch die Flucht ergreift, solle man das Gespräch suchen. Elisabeth Metzner weiß: „Kriegt man mit, daß hinter dem Rücken gelästert wird, kann es helfen, wenn man die Leute direkt darauf anspricht. Mit einer ordentlichen Portion Humor und einem Schuß Selbstironie nimmt man den meisten Lästermäulern den Wind aus den Segeln.“

Werden die Gerüchte zu ernsten Anschuldigungen bis hin zur Verleumdung, wie bei Melanie aus Meerbusch, die für das Verschwinden von Hufkratzern, Halftern und Futter verantwortlich gemacht wurde, sollte man schleunigst Gegenmaßnahmen ergreifen. Bevor der Ruf völlig ruiniert ist, kann ein ruhiges Gespräch mit Anklägern und Vereinsvorsitzendem zur Klärung beitragen. Für die Atmosphäre im Reitstall kann sogar ein richtiges Gewitter förderlicher sein als falsche Freundlichkeit.

Gerüchte ganz anderer Art entstehen durch die im Reitsport so rar gesäten Männer. Die Spekulation darüber, wer mit wem und wo könnten endlos fortgesetzt werden. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Abgesehen davon, daß Beziehungskisten ein abendfüllendes Thema für jede Fete im Reiterstübchen sind, sind die wenigen männlichen Reiter, falls sie auch nur halbwegs tageslichttauglich sind, bei der Damenwelt heiß begehrt. Nicht nur pubertierende Teenies reißen sich darum, dem Reitlehrer die Stiefel putzen zu dürfen - auch bei erwachsenen Frauen kann wahrer Krieg um einen reitenden Mann entstehen. Opfer der hier entstehenden Gerüchte sind meist weniger die Männer als die weiblichen Wesen, die es geschafft haben, den Reiter für sich zu gewinnen.

Ein ganz besonders beliebter Zeitvertreib ist die Ent- und Aufdeckung heimlicher und verbotener Affären. Nichts scheint so spannend zu sein, als herauszufinden, mit wem Herr Müller gerade seine Frau betrügt und dieser das postwendend mitzuteilen. Ist der Bedarf an untreuen Männern nicht gedeckt, wird auch gerne ein bißchen erfunden. Jürgen aus Krefeld berichtet: „Meiner Freundin wurden die wildesten Stories erzählt. So wollte mich eine Verleumderin nicht nur knutschend mit einer Bekannten auf dem Putzplatz gesehen, sondern auch noch in flagranti in der Strohkammer erwischt haben. Hinterher wurde es uns zu blöd, und wir haben nichts mehr abgestritten. Daraufhin waren wir für unsere Märchentante nicht mehr interessant.“

Wer unter Hobbydetektiven, die gerne mal im Terminkalender schnüffeln, leidet, kann sich trösten. Lothar Drat, Mitarbeiter beim „Verein gegen psychosozialen Streß und Mobbing e.V.“ erklärt: „Die größten Moralapostel haben oft selbst den meisten Dreck am Stecken. Wer lauthals über andere herzieht, will nur von seinen eigenen Schandtaten ablenken.“

Eingefleischte Cliquen machen es besonders den „Neuen“ im Stall schwer, Fuß zu fassen. Karin aus Wuppertal kann das bestätigen: „Als ich mit 14 hier auf den Hof gekommen bin, hat keiner von den Mädchen richtig mit mir geredet, sie haben mich richtig ausgegrenzt. Die anderen in meinem Alter hatten alle teure Pferde, da wurde ich mit meinem alten Pony natürlich belächelt. Erst nach ein paar Monaten hatte man sich besser kennen gelernt, und da fanden sie auch meinen Dicken ganz süß“. Andersartigkeit scheint ein Problem zu sein, das Elisabeth Metzner beobachtet: „Der Mensch neigt dazu, alle, die sich von ihm unterscheiden, erst mal abzulehnen. Deshalb werden auch so genannte Randgruppen Arbeitslose oder Behinderte oft von der Gesellschaft ausgegrenzt. Wer sich als Neuer nicht sofort in eine Gruppe anpasst, hat es schwer, sich einzuleben.“

Die Möglichkeiten, einer „unerwünschten“ Person den Stall madig zu machen, sind schier unbegrenzt. Die Liste der Beispiele reicht von Kontaktverweigerung, übler Nachrede, lauten Beschimpfungen und Beleidigungen bis hin zu kindischen Aktionen, wie Pferdeäpfel in Reitstiefel zu deponieren. Treffen kann es jeden. „Es gibt keinen bestimmten Typ Mensch, der gemobbt wird. Auffällig ist aber, dass die meisten Intrigen von Leuten ausgehen, die selbst nicht durch ihre Leistung auffallen und sich irgendwie interessant machen wollen“, erklärt Lothar Drat.

Wenn der Gang zum Pferd zur Qual wird, sollte man schleunigst Gegenmaßnahmen ergreifen: „Im Ernstfall muß man sich überlegen, ob man die Situation verläßt, sprich den Stall wechselt oder zum Gegenangriff ansetzt. Wenn die Lästerei zu wirklichem Psychoterror wird, sollte man fachliche Hilfe in Anspruch nehmen“, rät Drat. „Das Phänomen Mobbing tritt immer häufiger am Arbeitsplatz, aber auch im Freizeitbereich auf. Vermutlich liegt das am steigendem Wertverfall in unserer Gesellschaft. Statt Respekt und Solidarität zählen oftmals nur noch Erfolg und Überlegenheit.“

Pferdebörse 10/01

Mobbing im Pferdestall

Das tägliche Gift

Von Ulrike Dobberthien


Niemand ist davor sicher. Es trifft Reitlehrer, Tierärzte, Frauen und Männer.
Es treibt zwölfjährige Mädchen weinend aus den Reitschulen, macht erwachsenen Trainern das Leben schwer und vermiest Menschen den Spaß am Pferd.
Mobbing ist das Schreckenswort, das Gemeinheiten wie Ausgrenzen, Sticheln und Verletzen, Lästern, herabsetzende Bemerkungen und Intrigen zusammenfasst, wenn
sie regelmäßig und systematisch passieren. … Psychologen verstehen darunter systematisches Ausgrenzen und Zermürben eines Berufskollegen über längere Zeit. …


„Drei bis vier Prozent aller Berufstätigen erfahren in ihrem Berufsleben Mobbing am eigenen Leib“, schätzt Heinz Schüpbach, Professor für Arbeits- und Organisations-psychologie an der Universität Freiburg. … „Die durchschnittliche Mobbingdauer in Deutschland beträgt drei Jahre“, sagt Lothar Drat, Vorsitzender des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing in Wiesbaden. Da die Opfer sich im Recht fühlen, harren sie in ihrer unerträglichen Situation aus und leiden. Sie können nicht schlafen, mögen nicht essen, fühlen sich erschöpft, mutlos und werden depressiv.
„25 Prozent der Betroffenen erleben Mobbing wie einen Mord“, sagt Drat.
… Wie hoch der Leidensdruck ist, zeigt eine Untersuchung der Pferdebörse:
Fast 80 Prozent der Einsteller würden ihre Pferde am liebsten in Eigenregie halten,
um der Kritik, den ätzenden Lästereien und den ewigen Auseinandersetzungen um Reiten, Futter und Pferdehaltung zu entfliehen. Ein gutes Stallklima scheint die
Ausnahme, nicht die Regel. Fast jeder kennt Mobbing-Geschichten, viele waren bereits Opfer. Das geht beim Reiten besonders schnell, weil Ausrüstung, Reitweise, Können, Rasse des Pferdes und Ansichten über Fütterung und Haltung unzählige Angriffsmöglichkeiten bieten. … „Gemeinsames Mobben kann auch zerstrittene Gruppen wieder einen“, sagt der Gehirnforscher und Mobbing-Experte Dr. Alfred Fleissner. Außerdem tun Menschen viel um nicht allein zu sein. „Jeder Mensch hat Angliederungs-bedürfnisse und sucht Bestätigung in der Gruppe“, erklärt die Sozialpsychologin Dr. Sabine Otten. Fleissner nennt Menschen daher „territoriale Kleingruppen-Wesen“. „In einer Gruppe von sechs bis zehn Menschen, mit denen er gut vertraut ist, fühlt er sich am wohlsten.“ Der Wunsch nach Geborgenheit in einer Gruppe ist im Menschen tief verwurzelt. „Gemeinsames Mobben vermittelt ein gutes Gruppengefühl und stärkt den Zusammenhalt“, bestätigt auch der Arbeitspsychologe Prof. Heinz Schüpbach.


Stets sind die Grenzen zwischen Tratsch, Lästerei, übler Nachrede und Mobbing fließend. Sie werden auch unterschiedlich empfunden, je nachdem wie sensibel das Opfer ist. … „Unter den Opfern sind genauso viele Männer wie Frauen“, sagt Lothar Drat, der beim Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM) Betroffene berät. „Es sieht nur immer so aus, als ob eher Frauen zum Opfer werden, weil sie früher Hilfe suchen als Männer, und sich damit als Opfer zu erkennen geben. …


Gemobbte Tierärzte sind meist jüngere Ärzte, die mit Elan eine neue Praxis eröffnen,
viel Pferde- und Menschenverstand haben und neueren Heilmethoden aufgeschlossen gegenüber stehen, folglich gut im Geschäft sind. „Erst hieß es, ich liefe immer mit offener Hose rum und hätte was mit meinen Kundinnen und Angestellten“, sagt ein Betroffener, der nicht genannt werden möchte. „Dann hieß es plötzlich, meine Diagnosen seien immer unzuverlässig, anschließend operierte ich angeblich Pferde zu Krüppeln. Irgendwann kam der Vorwurf der Abzockerei: Ich sollte die Pferde absichtlich falsch behandeln, um sie länger in der Klinik zu behalten.“ Weil solche vermeintlichen Insider-Informationen in allen Ställen begeistert und ungeprüft durchgehechelt werden, kann eine solche Kampagne einen Tierarzt ebenso ruinieren wie einen Ausbilder.


„In 70 % der Fälle wird mit Gerüchten gearbeitet“, sagt Drat. … Und wer sind die Täter? „Es sind vor allem Menschen mit einem übersteigerten Selbstwertgefühl“, sagt Dr. Jeannette Schmid. Einige psychologische Studien nennen auch Minderwertigkeitsgefühle als Grund für Mobbing. … Dass die Leistungen von Mobbern in der Regel durchschnittlich oder schlecht sind, weiß auch Drat. Dieser Neid richtet sich auch gegen Menschen, die
sich durch Leistung oder Engagement auszeichnen…. dazu passt die subjektive Einschätzung vieler Opfer, dass sie aus reinem Neid gemobbt werden. Laut einer
Studie empfinden das 76 % der Opfer. …


So wehren sie sich gegen Mobbing

Holen sie sich professionelle Unterstützung. Sprechen sie mit ihrem Hausarzt, einem Psychologen oder Psychotherapeuten, einer Beratungsstelle oder gehen sie zu einer Selbsthilfegruppe.

Zwei gemeinnützige Beratungsstellen bieten telefonische oder persönliche Beratung
an und können Ärzte, Juristen und Psychotherapeuten in ihrer Nähe nennen:

Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V. (VPSM)
Kemmelweg 10
65191 Wiesbaden
Tel: 0611 9570381
0172-6133857
Internet:
www.vpsm.de

 

 

 

 

 

 

 

Mobbing bei der Polizei

Stern 08/97

 

Von Kollegen in den Tod getrieben?

 

Eine junge Frau aus Bayern, die bei der Berliner Polizei arbeitete, erschoss sich aus Verzweiflung. Sie fühlte sich von Vorgesetzten und Kollegen verfolgt – kein Einzelfall

Zum Schluss zog es die junge Polizistin noch einmal nach Hause. Ein letztes Mal ging
sie mit ihren Eltern an der Donau spazieren. Mittags, als in Straubing die Glocken
läuteten, setzte sie sich die Sportpistole ihres Vaters an den Kopf und drückt ab.
Die 24jährige Stefanie L. war sofort tot.

Sie hat keinen Zweifel daran gelassen, wem sie die Schuld gibt: ihren Vorgesetzten
und Kollegen bei der Polizei in Berlin. „Tödliches Mobbing?" fragte das Boulevard-Blatt „BZ" Auf 25 Seiten hat Stefanie L. ihre Sicht der Ereignisse dargelegt – für ihren Anwalt, der ihre Klage gegen das Land Berlin vertritt. Schon kurz nachdem sie in die Hauptstadt gekommen war, hatte sich die Tochter eines Bundeswehroffiziers mit ihrer Dienstauf-fassung bei Kollegen unbeliebt gemacht. Selbst am frühen Ostermontag, wo manche es auch schon mal gern etwas ruhiger angehen lassen, wollte die Bayerin noch unbedingt Streife in ihrem Revier im nördlichen Pankow fahren.

Erbost meldete die junge Frau zwei Kollegen bei ihrem Vorgesetzten „die, um in Ruhe Karten spielen zu können, eine Einsatzübersicht gefälscht haben". Auch bei der Abteilung Verbrechensbekämpfung der Polizeidirektion I im Wedding, wo Stefanie L. einige Tage
zur Einarbeitung war, eckte die Frau mit ihrem Eifer an.

Sie fühlte sich isoliert und schikaniert. Doch weder dem Personalrat noch der Gewerkschaft der Polizei vertraute Stefanie ihre Nöte an. Der Versuch, mit ihrem Vorgesetzten zu reden endete in einem Fiasko Wenige Stunden danach Wenige
Stunden danach stürmte ein Sondereinsatzkommando der Polizei ihre Wohnung riss
die Frau aus dem Bett und lieferte sie in eine Nervenheilanstalt ein. – wegen angeblicher Geistesgestörtheit und akuter Selbstmordgefahr. Die Aufnahmeärztin jedoch schickte Stefanie L. umgehend heim.

Dennoch erstellte der ärztliche Dienst der Polizei ein Gutachten, das Stefanie L. für "dauernd polizeiunfähig" erklärte. Die junge Frau erstattete Anzeige gegen ihren Vorgesetzten, eine Polizeipsychologin und eine Mitarbeiterin der polizeilichen Sozialbetreuung. Doch sie war mit ihrer Kraft am Ende, verließ die Stadt und fuhr
nach Straubing.

Am Montag will sich der Berliner Innenausschuss mit dem Fall befassen. Für Grünen-Fraktionschef Wolfgang Wieland ist nach einem Gespräch mit Stefanies Eltern klar
„Das war Mobbing". Polizeipräsident Hagen Saberschinsky will davon nichts wissen:
ein „tragischer Einzelfall". Ein Mobbing-Problem gebe es nicht. Das zeuge „entweder
von Unkenntnis des wahren Sachverhalts oder von dem Wunsch, von der eigentlichen Problematik abzulenken", meint dagegen Eberhard Schönberg, Chef der Gewerkschaft
der Polizei. Beim Polizeiarbeitskreis der Berliner CDU häufen sich die seit Stefanies Tod Anrufe von Polizisten, die sich von Kollegen und Vorgesetzten terrorisiert fühlen. Seit einem Jahr listet das Gremium Fälle auf, in denen engagierte Beamtinnen und Beamte regelrecht zerbrochen wurden. Die Resonanz bei der Polizeispitze, so Arbeitskreischef Ulrich Krüger, „war eher verhalten"

Die Zahl der Mobbing-Opfer in Behörden nimmt nach den Erfahrungen des Vereins gegen
psychosozialen Stress und Mobbing in Wiesbaden ständig zu. Jedes zweite Mobbing-Opfer das sich ihm meldet, komme inzwischen aus dem öffentlichen Dienst. ...

Vereinsvorsitzender Lothar Drat: ... Wie unliebsame Kollegen zur Räson gebracht oder
fertig gemacht würden, funktioniere immer nach dem gleichen Schema. „Zuerst werden Gerüchte gestreut. Wann das nichts nützt, werden die Leute verdächtigt, psychisch krank und somit dienstunfähig zu sein."

Diesen Mechanismus hat auch der inzwischen pensionierte Berliner Polizeioberkommissar Wolfram Polewyczynski erfahren. Der heute 61jährige hatte im Frühjahr 1996 die „Lumpen-Affäre" ans Tageslicht gebracht. Vier Jahre lang hatten rumänische Abschiebehäftlinge im Gewahrsam der Berliner Polizei „Aus Sicherheitsgründen" ihre Kleidung ablegen müssen. Stattdessen bekamen sie ausrangierte Trainingsanzüge der Polizei, durchlöchert, zerrissen und mit herausgetrennten Reißverschlüssen. Als der einstige SEK-Beamte und Präzisionsschütze sich über diesen „Rassismus" von oben und Sadismus von unten" empörte und sich auch noch über Dienstvergehen von Kollegen und Vorgesetzten beschwerte, wurde er zum Querulanten abgestempelt Wegen vermuteter „neurotischer Störungen" schickte ihn sein Chef zum Polizeiarzt. Polewczynski wurde versetzt und mit Ermittlungsverfahren überzogen. Dreimal innerhalb eines Jahres musste er sich auf krankhafte Veränderung der Persönlichkeit" untersuchen lassen. Polewczynki: "Die haben regelrecht Jagd auf mich gemacht"

Bei mehr als einem Drittel der Fälle würden die Opfer verdächtigt, psychisch krank zu
sein, weiß Drat. „Fast zehn Prozent werden zwangsweise zur ärztlichen Untersuchung ...."

Auch eine Versetzung nütze nichts. Die Dienststellen, auf die die Betroffenen abgeschoben werden, seien in der Regel über den „Problemfall" und die angeblichen Vergehen informiert. Die Betroffenen würden „wieder Zielscheibe", so Hans-Heiner Salbrecht, Lehrer an der Berliner Landespolizeischule und Mitglied des CDU-Polizeiarbeitskreises. So erging es auch einer 42jährigen Kriminalhauptkommissarin.
Der Psychoterror begann, als sie sich weigerte, mit ihrem Vorgesetzten ins Bett zu gehen. Die Beamtin wurde versetzt, doch ihr Fall hatte sich längst in ihrer neuen Dienststelle herumgesprochen. Sie durfte nur noch Fingerabdrücke abnehmen und Abfragen in den Computer eintippen. Mit Unterstellungen wie „nuttiger Kleidung" und mangelnder körperlicher Fitness wurde sie weiter verfolgt. „Das Mobbing gegen meine Mandantin
ist superklassisch", sagt ihr Anwalt Hans-Christian Ströbele. Jetzt ist der Fall vor dem Berliner Verfassungsgericht gelandet.

Inzwischen hat auch Polizeipräsident Saberschinsky reagiert. Er rief eine Mobbingkommission ins Leben – nachdem Innensenator Jörg Schönbohm (CDU)
möglichen Mobbingopfem angeboten hatte, sich direkt an ihn zu wenden.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cosmopolitan 06/99

 

Polizei — dein Feind und Mobber?

 

Roland Bäurle
Immer öfter klagen Beamtinnen über Mobbing und sexuelle Belästigungim Dienst – bedauerliche Einzelfälle? Unser Beispiel zeigt: Der Psychoterror hat Methode, und manchmal ist ihm auch die stärkste Frau nicht gewachsen.

Susanne F. lebt. Und sie ist immer noch Polizistin. Beides grenzt an ein Wunder.
Die Geschichte dieses Wunders ist zugleich die Geschichte eines Alptraums. Er beginnt, als Susanne 1993 nach fünf Jahren bei der Schutzpolizei zur Kripo wechselt. Dort gibt es normalerweise eine Wartefrist, denn viele Polizisten
arbeiten lieber tagsüber im Büro, statt nachts im Streifenwagen durch die Stadt
zu jagen. Eigentlich müsste auch Susanne noch das eine oder andere Dienstjahr absitzen – aber wegen ihrer hervorragenden Beurteilungen engagiert der Dienststellenleiter sie sofort. Es dauert Monate, bis Susanne merkt:
Der  Wechsel ins Rauschgift-Dezernat war der größte Fehler ihres Lebens.
Schon als sie ihr Büro bezieht, wundert sie sich: Keiner der neuen Kollegen
begrüßt sie,  keiner bietet ihr seine Hilfe an. Ganz allein schleppt sie Kisten und Büromöbel durch den Flur. Nur der Dienststellenleiter schaut vorbei, hilft ihr, ein Regal zusammenzuschrauben.

Anfangs denkt Susanne, die Beamten bei der Kripo seien eben ein wenig
reserviert. Sie versucht es mit Freundlichkeit, aber ohne Erfolg. Betritt sie
morgens das Geschäftszimmer, verstummen die Gespräche schlagartig, und ein Kollege nach dem anderen verlässt den Raum. Alle außer dem Chef behandeln
die Neueinsteigerin, als wäre sie Luft. „Halt dich ruhig, das spielt sich schon ein", beschwichtigt der Dienststellenleiter, als sie ihn einmal  darauf anspricht. Aber
auch nach drei Wochen geht immer noch jeder grusslos an Susanne
vorbei.

Bis sie ihre Wohnung wechselt und den Umzug in ihrer Dienststelle meldet. Sofort spricht sich herum: Die Neue hat sich von ihrem Freund getrennt. Noch am selben Tag tauchen nacheinander fünf Kollegen bei Susanne im Büro auf. Der erste legt
ihr einen Zettel auf den Schreibtisch, grinst und sagt gönnerhaft: „Na, Mädel, ich hab' gehört, es läuft nicht so toll bei dir. Ich gebe dir mal meine Nummer, kannst mich ja anrufen und dich aussprechen." Ein anderer, dessen Frau gerade das zweite Kind erwartet, fragt scheinheilig: „Wohnst du jetzt allein?' Und als Susanne nickt, lügt er. „Ich weiß, wie das ist, hab' selber gerade eine Trennung hinter mir. Wir könnten ja mal zusammen weggehen, was trinken, ein bisschen reden." Bis Dienstschluss liegen auf Susannes Schreibtisch fünf Zettel mit den  Telefonnummern von Kollegen, die sie „trösten" wollen. „Wofür halten die mich eigentlich? Für eine Art Freizeit-Hure, nur weil ich blond und schlank bin?"
Zum ersten Mal steigt Wut in ihr auf. Nach außen lässt sie sich nichts anmerken, erträgt die plumpe Anmache sprach- und  fassungslos. Die Zettel wirft sie weg.
Von da an ist sie bei den Kollegen endgültig unten durch. Als Neuling müsste sie vom Team in die Arbeit eingebunden werden. Doch Susanne sitzt den ganzen Tag in ihrem Büro, während die anderen zu zweit oder zu dritt an einem Fall arbeiten. Sie erntet höchstens  Kopfschütteln, wenn sie fragt „Habt ihr was zu tun für mich?" Nur der Chef bringt ihr manchmal Akten, die sie bearbeiten soll. Zumindest in den ersten Monaten.

In keiner anderen Berufsgruppe werden Frauen so häufig gemobbt und damit
meist auch  sexuell belästigt, wie bei der Polizei. (an dieser Stelle ist den Verfassern m.E. wohl ein wenig der „Gaul durchgegangen“ - bis dato führt das Sozial- und Gesundheitswesen eindeutig die Hitliste von Mobbing an / L. Drat)
So ergab kürzlich eine Studie in Nordrhein-Westfalen: Jede vierte Polizistin sei
dort von Kollegen oder Vorgesetzten schikaniert und angemacht. Die meisten
von ihnen bekommen wie Susanne „unerwünschte Einladungen mit eindeutiger Absicht", sie müssen sich schlüpfrige Bemerkungen über ihre Figur oder ihr Sexleben anhören, sie werden begrapscht und in den Po gekniffen. Solche sexuellen Übergriffe sind eine (allerdings eher seltenere / L.Drat) von
mehreren Mobbing-Strategien. Die anderen lauten: ausgrenzen, verleumden,
fiese Gerüchte streuen – besonders oft solche, die sich um das Sexualleben drehen. Die Mehrzahl der Betroffenen schweigt. Nur zehn Prozent wagen es,
sich zu beschweren: Susanne gehört zu diesen zehn Prozent. Zunächst spricht
sie ihre Kollegen direkt an: „Sag' mal, was hab' ich dir eigentlich getan?" Die Antworten sind ausweichend oder bleiben ganz aus. Schließlich geht sie wieder zum Chef. Der fleht daraufhin in der nächsten Dienstbesprechung sein Team an: „Bindet die Kollegin doch ein." Tags darauf bekommt Susanne kurz vor Dienstschluss den Auftrag, einen Einsatzplan für den nächsten Tag zu schreiben. Bei anderen dauert diese Arbeit eine Stunde. Susanne ist nach zehn Minuten fertig. „Kann ich sonst noch was für dich tun?", fragt sie lächelnd den Kollegen, der eigentlich sehen wollte, wie sie scheitert. Die Kripo-Beamten sind nicht reserviert, wie Susanne anfangs glaubte, sie wollen sie loswerden. Das wird ihr endgültig in jener Nacht klar, in der sie fünf Festnahmen auf einmal zu bearbeiten hat. Bis zum nächsten Mittag müssen dem Staatsanwalt stichhaltige Haftgründe vorliegen,
sonst sind die verdächtigen Drogen-Dealer wieder frei. Im Normalfall arbeitet in einer solchen Situation das ganze Team zusammen. Susanne bekommt nur zu hören: „Meinst du wirklich, dass du deine Haftsachen schaffst?" Sie schafft es.
Die Unterlagen für die Haftbefehle werden in letzter Minute fertig und sind so perfekt, dass der Staatsanwalt damit problemlos beim Haftrichter durchkommt. Freunde im Dezernat schafft sich Susanne mit dieser Leistung nicht. Ihre Kollegen haben meistens mehr Zeit für ihre Berichte – und der Staatsanwalt schickt die Akten trotzdem oft zurück, weil die Haftgründe  nicht präzise genug formuliert
sind. Susanne fordert den Dienststellenleiter noch einmal auf, endlich etwas
gegen das Mobbing zu tun. Doch der sagt nur „Frauen auf der Dienststelle,
das gibt nur Ärger. Hätte ich das bloß mal gelassen." Susanne blafft zurück:
„Was kann ich denn dafür, wenn die Beamten hier nur mit der Hose denken?"
Von da an herrscht eisiges Schweigen. Es gibt jetzt immer mehr Tage, an denen Susanne ihre Kollegen nur noch kurz am Morgen sieht, wenn sie sich Kaffee holt. Danach sitzt sie von halb acht bis 16 Uhr in ihrem Zimmer und hat nichts zu tun. Aus  Langeweile macht sie einen Sprachkurs, lernt Türkisch, statt gegen Dealer zu ermitteln.

Mobbing. Das heißt auf Deutsch: anpöbeln, angreifen, fertig machen. Es geschieht überall,  aber besonders häufig in Behörden. Jedes zweite Mobbing-Opfer kommt aus dem öffentlichen Dienst, so die Erfahrungen des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing in Wiesbaden. Der Vereinsvorsitzende Lothar Drat: „Das Hauptmotiv fürs Mobben ist Neid. Es trifft überwiegend kreative, leistungsbewusste Mitarbeiterinnen, die (u.U. hier auch / L.Drat) den Nachteil haben (können), attraktiv auszusehen."

Susanne könnte auch als Model arbeiten, sie spricht sechs Sprachen, sie liefert
dem Staatsanwalt klar gegliederte und geschliffen formulierte Berichte. Und sie bekam eine Stelle, obwohl es Bewerber gab, die schon viel länger warteten. Das alles erzeugte Hass und Ablehnung bei ihren elf männlichen, aber auch bei ihrer einzigen weiblichen Kollegin – die es bis dahin nicht  gewohnt war, eine Konkurrentin neben sich zu haben.

Der Dienststellenleiter ruft Susanne zu sich. Er zeigt ihr einen anonymen Brief.
Der Schreiber petzt, Susanne habe sich in einer anderen Abteilung beworben,
sei aber gescheitert. Sie wird rot, die Sache ist ihr peinlich. Der Chef zerreißt
den Brief vor ihren Augen und wirft ihn in den Papierkorb. Damit, so sagt er,
sei die Sache für ihn erledigt. Ein paar Wochen zuvor, hatte Susanne ihren Chef noch aufgefordert, den Denunzianten zu ermitteln und gegen ihn  vorzugehen. Aber dazu hat sie nicht mehr das Selbstbewusstsein. Sie schämt sich, ist froh,  ...  Susanne ... wehrt sich nicht. Sie duckt sich, hofft, das alles ginge einfach vorbei. Im Gegenteil.

Es wird noch schlimmer.

Was Susanne in ihrer Dienststelle widerfährt, dürfte eigentlich gar nicht passieren. Denn es gibt Frauenbeauftragte bei der Polizei. Es gibt Personalräte. Es gibt Anti-Diskriminierungs-und Arbeitsschutzgesetze. Jede Frau kann sich gegen Mobbing wehren. Allerdings nur in der Theorie. In der Praxis werden die meisten Frauenbeauftragten von ihren – männlichen –Dienstherren bestimmt und haben wenig bis gar nichts zu sagen. Zum Thema „Mobbing an Polizistinnen" befragt,
legt die Beauftragte in München vor allem Wert auf die Feststellung, sie sei keine Frauen, sondern eine Gleichstellungsbeauftragte. Und gemobbt würden auch Männer. Ihre Kollegin in Hamburg teilt mit, sie dürfe nur ganz allgemein zum
Thema „Frauen" etwas sagen. Über „Mobbing" zu sprechen, dafür habe sie vom Dienstherren keine Erlaubnis. Und die Personalräte? Das sind überwiegend Männer, die nach Susannes Erfahrung „keine Lust mehr haben zu arbeiten und
nur noch ihre Ausflüge organisieren. Wenn ich denen etwas  im Vertrauen erzähle, weiß es hinterher jeder."

Die Kollegen bekommen mit, dass Susanne einen neuen Lebenspartner hat. Von
da an klingelt bei ihm regelmäßig das Telefon, sobald sie im Einsatz ist: „Was
willst du eigentlich mit der Schlampe? Weißt du überhaupt, was die gerade macht? Die liegt bei einem anderen Kerl im Bett." Susanne wird krank, leidet ständig an Magenschmerzen. Nachts wälzt sie sich schlaflos im Bett. Immer wieder schießt ihr derselbe Gedanke durch den Kopf: „Was musst du für ein Arschloch sein, dass die so mit dir umgehen." Susanne möchte am liebsten fliehen, weit weggehen, irgendwo anders neu anfangen. Aber als Polizistin kann sie nicht einfach das Bundesland wechseln. Und auch nicht den Job. Mit ihrer Ausbildung, da ist sie sicher, käme sie höchstens noch als Nachtwächterin unter. Ihr bleibt nur ein Ausweg: Sie bittet offiziell um Versetzung in eine andere Dienststelle. Deren
Leiter habe längst von Susanne gehört – das ist doch diese Zicke, mit der es dauernd Ärger gibt. Natürlich will keiner diesen Ärger in seiner Abteilung haben. Und so wartet Susanne vergeblich auf eine freie Stelle. Monate vergehen,  in
denen sie jede Hoffnung verliert und jedes Vertrauen zu sich selbst. ...

„Mobber sind Heckenschützen", sagt der Sozialpädagoge Lothar Drat, „ und wer gemobbt wird, erkennt die Gefahr meistens viel zu spät. Vieles wirkt zufällig und harmlos, man kann ja tatsächlich mal jemand übersehen, eine Einladung vergessen, ein Gerücht weitererzählen, das man halt irgendwo gehört hat. Nur, beim Mobbing dauern diese kleinen Nadelstiche an. Sie verletzen Körper Geist und Seele erst ganz allmählich, aber dafür umso schlimmer.

Schlafstörungen, Herzprobleme. Kopf- und Magenschmerzen sind die verbreitesten körperlichen Symptome. Vor allem aber „macht Mobbing aus lebenslustigen Menschen ängstliche, graue Mäuschen," weiß Lothar Drat. „Die Menschen ziehen sich zurück, werden depressiv. Manche verhalten sich querulatorisch oder einfach nur sonderbar." Im Laufe der Zeit legen viele tatsächlich ein Verhalten an den Tag, das sie unbeliebt macht. In rund der Hälfte aller Fälle (falsch; - in der Mitte eines Mobbing-Prozesses / L.Drat), so Drat, heißt es dann irgendwann, die Betroffenen seien psychisch krank  und darin liege die Ursache allen Ärgers (was sie reaktiv in der Regel auch werden / L.Drat).

Susanne denkt an Selbstmord. Sie wäre nicht die erste Polizistin, die von Kollegen zu Tode schikaniert wird.

So beschwerte sich Stefanie L. in ihrer Berliner Dienststelle über zwei Kollegen, die stundenlang Karten spielten, statt Streife zu fahren. Wenig später stürmte ein Sondereinsatzkommando ihre Wohnung und brachte sie in eine Nervenklinik. Sie sei geistesgestört, hieß es. Doch die Aufnahmeärztin konnte dafür keine Anzeichen feststellen und schickte die 24 Jährige wieder heim. Danach wollte kein Kollege mehr etwas mit Stefanie L. zu tun haben. Im Juli erschoss sie sich im Haus ihrer Eltern. Die Staatsanwaltschaft leitete ein „Todesermittlungsverfahren" ein, das später ein gestellt wurde. Der Berliner  Polizeipräsident sprach von einem „tragischen Einzelfall", ein Mobbingproblem gibt es nicht.

(Er äußerte aber auch in einer uns vorliegenden Fernsehsendung: „Es ist in unserer Gesellschaft unüblich geworden offen und im Klartext miteinander zu reden und dies ist eine der Hauptursachen von Mobbing“ - einen Satz, den wir als wichtig, mutig und wertvoll betrachten / L. Drat)

In München begann Sylvia B. im vorigen Dezember ihren Dienst in einer Polizei-Inspektion. Aus der fröhlichen 22 Jährigen wurde binnen weniger Wochen ein Nervenbündel. Drei Kollegen auf der Inspektion machten sich einen Spaß daraus, sie mit solchen Sätzen zu quälen: „Wie du ausschaust, hast du bestimmt die
ganze Nacht durch gefickt." Sie wurde beleidigt, gedemütigt, ausgegrenzt. Schon nach zwei Wochen im Dienst rief Sylvia B. bei der Gleichstellungsbeauftragten an, bat außerdem den Personalrat um Hilfe. Ihr wurde gesagt, sie müsse Beweise liefern, Fakten. Wie Susanne litt Sylvia B. unter Magenbeschwerden, lag deswegen sogar im Krankenhaus. An ihrer Verzweiflung änderte das nichts. Am 14. Februar machte sie sich von ihrem Heimatort in der Nähe von Augsburg auf den Weg ins 40 Kilometer entfernte München und mit jedem Kilometer, den sie ihrer Dienststelle näher kam, muss ihre Panik gewachsen sein. Etwa auf halber Strecke Fuhr sie auf einen Autobahnparkplatz, hielt sich ihre Dienstpistole an die Schläfe und drückte ab. Sie starb nach  genau 76 Tagen Psychoterror.

Susanne wenigstens lebt. Sie überwindet sich nach monatelangem Kampf dazu,
in eine Selbsthilfegruppe zu gehen. Die Telefonnummer sieht sie zufällig auf
einem Autoaufkleber, zögert aber zunächst mit dem Anruf. Eigentlich hält sie
nichts von derlei Gruppen. Lauter Opfer, die sich gegenseitig was vor jammern, weinerliche Idioten, die wahrscheinlich in ihrem Beruf versagt haben und jetzt die Verantwortung dafür abwälzen wollen – das sind die Leute,  die Susanne in der Gruppe erwartet.

Doch sie trifft (beim VPSM / L.Drat) Menschen, die etwas ganz Ähnliches erlebt haben wie sie selbst. Menschen die ihr den Rücken stärken, und ihr das Gefühl geben, eben kein Störenfried zu sein, sondern eine ganz normale Frau. Ein Jahr lang hatte Susanne die Schuld bei sich gesucht, mit niemandem über ihre Erlebnisse bei der Kripo geredet. Jetzt erst durchschaut sie langsam die Mechanismen, erkennt auch Fehler die sie selbst gemacht hat. Allmählich wird
ihr klar Es war falsch abzuwarten, und zu hoffen, alles würde von allein wieder aufhören. Je duldsamer Susanne war, je mehr sie versuchte, an ihre Kollegen heranzukommen, desto mehr wurde sie  abgewiesen.

Schon vom ersten Tag an hätte sie sich nichts gefallen lassen dürfen. Sie hätte
dem Dienststellenleiter ins Gesicht sagen sollen, was sie nur insgeheim dachte:
„Du hast einen Sau-Haufen hier, kümmere dich gefälligst darum. Sonst mach ich es." Auch der schwer fällige Hintern eines lang gedienten Beamten lässt sich nämlich in Bewegung bringen, wenn jemand ihm mit einer Beschwerde beim Vorgesetzten droht. Viele Mobber halten ihr Tun für witzig, mindestens aber gerechtfertigt. „Jemand, der sich gemobbt fühlt, sollte es öffentlich machen.
Vor allen anderen Kollegen den vorführen, der stichelt. Das empfiehlt Elke Rath ,Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei. Sie gehört zu den
wenigen in ihrem Berufsstand, die klipp und klar sagen: Es gibt  Mobbing bei der Polizei. Und die Tendenz ist steigend."

Das Hauptproblem: Fast allen Beteiligten fehlt es am Unrechtsbewusstsein. Vielen Mobbern ist gar nicht klar, wie sehr sie andere verletzen. Sie halten ihr Vorgehen für witzig, mindestens aber für gerechtfertigt. Frauen bei der Polizei gibt es in den meisten deutschen Bundesländern erst seit höchstens 15 Jahren. Das Sagen im Revier haben oft alte Patriarchen, die an sexistischen Bemerkungen nichts Schlimmes finden können. Solange aber der Chef nur wohlwollend grinst,
mobben seine Untergebenen fröhlich weiter.

Lothar Drat: „Mobbing ist immer auch ein Anzeichen für Führungsschwäche."

... Polizisten werden nahezu automatisch befördert, sie machen Karriere durch
das Absitzen von Dienstjahren. „Wenn jemand mehr arbeitet, damit es schneller geht, knüppeln ihn die andern gnadenlos  nieder, denn er stellt sie ja in ihrer Arbeitsweise in Frage. Sich irgendwie hervortun oder aufmucken, das wird unter Beamten nicht geduldet", sagt auch Sylvia B. gemacht, die beide  als besonders fleißig galten - nur können sie heute nicht mehr darüber reden.

Die Leidenszeit von Susanne endet nach zwei Jahren. Dann endlich findet sich
doch ein Dienststellenleiter der bereit ist, der 26 Jahre alten Kriminalbeamtin in seiner Abteilung eine neue Chance zu geben. Und siehe da: Die Arbeit mit der vermeintlichen Querulantin klappt hervorragend. Susanne versteht sich bestens
mit ihren neuen Kollegen. Manchmal allerdings holt die Vergangenheit sie wieder ein. Im Flur ihrer alten Dienststelle, die sie ab und zu aufsuchen muss, wenn sie gegen jemand ermittelt, der auch mit Drogen zu tun hat. „In diesem Flur, sagt
sie, „ habe ich immer ein beklemmendes Gefühl, als ob einer hinter mir steht und mir den Hals zudrückt." Oder auch neulich, als sie von Sylvia B. in der Zeitung las. Da spürte sie wieder diese Ohnmacht, konnte nachempfinden, wie einsam sich Sylvia gefühlt haben muss. Susanne wusste genau, was in Sylvia vorging, als sie sich die Pistole an die  Schläfe setzte.

Susanne F. lebt. Sie wird nicht mehr gemobbt. Aber etwas in ihr, sagt sie, sei kaputtgegangen. Die Liebe zum Beruf, die Leidenschaft und der Idealismus,
die sie vor Jahren in den Polizeidienst führten, sind verschwunden. Heute
arbeitet sie nur noch bei der Polizei, um Geld zu verdienen.

 








 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mobbing im Krankenhaus



Ophthalmologische Nachrichten 08/99

 

In den Augenkliniken herrscht meistens Harmonie

Bestandsaufnahme der Mobbing-Situation in deutschen Kliniken

 

Während andere Disziplinen über Mobbing und seine Auswirkungen klagen, kennen es Augenärzte anscheinend nur vom Hörensagen.
(hof/maw/tb)

Immer die schlechtesten Dienstzeiten, ständige Zuteilung unattraktiver Aufgaben, kein Gespräch mehr mit Kollegen - Mobbing unter Ärzten! Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel" hat mit einem Bericht (29/1999: „Ende eines Traumberufs") diese Thematik auf Anhieb wieder ins Rampenlicht der Öffentlichkeit getragen.

Als wenig prekär charakterisiert Prof. Christian Ohrloff, Direktor des Zentrums für Augenheilkunde, die Situation der Ophthalmologen in der Uniklinik der Frankfurter Johann­Wolfgang-Goethe-Universität: „In unserem Bereich hat es bisher keine Beschwerden von Mitarbeitern über Mobbingvorfälle gegeben. Es herrscht eine gute und motivierende Arbeitsatmosphäre." Jedoch sei es die dringendste Aufgabe eines jeden Klinikchefs, die Bedingungen seiner Mitarbeiter am Arbeitsplatz zu beobachten sowie eventuelle, strukturelle Spannungen frühzeitig zu erkennen. Diese schnellstmöglich zu beseitigen sei die oberste Priorität des Chefs, wie Ohrloff sich eine gut funktionierende Mobbing-Prophylaxe vorstellt.

Entgegen einschlägiger Äußerungen von Vertretern anderer Fachrichtungen zu den Tendenzen in ihrer jeweiligen Disziplin scheint Mobbing kein akutes Thema in den Reihen der Ophthalmologen zu sein. Spekulierten z.B. manche Kardiologen schon öffentlich über das Abschaffen der Habilitation als ultimativem Machtmittel gegenüber den jungen,  aufstrebenden Uniklinikem, so will man in den ophthalmologischen Abteilungen der verschiedenen Kliniken davon nichts wissen oder gemerkt haben.

Ihr Chef habe sich noch nie mit der Mobbingfrage befasst und sähe dafür auch keinen Bedarf, lässt Prof. Eberhart Zrenner, Geschäftsführender Direktor der Augenklinik der Tübinger Eberhard-Karls-Universität, seine Sekretärin die Bitte um ein Interview mit den Ophthalmologischen Nachrichten abwiegeln. Aller Harmonie zum Trotze scheint sich Mobbing als Spitze des Eisbergs der Arbeitsbelastungen von Kliniken abzuzeichnen.  Generell drückt die unbefriedigende Perspektive in der Klinikarbeit auf die Stimmung und damit auf das Betriebsklima. ... Nur ein Viertel der Befragten Ärzte steht noch „ohne jede Bedenken" zu seiner Berufsentscheidung.

Das Mobbing auch nach wie vor ein Thema im Klinikalltag ist, glaubt Lothar Drat, Vorsitzender des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V. (VPSM).
Er fordert ein wissenschaftlich fundiertes Mobbing-Ranking der deutschen Kliniken. Der Hamburger Neurologe und Psychiater Dr. Peter Halama macht das Problem
aus seiner Sicht an den Hauptakteuren fest: „Bedenklich ist der Umstand, dass
die mobbenden Chefs, aber auch die anderen Ärzte, die sich durchaus über die psychosozialen Konsequenzen ihres verantwortungslosen Verhaltens für ihre Opfer im klaren sein dürften, wider besseres Wissen  gnadenlos weitermachen."







Rheinisches Ärzteblatt 08/99

 

Mobbing im Krankenhaus

 

Psychoterror im Berufsalltag zwingt oft zur Kündigung
(von Malte M. Ludwig und Dietrich Klingmüller)

Laut Statistik verbringt der Mensch im Durchschnitt ein Drittel seiner Lebenszeit am Arbeitsplatz. Leider haben in den letzten Jahren die Konflikte am Arbeitsplatz sowohl zwischen Kollegen als auch zwischen Vorgesetzten und Untergebenen derart zugenommen, dass die Kosten zur Bekämpfung hieraus resultierender psychischer und psychosomatischer Symptome nach einer Statistik der AOK-Hamburg in einem Bereich von 100 Milliarden DM pro Jahr liegen.
Angst als krankhaftes Symptom ist nach Meinung von Arbeitsmedizinern, Psychiatem, Untenehmensberatem und Betriebsräten ein alltägliches Phänomen am Arbeitsplatz und wird verursacht durch Leistungsdruck, Versagens- und Überforderungsbefürchtungen. Häufig ist Mobbing die Ursache.


Konfliktbelastete Kommunikation


Die Gesellschaft gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V. definiert
Mobbing am Arbeitsplatz als eine „konfliktbelastete Kommunikation unter
Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, bei der die
angegriffene Person unterlegen ist, von einer oder mehreren anderen Personen oft, systematisch und während längerer Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet".

Nach Leymann ist das Mobbing-Opfer einer von 45 kränkenden Handlungsarten,
die er unterscheidet, mindestens einmal pro Woche, mindestens ein halbes Jahr lang ausgesetzt. Am Arbeitsplatz ist für die Betroffenen Mobbing zu erkennen an Schikane und Bosheit von Vorgesetzten sogar angestiftet oder unterstützt. ...

Eine Umfrage des Marburger Bund Landesverbandes Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz e.V. konnte offen legen, dass sich rund 25 Prozent der Klinikärztinnen und -Ärzte oft oder ständig ungerechter Kritik von Kolleginnen und Kollegen ausgesetzt sehen. Hiervon sind Assistenzärztinnen und -ärzte am meisten betroffen. ...

•Das wiederholt öffentlich formulierte Führungsprinzip eines Klinikdirektors war, jede Kollegin oder jeden Kollegen der Klinik gleich schlecht zu behandeln, um niemanden zu bevorzugen. Dies verleitete einen leitenden Oberarzt und Leistungsträger der Klinik, indem er vorschlug, das Führungsprinzip der Klinik dahingehend zu ändern, jede oder jeden der Klinik gleich gut zu behandeln.
Wegen dieser Bemerkung wurde der Oberarzt von seinem Vorgesetzten vor Kollegen als ständiger Meckerer tituliert. Er drohte ihm, die „Daumenschrauben" anzulegen. Seit dieser Zeit wurde der Oberarzt vom Klinikdirektor ignoriert.
In der Durchführung seiner Weiterbildungsermächtigung wird der Kollege
seitdem behindert. Seine Anträge zur Apparateausstattung, Personalbesetzung oder Raumausstattung fanden keine Resonanz. Bei statistisch gleichbleibender Zahl der durch den Oberarzt persönlich behandelten Privatpatienten verringerte der Klinikdirektor seine Abgaben an den Kollegen innerhalb der folgenden drei Jahre um 75 Prozent. ...

Jeder kann betroffen sein
Die Beispiele zeigen, dass in den hierarchischen medizinischen Strukturen jede Kollegin oder jeder Kollege von mobbing betroffen sein Kann. Aus dem Arbeitsrecht ist bekannt, dass im fortgeschrittenen Fall Mobbing fast immer mit dem Ausschluss aus dem Arbeitsleben endet. Häufig kündigt der oder die Betroffene selbst, oder die Kündigung wird vom Arbeitgeber eingeleitet. Um gegen Mobbing rechtlich einzuschreiten, muss die oder der Betroffene selbst Strafantrag stellen (z.B.
wegen übler Nachrede und Verleumdung oder wegen vorsätzlicher oder fahrlässiger Körperverletzung bei schweren Gesundheitsschäden).

Die Gerichtsverfahren sind aber meist so kosten-, nerven- und zeitintensiv, dass das Mobbing-Opfer diese Belastung scheut und Abstand von rechtlichen Mitteln nimmt. In diesem Zusammenhang ist aber besonders darauf hinzuweisen, dass gerade der Arbeitgeber eine gesetzlich vorgeschriebene Fürsorgepflicht hat, die auch beinhaltet, Mobbing zu verhindern oder dagegen einzuschreiten.

Wie kann Mobbing verhindert werden? Wichtig ist, dass die vom Mobbing Betroffenen dies so früh wie möglich erkennen, den Tatbestand publik machen
und sich offensiv zur Wehr setzen. Hierfür muss die Angst vor Repressionen unbedingt überwunden werde. Besonders wichtig ist die Vorbereitung sowie
die Durchführung eines geeigneten Konfliktgespräches. In diesem
Zusammenhang sollte sich das Mobbing-Opfer folgende Fragen stellen:

      • Welches ist die Mobbing-Ursache?
      • Welchen kränkenden Handlungen bin ich ausgesetzt?
      • Wer ist Mobbing-Täter?
      • Gibt es mehrere Mobbing-Täter?
      • Ist die Toleranzgrenze erreicht?
      • Besteht die Aussicht der Konfliktlösung durch ein Gespräch?
      • Welches sind die Ziele des Konfliktgesprächs?
      • Welche neutrale Person soll zu diesem Gespräch hinzugezogen werden?
      • An welchem Ort und zu welchem Zeitpunkt sollte das Konfliktgespräch stattfinden?

 

 

 

 

 

Ver.di - Infodienst Krankenhäuser 06/01

 

Mobbing bei Klinikärztinnen und Ärzten

 

Mobbing ist der fortgesetzte, aufeinander aufbauende, diskriminierende, schikanöse Angriff auf eine missliebige Person über einen längeren Zeitraum hinweg mit dem Ziel, diese Person aus dem Arbeitsverhältnis zu drängen oder die Ehre und Gesundheit des Betroffenen zu verletzen.

Die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus war früher häufig nur eine kurze Zwischenstation auf dem Weg zur eigenen Praxis. Nach dem Motto „Sturzhelm auf und durch" wurden Repressionen im Berufsalltag zum Teil widerspruchslos hingenommen. Seit dem Gesundheitsstrukturgesetz von 1993 ist die abgeschlossene Weiterbildung zum Facharzt unabdingbare Voraussetzung für die Niederlassung. Gleichzeitig sind die Niederlassungsmöglichkeiten beschränkt und der „Durchgangsarbeitsplatz" entwickelt sich zum Dauerarbeitsplatz. Die Belastungen durch ungünstige Arbeitsbedingungen und eine ausgeprägte Hierarchie, die Dr. Clade im Deutschen Arzteblatt 1998 als „Kuliordnung" bezeichnete, begünstigen das Mobbing.

Mobbing im Krankenhaus

Nachfolgend einige Beispiele von Mobbing im Krankenhaus:

  • Einem AiP, der sich erst drei Wochen in einem PKH zur Ausbildung befand, wurde die Verantwortung für den Suizid eines Patienten angelastet.
  • Wegen der Bezahlung von Mehrarbeit wurde eine Chirurgin beim Chef vorstellig. Sie bekam danach während der Operation Nettigkeiten wie z.B. „Na, schießt Ihnen schon die Muttermilch in die Brust'?" zu hören.

¨ Nachdem vom Ärztlichen Direktor wiederholt die Ausstellung eines Weiterbildungszeugnisses eingefordert wurde, erhielten die betroffenen langjährigen Mitarbeiterinnen den Hinweis, dass solche „Fossile" im Krankenhaus nicht tragbar seien. Eine Mitarbeiterin wurde dann noch als tablettensüchtig verleumdet, was sie in ihrer Not durch eine selbst in Auftrag gegebene und dem Arbeitgeber vorgelegte Blutuntersuchung und Haaranalyse entkräftete.

  • Altersteilzeit beantragte eine Oberärztin, die über 20 Jahre ohne Beanstandung in einem kirchlichen Haus arbeitete. Dies sei „aus finanziellen Gründen ausgeschlossen" wurde ihr von der Verwaltung zunächst mündlich mitgeteilt. Kurz darauf wurde erfolgreich nach Fehlern geforscht, und die Ärztin wurde sofort vom Dienst suspendiert.
  • Der stellvertretende Leiter eines PKH erhielt von einem nicht autorisierten „Mitarbeiter-Gremium" die Aufforderung, sich in therapeutische Einzelbehandlung zu begeben und wurde gleichzeitig von den Leitungskonferenzen ausgeschlossen.
  • Sie solle doch aus dem Fenster springen, wenn sie den Anforderungen nicht gewachsen sei, bekam eine Oberärztin zu hören.
  • Aus einem Schreiben an einen an Magenkrebs erkrankten Arzt: „Wie Ihnen bekannt ist, bedauern wir ihre schwere Erkrankung sehr. (...) Sollten Sie nicht innerhalb der nächsten 3 Monate arbeitsfähig sein, sind wir gezwungen, Ihnen die Kündigung auszusprechen".
  • Während der Visite oder in Dienstbesprechungen werden Ärztinnen und Ärzte häufig der Lächerlichkeit preisgegeben oder gedemütigt.
  • Der bereits genehmigte Urlaub eines OA wird drei Tage vor Beginn widerrufen, da der Chef selbst in Urlaub fahren möchte. Der Anspruch kann nur per einstweiliger Verfügung bei dem Arbeitsgericht durchgesetzt werden.


Mobbingbeauftragte der Kammern

Der 101. Deutsche Ärztetag in Köln hat im Mai 1998 zu „Missbrauch und Repression (Mobbing)" folgendes beschlossen: „In den Ärztekammern sollen Ansprechpartner für Mobbing-Fälle benannt werden. Diese verstehen sich zunächst als Schlichter, vertreten in ernsten Fällen den beantragenden Arzt im Sinne der Berufsordnung. Vertraulichkeit im Kontakt mit dem Arzt wird zugesichert, solange es der Betroffene wünscht."

Mobbingbeauftragte gibt es bei den Ärztekammern Nordrhein, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Hessen.

Eine Auswertung

der Beratungsgespräche bei der Ärztekammer Nordrhein (Frau Dr. med. Hefer und Frau Dr. med. Levartz) ergab folgendes:

Statistisch erfasste und persönliche Beratungsgespräche bis 30 April 2001

Gesamt

181

Alter bis 35 Jahre

29

36-45 Jahre

57

46-55 Jahre

23

älter als 56 Jahre

13

nicht bekannt

berufliche Position

59

Arzt im Praktikum

7

Assistenzarzt

37

Facharzt

50

Oberarzt

42

Chefarzt

1

niedergelassener Arzt

7

nicht bekannt

37

Mobber (Mehrfachnennungen)

 

Vorgesetzte

122

Gleichgestellte

21

Personal

8

Verwaltung

8

nicht bekannt

43

 

Zeitraum des Mobbens

unter 1 Jahr 38

1-3 Jahre 84

3-6 Jahre 14

mehr als 6 Jahre 3

nicht bekannt 42

arbeitsunfähig geschrieben 39

 

I•later MUS

Krankheitssymptome

Tätigkeitsfeld

21

Klinik

126

Praxis

10

sonstige Institutionen

11

nicht bekannt

34

Arbeitsverhältnis beendet

16

Diese Auswertung deckt sich auch mit den Erfahrungen des Autors. Gemobbt werden häufig Fachärztinnen und Fachärzte, Oberärztinnen und Oberärzte mittleren Alters, die Schwierigkeiten mit Vorgesetzten bekommen.

Gründe für das Mobbing

Die Gründe für das Mobbing von Ärztinnen und Ärzten liegen meist in Organisation, Aufgabengestaltung oder Leitung des Arbeitsprozesses.

  • Erhöhung der Arbeitsintensität durch kürzere Verweildauern der Patientinnen und Patienten
  • Starke Arbeitsbelastung durch eine Vielzahl von Überstunden und Wochenenddiensten —Ärztinnen und Ärzte haben jederzeit verfügbar zu sein, Wochenarbeitszeiten von 60 bis 80 Stunden sind keine Seltenheit.
  • Teilweise werden Aufgaben des Pflegebereichs auf Ärztinnen und Ärzte verlagert. Auch Schreibdienstarbeiten (Arztbriefe, Befunde) müssen von Ärztinnen und Ärzten erledigt werden. Wer dies nicht akzeptiert wird unter Druck gesetzt.
  • Hierarchische Strukturen erleichtern das Mobbing
  • Lohndumping durch die Beschäftigung von Teilzeitkräften auf voller Stelle, so genannte Gastärzte und „Selbstfinanzierung" von Weiterbildungsstellen.
  • Konkurrenzkampf u.a. durch Abbau oder Nichtbesetzung von Stellen, Diebstahl geistigen Eigentums.

Mangelnde Konfliktbearbeitung

In den Gesprächen mit Ärztinnen und Ärzten wird deutlich, dass die genannten Konfliktfelder meist nicht offen und konstruktiv bewältigt werden. Wenn die Arbeitsbelastung oder Organisationsmängel offen angesprochen werden, wird dies häufig als mangelnde Kooperationsbereitschaft gewertet, und Änderungen werden rigoros abgelehnt. Sehr schnell kommt es dann dazu, dass diese ungelösten Konflikte auf die Persönlichkeit oder das Unvermögen der Gemobbten zurückgeführt werden.

Umgang mit Mobbing

Das Thema Mobbing muss sehr sensibel angegangen werden, wenn den Betroffenen geholfen werden soll. Zunächst müssen die Gemobbten die Möglichkeit erhalten, sich einmal wirklich auszusprechen. Zuhören ist gefragt. Die Betroffenen befinden sich meist in einer extremen Stresssituation, zu deren „Verarbeitung" auch die Berater in der Lage sein müssen. Beim Mobbing werden oft die fachlichen Kompetenzen und Fähigkeiten in Abrede gestellt und mit persönlichen Eigenschaften vermischt, was die Situation für Außenstehende eher undurchsichtig werden lässt. Bevor Interventionen erfolgen, müssen die betrieblichen Machtstrukturen bekannt sein, um die noch vorhandenen Chancen am Arbeitsplatz realistisch einschätzen zu können.

Viele Gemobbte haben die z. T. berechtigte Furcht, dass sich ihre Situation verschärft.

 

Wohlgemeinte Ratschläge, wie z. B. der Vorschlag, alles sofort publik zu machen und sich offensiv zur Wehr zu setzen, können kontraproduktiv sein. Nicht jede Ärztin, jeder Arzt besitzt die Kraft hierzu. Oft ist es ratsam, Vermittler (z.B. PR/BR/MAV) oder Betriebsärztin/Betriebsarzt/Personalleitung/Ärztlicher Direktor/Ärztekammer zu Gesprächen mit Vorgesetzten hinzuzuziehen. Diese Wege können jedoch auch Risiken bergen und sollten erst nach Rücksprache mit erfahrenen Vertrauenspersonen gewählt werden. Da fast immer berufs- und arbeitsrechtliche Aspekte eine Rolle spielen ... sollten ... Juristen ... eingeschaltet werden.

Einschub: In aller Regel eskalieren Konflikte, wenn Rechtsanwälte für den oder die Betroffene agieren; - hier ist also Vorsicht und Behutsamkeit geboten. Allerdings benötigen Betroffene zumindest fundierte juristische Fachkenntnisse zur Einschätzung der juristischen Möglichkeiten und Grenzen ihrer Situation! (L.Drat)

Eine aktuelle Entscheidung des LAG Thüringen vom 10. April 2001 Az 5 Sa 403/00 zeigt auf 50 Seiten erstmals deutlich die Verletzungen der Rechte eines Arbeitnehmers durch Mobbing seines Arbeitgebers, u.a. durch Totalentzug der Beschäftigung und Zuweisung einer nicht vertragsgemäßen Beschäftigung (vom Geschäftsstellenleiter BAT II auf eine Sachbearbeiterstelle BAT Vlb) verbunden mit Abmahnungen und Änderungskündigungen. Der Arbeitnehmer konnte sein Recht schließlich nur noch mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung durchsetzen.

Notwendige Veränderungen

In den Krankenhäusern und Kliniken muss eine Kultur entwickelt werden, die Mobbern keine Chance lässt. Dazu sollten häufig mit Konflikten behaftete Bereiche, wie z.B. Dienstplange­staltung und Urlaubsregelungen, Weiterbildungsplanung, Fortbildung und Pool eindeutig und transparent geregelt werden. Auch bietet sich die Einführung einer Betriebsvereinbarung zur Lösung von Konflikten am Arbeitsplatz an. Die Ärztekammer Nordrhein bereitet in Zusam­menarbeit mit dem Marburger Bund eine Musterdienstvereinbarung vor, die nach einer „Testphase" auch auf der Homepage der Ärztekammer Nordrhein bereitgestellt werden soll.

Die Gewerkschaft Marburger Bund versucht Verbesserungen auch mit Hilfe der ärztlichen Selbstverwaltung zu erreichen und hier Problembewusstsein zu schaffen.

Auf Initiative des MB befasste sich der 104. Ärztetag im Mai 2001 mit dem eigenständigen TOP: „Situation junger Ärztinnen und Ärzte – Ausbeutung der Arbeitskraft."

(Udo Rein)

Weitere Informationen

  • Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e. V. (VPSM)
    Kemmelweg 10, 65191 Wiesbaden
    überregional:
    www.vpsm.de
  • Internet: www.landesarbeitsgericht thueringen.de (Presseinfo: Entscheidung des LAG Thüringen vom 10.4.2001 Az 5 Sa 403/00

 

 
















Betriebsvereinbarungen

 

Die TAZ 07/96

 

Wer mobbt, hat bei VW schlechte Karten

 

Der Autokonzern hat mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung gegen Mobbing, sexuelle Übergriffe und Rassismus am Arbeitsplatz geschaffen. Ahndung bis zur Kündigung

„Natürlich werden Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz manchmal auch regelrecht krank“, sagt Barbara Grimm, Sprecherin des VW-Betriebsrates in Wolfsburg. Aber das seien trotz der 45.000 Beschäftigten im Wolfsburger VW-Werk eher Einzelfälle. Auch „Beschwerden von Kolleginnen über unsittliche Berührungen“ durch männliche Kollegen sind Frau Grimm „durchaus bekannt“. Und einen Überblick über sexuelle Belästigungen, auf die keine Beschwerde erfolge, habe natürlich niemand. „ In einem Betrieb dieser Größe findet sich eben alles, was draußen in der Stadt, in der Gesellschaft auch vorkommt“, sagt die Betriebsratssprecherin.

Unter dem unverfänglichen Titel „ Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz“ hat der Gesamtbetriebsrat von VW jetzt mit der Unternehmensleitung eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, die bisher einmalig für bundesdeutsche Großunternehmen ist. Der Vertrag richtet sich ausdrücklich gegen sexuelle Belästigung, Mobbing und Rassismus in den sechs inländischen VW-Werken und sieht darin einen „Verstoß gegen die Menschenwürde“ und „eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts“ der Opfer und vor allem „eine schwerwiegende Störung des Arbeitsfriedens“.

„Aus der Sicht des Betriebsrates soll die Vereinbarung das Wohl des einzelnen Beschäftigten schützen“ sagt Barbara Grimm. Das Unternehmen habe aber eben auch schlicht „ein wirtschaftliches Interesse an einem vernünftigen Arbeitsklima“ weil eben kranke oder weniger leistungsfähige Mitarbeiter Geld kosten. So fragen etwa die Abgesandten des VW-Gesundheitsdienstes, wenn sie Beschäftigte zu sogenannten „Rückkehrgesprächen“ aufsuchen, schon heute auch immer nach psychischen Problemen, nach Mobbing am Arbeitsplatz. Dieses unkollegiale, am Ende gar krank machende Verhalten beschreibt die Betriebsvereinbarung als „Verleumden von Werksangehörigen“ und als „Verbreiten von Gerüchten über Kollegen“. Auch gegen „unwürdige Behandlung durch Vorgesetzte, gegen “Drohungen, „Beschimpfungen“, und das „absichtliche Zurückhalten arbeitswichtiger Informationen“ können sich Mobbingopfer mit Hilfe der neuen Betriebsvereinbarung wehren.

Sie sichert ihnen Vertraulichkeit zu, wenn sie sich an das VW-Personal- oder Gesundheitswesen, die Frauenbeauftragte oder auch den Betriebsrat wenden.

Diese Stellen sind zur Aufklärung der Vorwürfe und Beratung der Betroffenen verpflichtet- Auch zu „Gegenmaßnahmen“ bis hin zu arbeitsrechtlichen Konzequenzen

Diese Gegenmaßnahmen können von der Belehrung bis hin zur Kündigung reichen.

Nicht alles, was jetzt in den Vereinbarungen umfassend geregelt wird, ist wirklich neu. Gegen „Diskriminierung aus rassistischen ausländerfeindlichen oder religiösen Gründen“ in den VW-Werken hatten sich Unternehmensleitung und Betriebsrat schon vor zehn Jahren in einer gemeinsamen Erklärung ausgesprochen. Frauen mußten sich schon bisher „unerwünschte Körperkontakte“ oder „Aufforderung zu sexuellen Handlungen“ keineswegs gefallen lassen. Eindeutig verbietet die Vereinbarung jetzt allerdings auch „das Zeigen sexistischer und pornographischer Darstellungen im Betrieb“.

Vor allem aber will sie das „partnerschaftliche Verhalten am Arbeitsplatz“ gezielt fördern: In der beruflichen Fort- und Weiterbildung werden sich bei VW künftig vor allem Vorgesetzte und Ausbilder auch mit der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz, dem Mobbing und der Diskriminierung auseinander setzen müssen. In einer „umfassenden Aufklärungs- und Informationskampagne sollen der gesamten Belegschaft per Broschüre die neuen partnerschaftlichen Verhaltensgrundsätze nahegebracht werden. Nicht zuletzt will man sich bei VW künftig auch um die Täter kümmern. Auch sie werden beraten und ihnen kann „zur Abhilfe ihres diskriminierenden Verhaltens“ auch eine Therapie angeboten werden.











ArbuR 11/96

 

Anti-Mobbing-Betriebsvereinbarung

bei VW

 

GBR und Unternehmensleitung der Volkswagen AG haben eine ab 01.07.1996 geltende Betriebsvereinbarung über partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz abgeschlossen. Auszüge:

Gemäß der Arbeitsordnung ist jeder Werksangehörige verpflichtet, zur Einhaltung des Arbeitsfriedens und eines guten Arbeitsklimas beizutragen. Hierzu gehört vor allem, die Persönlichkeit jedes Werksangehörigen zu respektieren. Zur Verletzung dieser Würde des Einzelnen gehört insbes. Das bewußte, gezielte und fahrlässige Herabwürdigen bis hin zum/zur

 sexuellen Belästigung wie Beispielsweise·

  • unerwünschter Körperkontakt.
  • anzügliche Bemerkungen, Kommentare oder Witze zur Person.
  • Zeigen sexistischer und pornographischer Darstellungen (z.B. Pin-up-Kalender).
  • Aufforderungen zu sexuellen Handlungen.
  • Andeutungen, daß sexuelles Entgegenkommen berufliche Vorteile bringen könnte.

Was als sexuelle Belästigung empfunden wird, ist durch das subjektive Empfinden der Betroffenen bestimmt.

 Mobbing, wie beispielsweise·

  • Verleumden von Werksangehörigen oder deren Familien.
  • Verbreiten von Gerüchten über Werksangehörige oder deren Familien.
  • Absichtliches Zurückhalten von arbeitsnotwendigen Informationen oder sogar Desinformationen.
  • Drohung und Erniedrigungen.
  • Beschimpfung, verletzende Behandlung, Hohn und Aggressivität.
  • Unwürdige Behandlung durch Vorgesetzte, wie z.B. die Zuteilung kränkender, unlösbarer, sinnloser oder gar keiner Aufgaben.

 Diskriminierung wie beispielsweise aus·

  • rassistischen, ausländerfeindlichen oder religiösen Gründen, die in mündlicher oder schriftlicher Form geäußert werden sowie
  • diesbezügliche Handlungen gegenüber Werksangehörigen.

Beschwerderecht

Wenn eine persönliche Zurechtweisung durch die belästigte Person im Einzelfall erfolglos ist oder unangebracht erscheint, können sich die betroffenen Werksangehörigen an die nachfolgenden Stellen wenden

  • den/die betrieblichen Vorgesetzten
  • den Betriebsrat
  • die Frauenbeauftragte
  • das Personalwesen
  • das Gesundheitswesen........................................ ........................
    (aus: ArbuR 11/1996)

Diese haben die Aufgabe, unverzüglich, spätestens innerhalb einer Woche nach Kenntnis des Vorfalls

  • die Betroffenen zu beraten und zu unterstützen.
  • In getrennten oder gemeinsamen Gesprächen mit den belästigenden und den belästigten Personen den Sachverhalt festzustellen und zu dokumentieren.
  • Die belästigende Person über die tatsächlichen und arbeitsrechtlichen Zusammenhänge und Folgen einer Belästigung im vorgenannten Sinne am Arbeitsplatz aufzuklären.
  • Den zuständigen Gremien Gegenmaßnahmen und ggf. arbeitsrechtliche Konsequenzen im Rahmen der bestehenden Verfahren vorzuschlagen.
  • allen – auch vertraulichen – Hinweisen und Beschwerden von Belästigung im vorgenannten Sinne nachzugehen.
  • Auf Wunsch die/den Betroffenen zu/in allen Gesprächen und Besprechungen einschließlich zu Sitzungen des Personalausschusses zu begleiten, zu beraten und sie in ihrer Vertretung zu unterstützen.

Über die Teilnahme von Vertrauenspersonen an seinen Sitzungen entscheidet der Personalausschuß in Abwägung der Umstände des Einzelfalls. Darüber hinaus können sich betroffene Werksangehörige auch jederzeit an Personen ihres Vertrauens sowie den Werkschutz wenden. Die §§ 84 und 85 BetrVG über das allgemeine Beschwerderecht bleiben unberührt. Die Beschwerde darf nicht zu Benachteiligungen führen.

Vertraulichkeit

Über die Informationen und Vorkommnisse, persönlichen Daten und Gesprächen ist absolutes Stillschweigen gegenüber Dritten zu bewahren, die nicht am Verfahren beteiligt sind.

Maßnahmen

Das Unternehmen hat die dem Einzelfall angemessenen betrieblichen Maßnahmen gem. § 32 der Arbeitsordnung, wie z.B.

  • Belehrung,
  • Verwarnung,
  • Verweis,
  • Geldbuße

Oder arbeitsrechtliche Maßnahmen wie z.B.

  • Versetzung,
  • Abmahnung oder
  • Kündigung zu ergreifen.

Die Durchführung erfolgt in Abstimmung mit dem Betriebsrat. Zur Abhilfe kann auch ein Beratungs- und/oder Therapieangebot erfolgen. Im übrigen gelten die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen, z.B. das Beschäftigtenschutzgesetz.

Fortbildung

Im Rahmen der beruflichen Fort- und Weiterbildung von Werksangehörigen wird die Problematik der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz, des Mobbings und der Diskriminierung, des Rechtsschutzes für die Betroffenen und der Handlungsverpflichtungen der Vorgesetzten aufgenommen.

Seminare

In Zusammenarbeit mit dem Gleichstellungsausschuß des Betriebsrates, der Frauenförderung und der VW-Coaching GmbH werden zielgruppenorientierte Seminare/Seminarbausteine erstellt.






 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Literaturhinweise

Heinz Leymann (Hrsg.):Der neue Mobbing-Bericht. Erfahrungen und Initiativen, Auswege und Hilfsangebote. Rororo aktuell 14,90 DM.

Engelmann (Hrsg.): Tatort Klassenzimmer

Arean Verlag, Würzburg 1995, DM 8,90, ab 12 Jahren

Kammerer, Don Wie überlebt man die Schule?

Schneider Verlag, München 1995, DM 14,95 Wildenhain, Michael: Wer sich nicht wehrt

Ravensburger Verlag 1996, DM 8,80, ab 14 Jahren

Zöller, Elisabeth: Und wenn ich zurückhaue?

Thienemann Verlag, Stuttgart 1994, DM 10,90, ab 10 Jahren

Für Lehrer und Erzieher:

Kasper, Horst: Mobbing in der Schule. AOL-Verlag, 1997, DM 48,-

Hurrelmann, Klaus: Gegen Gewalt in der Schule. Beltz Verlag, Weinheim 1995, DM 36,-

Olweus, d.: Gewalt in der Schule.

Hans Huber Verlag, Bem 1996, DM 24,80

Studien/ Forschungen:

Ene, meine muh – und raus bist du. Mobbing und Schule.

Eine Dokumentation mit Fachbeiträgen und Beispielen. Herausgegeben von der Initiative zur Förderung hochbegabter Kinder e.V.

Baiser, Hartmut/Schrewe, Hartmut/Schaaf, Nicole: Schulprogramm Gewaltprävention, Luchterhand Verlag, Neuwied 1997

Reihe: »Beiträge zur Schulentwicklung", DM 29,80

Schäfer, Mechthild: Aggression unter Schülern.

Eine Bestandsaufnahme über das Schikanieren in der Schule am Beispiel der 6. und 8. Klassenstufe.

Report Psychologie 21, (9/96) (SO. 700-711) (zu erhalten beim Max Planck Institute for Psychological Research, Leopoldstraße 24, 80802 München)

Max-Planck-Institut für Psychologische Forschung (Hrsg.):

maß, Arten und Prozesse der Stabilisierung. Ein Überblick. Max-Planck-Institut für Psychologische Forschung (Hrsg.):

Schäfer, Mechthild: Gruppenzwang als Ursache für Bullying?

Einstellungen zum Ausmaß und den Ursachen von Bullying sowie geeigneten Maßnahmen zur Reduktion aus der Perspektive von Lehrern.

 

 

 






16.08.2009!


















 

 

 

 

 

Men´s Health 06/99

 

Vorsicht vor diesen Kollegen

 

Konkurrenz ist normal, und nicht jeder im Job muss es gut mit Ihnen meinen.
Doch  manchmal wird ein Vorgesetzter oder Mitarbeiter zum Problem.

Experten-Tipps, mit denen Sie auch Problemfälle am Arbeitsplatz knacken.


Wenn der Beruf krank macht

Kommt Ihnen eines der folgenden Symptome bekannt vor? Dann gehen Sie
lieber zur Mobbing-Beratung!

Körperlich:

Magenschleimhautentzündungen, ... hohe Anfälligkeit für Erkältungen, Tablettensucht (hauptsächlich aus der Gruppe der Benzodiazepine), Impotenz, ... .

Seelisch:

Konzentrationsprobleme, Selbstzweifel, Depressionen, Hypersensibilität, Zwangsgedanken, Albträume, psychosomatische Störungen, Erschöpfung, Obsession, ..., posttraumatische Belastungsreaktionen (wie bei Opfern von Gewaltverbrechen und Naturkatastrophen), Selbstmordgedanken.

Abhilfe:

Bevor die Situation im Job eskaliert oder Sie ihren Job kündigen, sollten Sie eine
der vielen speziellen Beratungsstellen aufsuchen. Tipp: Die örtlichen Krankenkassen sind gute Ansprechpartner und vermitteln Kontakt-Adressen. Beratung: Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V. (VPSM), Wiesbaden, Kemmelweg 10, 65191 Wiesbaden
Tel. : 0611 / 54 17 37 0611 / 957 0381

 

Experten schätzen: Durch Fehl- und Krankheitszeiten, Abfindungen oder einfach dadurch, dass die Gemobbten ihre Energie nicht mehr für die Arbeit aufbringen können, entstehen Kosten von 30 Milliarden Mark jährlich.